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Die Brentanoscheune in Winkel

Die Brentanoscheune in Winkel

Wie es heißt, wurde die alte Feldscheune von einem wohlhabenden Geschäftsmann namens Behringer errichtet. Wann genau dies geschah, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass Behringer hier 1808 eine Gerberei betrieb, was historische Berichte belegen. Und fest steht weiterhin, dass diese Gerberei empfindlichen Nasen ein Dorn im Auge war.

Wie kam es dazu?
Es ist bekannt, dass eine Familie aus Bingen 1751 das heute als Brentano-Haus bekannte Gebäude erbaute. Jenen Ackermanns aber kam unergründlicherweise ihr Besitz wieder abhanden und ging um die Jahrhundertwende als Schuldverschreibung in die Hände der Brüder Franz und Georg Brentano über, die wiederum Halbbrüder von Bettina und Clemens Brentano waren. Das Dickicht ist schwer zu durchschauen, aber dass deren Eltern mit Goethe befreundet waren, der häufig reiste und demzufolge auch im Rheingau desöfteren Halt machte, ist hinreichend bekannt.

Nachdem das Brentano-Haus ab 1804 als reiner Privatbesitz geführt und von da ab hauptsächlich als Sommersitz genutzt wurde, waren die Schwierigkeiten vorprogrammiert. Was heutzutage als Nachbarschaftsstreit gewiss vor Gericht enden würde, veranlasste seinerzeit nicht nur Bettina, angewidert die Nase zu rümpfen. Im Ort war stets von der "Hölle" die Rede, wenn das Gespräch auf die Gerberei kam. In einem Brief an Frau Rat Goethe aus dem Jahr 1808 überlieferte Bettina von Brentano ihrer Nachwelt, dass ihr die Gerberei gegenüber gar mächtig stank:

" ... ach, Frau Mutter! Was ist hier in dem Langen Winkell für ein wunderlich Leben; das soll schöne Natur sein und ist es auch gewiss, ich hab nur keinen Verstand, es zu erkennen. Eh' meine Augen hinüber auf den Johannisberg schweifen, werden sie von ein paar schmutzigen Gassen in Beschlag genommen, von einem langen Feld raupenfräßiger Quetschen und Birnbäume. Aus jedem Gaubloch hängen Perlschnüre von getrockneten Schnitzeln und Hutzeln; der Lohgerber gegenüber uns durchdampft alle Wohlgerüche der Luft."

Von Nachbarschaftsstreit oder Gerichtsprozessen ist nichts bekannt. Im Gegenteil - die Brentanos lösten das Problem auf die feine, aristokratische Art. Sie bekundeten nämlich Interesse an der Scheune, und Behringer machte den Deal seines Lebens: Er verkaufte ihnen die "Hölle" zu einem guten Preis, wie es heißt, zog um nach Oestrich und erwarb dort einen Teil der Klostermühle. Die wandelte er um in die "Lohmühle", deren Namen sie auch heute noch trägt. So kam es, dass die Winkeler ab 1810 endlich wieder erleichtert ein- und aufatmen konnten, während die Oestricher das Nachsehen hatten.

Bis zum Jahr 1988 jedenfalls blieb die berüchtigte Scheune im Besitz der Familie von Brentano und diente zu unterschiedlichen Zwecken, u.a. als Pferdestall, Lager und Turnhalle; oder auch als Werkstatt eines Kulissenmalers.

Die Brentanoscheune in Winkel

Weitere Infos finden Sie unter www.brentanoscheune.de

Kommentare

  • am 30.12.2011 um 12:43 Uhr

    von Helmmut eckert

    Wo konnte Spielen schöner sein,
    als in der Hölle dunkel Bau.
    Eine Fensterluke klein,
    entriegelten wir schlau.

    Alte Kutschen, Leiterwagen,
    Kisten, Kasten, voller Plunder.
    Wie in Märchen und der Sagen,
    für uns Kinder Welt der Wunder,
    gelbes Stroh hoch aufgeschichtet,
    war Versteck und Räubernest.
    Als uns`re Höhle eingerichtet,
    Fantasie uns träumen lässt.

    Heute habe ich erfahren,
    Kultur und Kunst dort ein sie kehrte.
    Glücklich wir als Kinder waren,
    weil die Hölle uns gehörte.

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