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Nur der handgeschnitzte Holzsattel ist etwas hart

06.10.2017

Tischlermeister Johannes Reichert baute mit zwei Handwerkskollegen drei Fahrräder komplett aus Bambus

Geisenheim. (sf) "Nur der handgeschnitzte Sattel aus Teakholz ist etwas hart, ansonsten ist es als Fahrrad voll fahrtauglich, wie jedes andere auch", erklärt der Geisenheimer Tischlermeister Johannes Reichert den verblüfften Betrachtern seines Bambus-Fahrrades. Drei Fahrräder komplett aus Bambus haben der Tischlermeister und seine zwei Handwerkskollegen, die gelernte Schneidermeisterin Anke Capla aus Geisenheim und Elektriker-Meister Wolfram Klar aus Oestrich-Winkel seit März gebaut. Klar hatte die Idee zu dem ungewöhnlichen Fahrrad mitgebracht: er hatte in Berlin einen Workshop bei der Firma "Ozon Bikes Berlin" mitgemacht, die Bausätze für solche Bambusfahrräder verschickt. "So ein Fahrrad besteht eigentlich nur aus verschieden dicken Bambusrohren mit etwa 80 Zentimetern Länge", berichten die Rheingauer Experten, die die Anleitung von Ozon aber nur als Anregung nutzen und dann ihr ganz eigenes "Ding" machten. "Wir haben außer Bambus auch noch andere modernere Werkstoffe verarbeitet wie Karbon für die Gabel und Epoxidharz und Polyesterspachtel sowie drei Lagen Flachs an den tragenden Stellen", erklärt Reichert den Herstellungsprozess. Anke Capla hatte ihre Schneiderkünste bei ihrem Bike mit einfließen lassen, indem sie die Flachsverbindungen mit einer Naht versehen hat.
Außerdem habe man auch Möbellack-Spritzfüller verarbeitet. "Und zum guten Schluss haben wir mit Möbel- und Bootslack die Bambus-Strukturen betont". Der Tischlermeister ließ es sich nicht nehmen, sein Handwerk in den Bau mit einfließen zu lassen und schnitzte seinen Sattel aus Teakholz, auch die Pedale und die Schraubenabdeckungen bestehen aus diesem Holz.

Rund 100 Stunden hatten die drei Handwerksmeister gemeinsam an den ungewöhnlichen Fahrrädern gearbeitet, doch das sei auch dank der handwerklichen Vorbildung und dem Zugang zu den verschiedenen Maschinen und Werkzeugen so gut gelaufen. Aber nicht immer konnte man auf das gelernte Fachwissen zurückgreifen: "Statt Schraubzwingen haben wir Gummibänder benutzt und gerade beim Schleifen war auch sehr viel Handarbeit nötig", berichten die Bambus-Fans.

Das Material hatte die Erbauer begeistert: "Der Bambus ist sehr leicht und stabil zugleich. Selbst als Klar mit seinem ersten Rad stürzte, hat es keinen Schaden genommen". In Asien werde Bambus unglaublich viel als Baustoff und zum Konstruieren von Gerüsten verwendet. "Und dort sind Bambus-Fahrräder auch in aller Kategorien weit verbreitet", weiß das Rheingauer Team.

Insgesamt wiegen auch die Fahrräder der Rheingauer Bambus-Bauer nur knapp zwölf Kilo, auch weil die Ausstattung sehr einfach gewählt ist: "Es hat nur einen Gang und eine Vorderradbremse, also recht basic. Ist aber voll fahrbereit" erklärt der sportbegeisterte Geisenheimer Tischlermeister, der in seiner Freizeit viel mit dem Mountainbike oder Rennrad unterwegs ist. Sein Bambus-Fahrrad, das im Oberrohr des Rahmens auch seinen Namen trägt, hat er natürlich auch schon ausprobiert: "Beim Fahren ist auf dem Bambus-Rad kein Unterschied zu spüren". Und auch seine beiden Kollegen sind mit ihren Bambus-Fahrrädern sehr zufrieden. Selbst erfahrene Athleten hätten bei einem "blinden" Test keinen Unterschied zu anderen Rädern festgestellt. Für knapp 250 Euro kann man sich ein Grundkit bestellen. Der Materialwert des fertigen Bikes ist natürlich abhängig von den weiteren Komponenten. Die vielen Stunden Arbeitszeit, vom Spalten der Rohre bis zur Endlackierung, würde man da natürlich nicht mit einrechnen. "Das war auch viel Vergnügen, wir hatten Spaß dabei, was nicht zuletzt an den gestifteten Flaschen Rotwein vom Weingut Allendorf als "Doping" lag", erklären die drei Handwerksmeister. Und schließlich wolle man die Fahrräder auch nicht verkaufen oder gar einen Handel eröffnen: "Wir wollen unsere selbst kreierten Fahrräder auch selbst nutzen und einfach nur mal zeigen, was man aus dem nachwachsenden Rohstoff Bambus alles machen kann".

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 06.10.2017.

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