500. Ökumenisches Rheingauer Friedensgebet
21.02.2026
Seit 23 Jahren bitten Rheingauer in der Mittelheimer Basilika regelmäßig um Frieden für die Welt
Mittelheim. (sf) „Die meisten Menschen eint der Wunsch nach Frieden. Frieden in Ländern zu sehen, wo Krieg und blutige Auseinandersetzungen toben und für Leid sorgen, enerseits. Und andererseits Frieden zu bewahren bei uns im eigenen Land. Der Krieg als Mittel der Geopolitik, der wirtschaftlichen Interessen, der Machtinteressen ist wieder zurück in der Weltgeschichte. Das wird uns in Deutschland nach und nach bewusster. Anschläge auf die kritische Infrastruktur mehren sich - wenn das auch kein klassischer Krieg ist, vor dem Gott uns weiter bewahre - so sicher friedlich wie in vergangenen Jahrzehnten ist unsere Lage nicht mehr. In den Diskussionen, wie man am besten Frieden erreicht und Frieden bewahrt und sichert, werden verschiedene Meinungen vertreten, welcher Weg der richtige ist: wie die Verteidigungspolitik und Rüstung zu gestalten ist. Ein Weg, der in der Öffentlichkeit nur am Rande wahrgenommen wird, ist ein ganz anderer: der Weg, den Sie hier beschreiten mit dem ökumenischen Friedensgebet. Der Weg des Gebetes. Des Gebets für den Frieden. Egal, welchen politischen Weg wir für den richtigen halten, denn darin können wir uns vielleicht untereinander unterscheiden, eint uns als Christen, dass wir diesen Weg gehen müssen. Es ist der grundlegende Weg, den wir zuerst beschreiten müssen, vor der Suche nach allen anderen Lösungswegen“, sagte Kaplan Mathias Böhm in seiner Ansprache beim ökumenischen Friedensgebt am vergangenen Montagabend vor rund 50 Besuchern in der Mittelheimer Basilika.
Zum 500. Mal fand hier das Friedensgebet statt, das Menschen aller Konfessionen und Nationen hier zum gemeinsamen Beten um Frieden für die Welt zusammenführt. Mit Ausbruch des Irakkrieges hatte Pfarrer Franzwalter Nieten von der Pfarrgemeinde Mittelheim einst das ökumenische Rheingauer Friedensgebet ins Leben gerufen. 2003 hatte er erstmals am Tag der Lichtmess, gemeinsam mit Dekan Thomas Löhr und dem evangelischem Dekan Klaus Schmitt, in die Mittelheimer Basilika eingeladen. Gebete, Texte, Lieder und eine Ansprache zum Thema Frieden regten zum Nachdenken an. Mit dieser ersten besinnlichen Stunde in der Mittelheimer Basilika war man auch einem Aufruf des damaligen Limburger Bischofs Franz Kamphaus nachgekommen, der das Friedensgebet zu einem „Protest gegen eine Logik der Gewalteskalation, die als Realpolitik bezeichnet wird", erklärte. „Im Gebet setzen wir auf Jesus Christus, der den Kreislauf der Gewalt unterbrochen hat und als Gekreuzigter und Auferstandener Grund unserer Hoffnung ist", hatte Kamphaus damals gesagt.
Seit 23 Jahren also treffen sich die Menschen zum Friedensgebt in der Basilika, um für den Frieden in der Welt zu beten und ihre Bitten um Frieden vor Gott zu tragen. So ist mit der Zeit aus diesem Ökumenischen Gebet ein fester Bestandteil des gottesdienstlichen Spektrums geworden, der weit über die Grenzen der Kirchengemeinden von Oestrich-Winkel hinausgeht. Katholische und evangelische Christen kommen vereint in ihrem gemeinsamen Anliegen zum Friedensgebet zusammen. Das ist auch gelebte Ökumene - freundschaftlich praktiziert, vor Ort und zukunftsfähig. Zahlreiche Menschen aus dem politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Leben haben bisher beim Friedensgebet in Kurzreden ihre persönlichen Erfahrungen, Sehnsüchte, Wünsche und Vorstellungen zum Thema Frieden ausgesprochen und zum Nachdenken angeregt. Immer wieder wurden verschiedene Aspekte des Friedens betrachtet und andere Schwerpunkte gesetzt, die doch letztlich alle geeint waren von der tiefen Sehnsucht nach Frieden, den die Welt so sehr nötig hat. Das 500. Friedensgebet ist ein „Jubiläum“, auf das man mit Dankbarkeit blickt, aber vielleicht auch mit ein wenig Stolz. Denn auch nach der Erkrankung von Pfarrer Nieten, der dieses Gebet gestaltet und organisiert hatte, und seinem Tod 2008 war der Wunsch der Teilnehmer so stark gewesen, dass sich ein Vorbereitungsteam gefunden habe, welches das Friedensgebet auch weiterhin und bis heute anbietet.
Und auch beim 500. Friedensgebt waren wieder zahlreiche Gläubige zum gemeinsamen Bitten um Frieden, zum Innehalten und Nachdenken in die Mittelheimer Basilika gekommen. Schließlich ist es aktueller denn je, das zeigen die vielen Kriege in der ganzen Welt, allen voran der mittlerweile vier Jahre andauernde Angriffskrieg von Putin auf die Ukraine oder der Krieg im Gaza-Streifen, wo so viele Menschen leiden müssen.
Anlässlich des 500. Friedensgebetes gestalteten vergangenen Montag die „Pilger des Heiligen Phillip Neri“ die 30 Minuten Gedenken mit. Diese Gruppe von angehenden Priestern und Pfarrern, zu denen auch der aus Mittelheim stammende Lucas Weiss gehört, strebt die Gründung eines kirchlichen Vereines an. Gemeinsam mit Pfarrer Weiss und Kaplan Mathias Böhm, der die Ansprache hielt, gestalteten Pfarrer Mark Stenger, Kaplan Fabian Bruns und Kaplan Tomek Kruszewski das Friedensgebet. Als besonderes Geschenk hatte die Pilgergruppe ein Banner übergeben, das im Rebenkranz das Motto des Friedensgebets „Meinen Frieden gebe ich Euch“ und das Wort Frieden in allen Weltsprachen zeigt. Das Banner zierte den Altar in der Basilika.
Doro Wallenstein begleitete das Friedensgebet und im Anschluss waren alle Besucher zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Auch eine Kollekte fand statt, die der Rheingauer Hospizgesellschaft zu Gute kommen soll.
Ein Bericht von Sabine FLadung vom 21.02.2026.
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