77 Jahre feinster Kokolores beim KCV
11.02.2026
Kiedricher Sprudelfunken feierten ihr närrisches Vereinsjubiläum mit großer bunter Prunksitzung und vielen jungen und gestandenen Narren
Kiedrich. (sf) „Herzlich willkommen zur närrischen Schau, wir begrüßen Sie alle hier beim KCV. Zur Fassenacht, in dieser Saison, machen Sie mit – es gibt kein Pardon.
Wir wollen mit Ihnen den Abend genießen, Freude und Frohsinn sollen heute sprießen, denn heute Abend ist es wieder so weit, alle Aktiven stehen für sie bereit. Drum stimmen Sie mit ein in dieser Halle, bei unserer großen närrischen Schau, unserer goldigen Fassenacht ein dreifach Kiedrich Helau. Der KCV besteht in dieser Kampagne 77 Jahr und auch im 77. Jahr mit Spaß an der Freud spenden wir Frohsinn für Sie alle. Das Lachen der Menschen, das ist jetzt kein Scherz, erfreut jedes Jahr auf‘s Neue unser Narrenherz. So soll es bleiben hoffentlich noch eine lange Zeit, der KCV hat Tradition und ist für die Zukunft bereit“, erklärte gutgelaunt und mit echtem Frohsinn im Herzen Sitzungspräsident Winfried Steinmacher am vergangenen Samstagabend bei der ersten von insgesamt vier großen Fastnachtsitzungen in diesem Jahr im Kiedricher Bürgerhaus. Mit berechtigtem Stolz führte er an diesem Abend durch ein buntes Jubiläumsprogramm, bei dem sich ein närrischer Höhepunkt an den nächsten reihte. Das Publikum feierte die Narren auf der Bühne und ließ die Alltagssorgen mal ganz außen vor. Stattdessen bekamen die Mächtigen der Erde mal tüchtig eines auf’s Dach und Sitzungspräsident Steinmacher begann gleich damit in seiner Eröffnungsansprache: „Die Welt steht Kopf, dass sei hier gesacht, das beschäftigt uns natürlich auch an Fassenacht. Ob Kriege oder Unruhen, es nimmt kein Ende, und wir hoffen doch gerade in der Ukraine auf eine Wende. Jahrzehnte haben wir in Sicherheit gelebt, nach Kriegshaltung haben wir Gott sei Dank nicht mehr gestrebt. Doch jetzt ist ein Wort in vieler Munde, Verteidigungshaltung ist das Thema bei jeder Runde. Dies ist auch wichtig zur heutigen Zeit, wir wissen nicht wozu ist Trump noch bereit. Der ändert seine Strategie und das fast täglich und bei Ihm ist wirklich alles noch möglich. Drei Jahre führt er dieses Amt noch aus und es wirft ihn auch keiner vorher raus. Ich bitte Sie alle anlässlich der Sitzung hier heute: Europa muss zusammen stehen ihr lieben Leute, sonst wird mir bang bei diesem Prolet, was er für Unruhe in Zukunft noch sät. Drum stimmt mit ein in diesem Haus, auf Europa und den Frieden einen großen Applaus. Zu was Trump fähig ist das konnten wir in Venezuela sehen, obwohl wir dies alle nicht so verstehen: Waren wirklich die Drogen für ihn der Grund oder waren die Rohstoffe für ihn der wichtige Punkt? Dann wäre die Vorgehensweise ein Skandal und völkerrechtlich nicht zu akzeptieren und wirklich fatal. Es geht aber noch weiter mit Amerika first auf dieser Welt, jetzt will er noch Grönland, was ihm auch gut gefällt. Auch hier wird ein Grund uns vordergründig genannt, strategische Entscheidungen, so wurde es bekannt. Geht es hier vielleicht um die globale Macht, dann wird es gefährlich, dass sei Euch gesacht. Drum kann ich nur hoffe, und das ist keine Hetze, dass die Amerikaner ihn endlich ab tun setze“. Und auch zu den bevorstehenden Wahlen gab es vom Sitzungspräsident einen Rat: „Nehmt Euer Wahlrecht auch wirklich wahr, das gibt es nicht überall auf der Welt, das ist jedem klar. Viele Menschen stellen sich in den Dienst der Sache und sind bereit in der Politik mit zu mache. Das finde ich klasse, dass sage ich hier. Sich einzubringen für andere und das ganz ohne Zier. Ob für eine Partei oder parteilos das ist nicht die Frage, nur eines muss ich hierzu deutlich sage. Demokratisch muss die Partei oder die Gruppe sein, sonst wäre es für uns eine große Pein und sie würde auf Dauer zum Problem, und für viele Menschen in unserem Land sehr unbequem“. Für Kiedrich glossierte Steinmacher den Glasfaserausbau und das Gezeter bei der Suttonstrassen-Sperrung und richtete einen Dank an die ausführende Firma: „Die seit über einem Jahr hier in Kiedrich dafür sorgen, das Glasfaserkabel zu verlegen bis abends und am frühen Morgen. Drum stimmt mit ein in diesem Bau, auf die Männer vom Glasfaserausbau ein dreifach Helau!“. Gemeinsam mit dem Kinderprinzenpaar, den Trommlergruppen und den Tanzgruppen, die mit dem Elferrat unter den Klängen des Narrhallamarschs der KCV Bigband unter der Leitung von Ralf Sattler einmarschiert waren, eröffnete Steinmacher so die närrische Prunksitzung, die mit einem Prolog der 1. Vorsitzenden des KCV, Beate Schmidt, begonnen hatte.
Königliche Grüße richtete auch das KCV-Kinderprinzenpaar an die Gäste und Tim Schwab und Nele Fuglset verlangten von ihren närrischen Untertanten Frohsinn und gute Laune. Mit scharfer Zunge berichtete als Erster in der Bütt der Hessenlöwe Dirk Hardt aus dem politischen Dschungel und wusste als ausgewiesener Fachmann ganz genau, was im Hessenland und auf der ganzen Welt passiert. Bekannt aus der Fernsehsendung „Hessen lacht zur Fasenacht“, mischte der beruflich als Strafverteidiger tätige „Hessenlöwe“ in Kiedrich das Publikum tüchtig auf.
Für Superstimmung sorgten wieder einmal die KCV-Rabauken: Elyan Bauer, Lewin Bauer, Nele Fuglset, Philipp Hofmann, Naantje Neumann, Anton Rasel, Tim Schwab, Moritz Seufert, Aeneas Sheehan, Moritz Wehr und Kenny Weritz sorgten rhythmisch gut einstudiert unter der Leitung von Mario Richter mit ihrer Percussionsformation für Furore und begeisterten alle.
Und dass beim KCV der Nachwuchs ganz hoch im Kurs steht, bewiesen auch die „Teenies“, die kleinste Gruppe der Sprudelfunken, die in diesem Jahr mit einem hexenmäßig guten Tanz „Bibi und Tina“ mit auf die Bühne brachten. Dafür wurden Aurora Becker, Matilda Charlotte Berns, Amelie Rieke Binder, Emma Kremer, Nathalie Prinz, Fine Schaffner, Pauline Schönbauer, Madeleine Schwab, Lilya Margarete Seib, Lina Speidel, Zoe Stöber, Emilia Winterfeld, Elisa Wolf, Sue Wolf und Greta Kim Zenner und ihre Trainerinnen Jessica, Jennifer und Lilly Schwab mit riesigem Beifall belohnt.
Einen massiven Angriff auf die Lachmuskeln unternahm dann wieder Magda Mildner, die als „En Madamsche“ alle im Saal mit ihren unvergleichlich komischen Narreteien und köstlicher Mimik zu Lachtränen rührte: „Ich bin en Madamsche. Gelle – mer sieht´s doch. Ich entstamme einem alten Rheingauer Adelsgeschlecht. Meine Vorfahren waren lauter Artistokraten. Seit unzählige Generatore gehöre mir zu de Interlekdelle im Rheingau. Hochwohlkloare Leut, so wie ich. Ich bin eine geborene von: Von Winkel. Als ich das Licht der Welt erblickte, war ich nicht von schöner Gestalt. Die alte Geedscher saate: Schee isses grad nitt, des wär´n mir später nitt so leicht an de Mann bringe. Nao ja - vielleicht wächst´s sich jo aus. Wenn nitt, muss es sich halt später schminke. Ei schminke muss ich mich heit noch. Gelle wie schlimm“. Als eine sehr geschätzte Gastrednerin aus Winkel war Magda Miltner beim KCV wieder mal ein ganz besonderer Höhepunkt und präsentierte sich als wahres „Urgestein der Fastnacht“, das mit Recht vom Publikum gefeiert wurde.
Mit dem spektakulären Showtanz „The colour of my dreams“ präsentierten sich die Twens vom KCV und Ida Arthen, Emma und Thea Engel, Maria Flavious Freya, Shalu Saya Hana Christal, Clara Herwarth von Bittenfeld, Elisa Heyder, Hannah Hirning, Anna Kleinschmidt, Anna Merten, Tara Nitschka, Maddy Prinz, Marlene Seufert, Anni Vogels und Marie Zorn durften ohne eine Zugabe nicht von der Bühne.
Als echtes „Mamasöhnchen“ outete sich schließlich der „Der schüchterne Frederik“, in dessen Rolle der gestandene Fastnachter Andreas Kirsch das Publikum an der Nase herumführte und seine Premiere beim KCV mehr als gelungen verbuchen darf. Mit einem modernen Gardetanz sorgte die Tanzgruppe „Next Generation“ für närrischen Schwung und dafür sahnten Clara Arthen, Lilli Beling, Luisa Dinter, Leni Färber, Sophie Heid, Lea Hirning, Marie Mack, Cècile Opitz, Kim Ruf, Victoria Schlegel, Neah Schwed, Sarah Steiner, Mia Weber und Celine Wiffler mit ihren Trainerinnen Katharina Berns, Elena Maxheimer und Silja Maxheimer riesigen Beifall ab. Als „De Seppel“ stellte sich der närrische Postbote Sebastian Reeg dem Publikum vor und beim ihm flog das Paket nicht einfach übers Tor und er stellte es auch nicht einfach davor: als „Postbote der alten Schule“ nahm er sich Zeit für seine Kundschaft und das erfreute alle Leut.
Nicht fehlen darf bei einer Prunksitzung in Kiedrich der Tanz der großen Sprudelfunken-Garde, der stets ein besonderer Höhepunkt ist. Tänzerisch perfekt auf hohem Niveau servierten Carla Hilf, Felicia und Fiona Hopp, Lisa Marie Glaser, Michelle Köhler, Johanna Konradi, Ina Kremer, Lea Lück, Luisa Meffert, Clara Mertens, Amelie Paff, Hannah Schifferstein, Noemi Schwab, Vika-Ina Schwed, Selma Thielcke und Mette Went eine wundervolle Tanzshow zu einem ABBA – Medley.
Pure Lebensfreude gab es dann auch gleich zum Auftakt des zweiten Teils nach der Pause: die KCV Bigband sorgte für beste Laune im Saal und brachte mit Hits wie „I love you Baby“, „Es geht mir gut“, „Willenlos“, „Che Sera“, „Major Tom“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ den Saal zum Mitklatschen, Singen und Tanzen. Seit über 25 Jahren sorgt die KCV Bigband unter dem Motto „Musikalisch und Menschlich“ für Unterhaltung bei vielen Terminen und ist stets ein musikalischer Leckerbissen oder „Besser wie ein Sechser im Lotto“, wie Sitzungspräsident Steinmacher unter dem tosenden Applaus des närrischen Auditoriums festhielt.
Mit dabei bei der KCV-Narretei war auch diesmal wieder „De Äppelmann vom Wochenmarkt“, Kevin Raupach, der sich ein ganz besonderes Motto ausgedacht hatte und Friedrich Merz und Lars Klingbeil ein Poesiealbum mitgebracht hatte, in das alle ihre Freunde reinschreiben sollten. Bei der Wahl der Qual bei der bevorstehenden Kommunalwahl empfahl er die Parteien mit seinen Marktäpfeln zu vergleichen und hatte auch passend rote und grüne und Cox orange dabei, mahnte aber auch zur Vorsicht vor Äpfeln, die innen braun sind. Bei seinem Fastnachtshit „Schwellköpp, Schwellköpp“ sang der ganze Saal mit.
„Tequila“ nennt sich die KCV Jugendgruppe, die mit viel Percussion und noch mehr Elan die Riesenhits von Queen auf die Bühne brachte, einen herrlich schrägen Sänger im Gepäck hatte und mit zweihundert Stimmen „We will rock you“ performten. Die Jungs, früher auch schon mal mit selbstgebauten Instrumenten aus Baumarktmaterialien wie Abflussrohen, sind für ihre fetzige Musik seit einigen Jahren schon bei den Sprudelfunken bestens bekannt ist. Benedikt und Vincent, Nico Nägler, Mario und Tobias Richter und Moritz Seufert trommelten sich mit ihrem mitreisenden Rhythmus direkt in die Herzen der Zuhörer und kamen um eine Zugabe nicht herum.
Als Putzfrauen in der Apotheke plauderten Sabine Fladung und ihre Tochter Katharina Höfling wieder einmal zu später Stunde tüchtig aus dem Nähkästchen: „Letzt Woch hat en Kunde nach Hodenfarbe gefragt. Bitte was brauchen Sie?, hat der Apotheker gesagt. Eija ich brauch Hodenfarbe, mach doch die Ohren auf. Darauf der Apotheker „Ja wie kommen Sie darauf?“ Mein Cholesterin ist zu hoch und mein Arzt sagt, es würd reichen, ich sollt jetzt einfach mal die Eier streichen. Und am gleichen Tag, es is wirklich wahr, kam in die Apothek auch mein Nachbar. Sei Frau hat er aach dabei, un do kamen die zwei ganz heimlich in die Apothek reingelaufe und wollte unbemerkt Viagra kaufe. Was es koste würd ham se gefragt, ei 20 Euro hat die Apothekerin gesagt. Des war dem Herrn Nachbar nit so geheuer, was, hat er gesagt, des is so teuer? Ach Schatz, meint sie, mach kein Trara - wege dene 80 Euro im Jahr!“.
ns märchenhafte Reich der Sonnen- und Mondgöttinnen entführten die Ladys der KCV-Showtanzgruppe „Sparkling Illusion“ das Publikum mit tänzerischem Können und mit Freude. Der Augenschmaus mit beleuchteten Umhängen und akrobatischen Hebefiguren war etwas ganz Besonderes und verlangte natürlich nach einer Zugabe, ohne die die Tänzerinnen die Bühne nicht verlassen durften.
Die gehörte dann ganz und gar dem wohl derzeit berühmtesten Rheingauer Fastnachter, Gerd Brömser, der die Lachtränen nur so fließen ließ. Mit seinen herrlich komischen Schilderungen von „Shitstorm-Downloadern“, Kindern, die an Fastnacht kein Indianer-Kostüm anziehen dürfen, an Halloween alte Damen aber mit Totenköpfen und blutverschmierten Gesichtern erschrecken und Partyhäppchen auf verbogenen Löffeln, die keinen Hunger stillen, hatte er alle auf seiner Seite. Zum Glück brennt bei Gude Gerd nachts im Kühlschrank noch das Licht und der geliebten „Fleischworscht“ widmete er dann sogar noch eine Arie. Überhaupt schoss der Aulhausener Fastnachts- und Comedy-Star mit seinen großartigen Liedvorträgen als gestandener Tenor und Rapper wieder mal den Vogel ab.
Wer dachte, jetzt kann nichts besseres mehr kommen, der hat noch nie in Kiedrich eine Fastnachtssitzung erlebt, die traditionell stets von der köstlichen-komischen, aber durchaus gekonnt akrobatischen Tanzdarbietung des hauseigenen Männerballetts „Die Meisjes“ gekrönt wird. In diesem Jahr hatten sich Maximilian Erkel, Janik Falkenstein, Elias Seyffardt, Tim Höfling, Max Huber, Jens Kirsch, Vincent Marsolek, Patrice Martellinghi, Benedikt und Tommy Paff, Philipp Weber und Konstantin und Sebastian Wolf in schicke Jockeys verwandelt, die mit ihren lustigen Steckenpferdchen beim urkomischen „Hobby Horsing“ sogar Bibi und Tina den Rang abgaloppierten und die Bühne und den Saal wahrhaft zum Beben brachten. Der Siegerpokal ging dabei ganz unbestritten an die Trainerinnen Julia Wolf und Katharina Höfling, die die Prachtkerle gut im Griff haben.
Mit dieser Glanzleistung ging die närrische Chose auf der KCV-Bühne schließlich zu Ende und zum krönenden Abschluss rief der Sitzungspräsident noch einmal alle Aktive auf die Bühne, die weit nach Mitternacht und bis in die frühen Morgenstunden noch das 7x11jährige Jubiläum der Sprudelfunken gebührend feierten.
Ein Bericht von Sabine FLadung vom 11.02.2026.
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