Der Calmont ist wieder in Hausen

23.01.2021

Michael Apitz kauft eigenes Bild zurück/Einheits-Kunstwerk war Höhepunkt eines denkwürdigen Corona-Jahres

Rheingau. (sf) „Was für ein Jahr!“, resümiert auch der bekannte Rheingauer Künstler und Comic-Zeichner Michael Apitz zum Jahreswechsel im Rückblick auf die von der weltweiten Corona-Pandemie geprägten letzten Monate. „Ende März sind fast alle Ausstellungen und Veranstaltungen, die ich in diesem Jahr geplant hatte, wegen Corona ausgefallen. Eine schwere Zeit, vor allem auch für die Bühnenkünstler“, hält der in Hausen lebende Maler fest, der mit vielen Künstlern, wie der hessischen Comedy-Größe Henny Nachtsheim, eng befreundet ist und hautnah mitbekommen hat, wie diese Berufsgruppe „von jetzt auf gleich von Riesenerfolg auf null gerutscht ist“. „Auch Klaus Brantzen, der ja auch im Rheingau gut bekannt ist, hatte ursprüngliche eine Hauptrolle in einem Musical in Linz erhalten, eine tolle berufliche Chance, die Corona zu Nichte machte“, erzählt Apitz. Und so macht auch er sich vor allem Sorgen um die Freunde, die durch die Corona-Krise viele Einbußen hinnehmen mussten.

Er selbst sei eigentlich trotz der ausgefallenen Ausstellungen bisher gut durch die Monate der virusbedingten Lockdowns und Einschränkungen gekommen: „Trotz Lockdown und Beschränkungen konnte ich künstlerisch noch manches umsetzen, denn Maler arbeiten ja im Atelier und meistens allein!“. Besonders markant sei es, dass er in den letzten zwölf Monaten so viele persönliche Karikaturen wie nie zuvor geschaffen habe: „Sonst bekomme ich pro Jahr so etwa acht Aufträge für Karikaturen von Einzelpersonen. Doch in diesem denkwürdigen Jahr waren es dreimal so viele“, wundert sich der Künstler. Die künstlerische Vielfalt hat Michael Apitz gerade in dem Corona-Jahr gut über die Runden geholfen. Denn als Comic-Zeichner hat er auch vom Fußballverein Eintracht Frankfurt wieder viele Aufträge erhalten. Seit Jahren arbeitet er schon künstlerisch für den Fußballclub, für den er auch privat „brennt“, und zeichnet hier immer wieder Comics und Bilder zu großen und kleinen sportlichen Ereignissen.

Das sei für ihn zusätzlich zur Malerei ein wichtiger Faktor. Und natürlich hat Apitz auch viel gemalt und freute sich sehr, dass auch die Ausstellung „NEULAND" im Rathaus Wiesbaden im Sommer nach den Lockerungen unter strengsten Corona-Auflagen stattfinden konnte. Einige neue Gemälde konnte Michael Apitz dort präsentieren, vor allem das Gemälde „EINHEIT“ und den dazugehörigen Wein. Dieses Kunstprojekt sei für ihn persönlich der absolute Höhepunkt im vergangenen Jahr gewesen. Im September war in der Hessischen Landesvertretung in Berlin das Gesamtkunstwerk „EINHEIT - Deutscher Wein“ vorgestellt worden. Dahinter standen kreative Köpfe aus dem Rheingau mit dem wohl berühmtesten Künstler der Region, Michael Apitz, und dem Oestricher Weingut Spreitzer an der Spitze. „Im November 2019, genau 30 Jahre nach der Maueröffnung, fanden wir es an der Zeit, dieses geschichtliche Ereignis mit einem „WeinKunst Projekt“ zu würdigen“, erinnert sich Michael Apitz, wie es zu der Idee kam, die er mit seinem Bruder Jürgen und seinem Neffen Niko entwickelt hatte. Für „EINHEIT“ hatte man das Weincuvée eines Winzers aus dem Osten und eines Winzers aus dem Westen und ein dazu passendes Gemälde von Michael Apitz, das den Einheits-Wein als Etikett ziert, kreiert. Für den Wein hatte man die VDP.Weingüter Pawis von der Saale-Unstrut und das Weingut Spreitzer in Oestrich-Winkel im Rheingau gewinnen können. Beide lieferten einen Riesling, die in der Flasche zu einer „EINHEIT“ verschmolzen. Die Edition ist limitiert auf insgesamt 2020 Flaschen und mit dem Künstleretikett von Michael Apitz ausgestattet. Denn im Mittelpunkt der Aktion stand natürlich das neue Werk von Michael Apitz: „EINHEIT heißt auch mein großformatiges Gemälde. Es ziert das Etikett und verleiht dem Wein eine unverwechselbare Optik“, erzählt Michael Apitz. Mit einiger Zeit als Vorlauf für den Wein wie auch für die Entstehung des Gemäldes konnte das Gesamtkunstwerk dann auch zur Feier „30 Jahre Deutsche Wiedervereinigung“ vorgestellt werden. Und es kam so gut an, dass Michael Apitz und die Weingüter Pawis und Spreitzer für ihr gemeinsames Werk sogar den Preis der Deutschen Weinkritik 2020 bekamen. Im Rahmen einer Corona-konformen Feierstunde wurde dieser vor einigen Wochen im Weingut Spreitzer überreicht, als Laudator fungierte Prof. Dr. Leo Gros.

Eine weitere Besonderheit sei das künstlerische Gestalten von Alltagsmasken in der Corona-Krise gewesen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Mund-Nasen-Masken bemalen würde“, erklärte der Künstler. Tatsächlich sei die Idee der „Rheingauner-Masken“ aber eingeschlagen wie eine „Bombe“ und viele Rheingauer hätten solche witzigen Masken in Gebrauch, die den ungewöhnlichen neuen Alltags-Gegenstand in der Corona-Krise einfach bunter und witziger machen. Gerade hat Michael Apitz auf vielfachen Wunsch eine zweite Serie der Rheingauner-Masken kreiert und jetzt zum Jahreswechsel vorgestellt.

Richtig aufregend wurde es zum Ende dieses denkwürdigen Jahres dann noch einmal für Michael Apitz, als es ihm gelang, in aller Eile eines seiner bekannten Gemälde, „Calmont“, aus einem „Räumungsverkauf“ zu retten und es selbst wieder zu erwerben. Das Gemälde entstand 2006/2007 nach einer Idee von Robert Lönarz, dem Campus-Manager der Hochschule Geisenheim und Präsident des VEG Alumni-Verbandes. Lönarz, der von der Mosel stammt, engagierte sich dort dafür, ein in die Jahre gekommenes Wein-Museum mit neuem Konzept wieder zu eröffnen. Einer der Höhepunkte in dem technisch hoch ausgestatteten Museum sollte ein Bild des bekannten Weinlandschaftsmalers Michael Apitz sein, der den berühmten Weinberg Calmont für die Ausstellung malen wollte. „Dazu gab es dann auch umfangreiche Recherchen und Wanderungen vor Ort gemeinsam mit einem Grafiker, Birgit Ritter, Robert Lönarz und ortsansässigen Winzern.“, erinnert sich Apitz. Danach ging es ins heimische Atelier in Hausen und ein großformatiges Bild vom Calmont entstand. Da das Museum selbst kein Geld hatte, das Bild von Apitz zu kaufen, tat dies ein Gönner aus dem Rheingau und vergab das Gemälde als Dauerleihgabe an das MOSEL-WEIN-MUSEUM in Bernkastel-Kues. Doch nicht zuletzt wegen der Corona-Krise musste das Museum jetzt geschlossen und geräumt werden und das Apitz-Bild drohte sogar mit in die Konkursmasse zu fließen. Doch Michael Apitz handelte schnell: „Als mein persönliches Weihnachtsgeschenk habe ich das Gemälde durch Rückkauf wieder in meinen Besitz gebracht. Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen“, erzählt er schmunzelnd. Und hat allen Grund dazu: schon jetzt hat ein Unternehmer, der an der Mosel ein neues Hotelcenter baut, Interesse angemeldet, das Bild vom Calmont wiederum zu kaufen und an exponierter Stelle in seinem Hotelkomplex zu präsentierten. Doch „wer zuerst kommt, malt zuerst. Das Bild ist auf jeden Fall jetzt wieder auf dem Markt“, so Apitz.

Und trotz aller Probleme wegen Corona, die auch in den kommenden Wochen und Monaten noch eine große Rolle spielen dürften, blickt Michael Apitz positiv in die Zukunft des eben begonnen Jahres. Dazu hat er auch guten Grund: im kommenden Jahr wird er anlässlich des 500jährigen Jubiläums von Luthers Rede im Wormser Reichstag und der Flucht nach Eisenach eng mit der Stadt Eisenach zusammen arbeiten und hier sein berühmtes Luther-Gemälde ausstellen. Außerdem wurde er schon jetzt beauftragt, an dem großen Kunstprojekt „OELSBERG-KUNSTPFAD“ in Oberwesel teil zu nehmen. „Das ist ein sehr spannendes Projekt: die Stadt Oberwesel hat hier viel Geld in die Hand genommen und einen 2,5 Kilometer langen Kunstweg durch die Weinberge eingerichtet. Der Autor und Journalist Volker Boch hat Texte geschrieben, die entlang des Weges zusammen mit Bildern und Zeichnungen vom Mittelrhein an verschiedenen Stelen präsentiert werden. Die Besucher des Kunstpfades haben so die Möglichkeit, direkt auf dem Weg die Blickwinkel der Künstler zu entdecken“, erläutert Michael Apitz und verrät, dass er einen Großteil der Skizzen für dieses Projekt bereits angefertigt und geliefert hat. Im August soll der Kunstpfad dann eröffnet werden. „Das wäre eigentlich auch etwas für den Rheingau“, meint er außerdem als Anregung, denn Michael Apitz würde sich mehr künstlerische Projekte für eine so exponierte Weinbauregion wie den Rheingau wünschen. So träumt er schon seit Jahren von einem „Karl-Museum“, denn gerade die Comic-Figur, die er einst zusammen mit Patrick Kunkel und dessen Vater Eberhard ins Leben gerufen hatte, genieße bis heute Weltruf und mache den Rheingau auch nach über 30 Jahren noch berühmt. Das zeige auch der Online-Auftritt von Karl, dem Spätlesereiter, der Fans in der ganzen Welt habe, die auch gerne auf seinen Spuren wandeln möchten.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 23.01.2021.

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