Zwetsche oder Pflaume?

23.07.2020

Ein leckeres Stück Quetschekuche
Ein leckeres Stück Quetschekuche

Im Lorcher Traditions-Backhaus Laquai werden Erinnerungen an die blauen Früchtchen wach.

Der alte Chef ist das Gedächtnis des Traditionsbackhauses Laquai in Lorch. Friedel Laquai kennt viele Geschichten aus der Vergangenheit und hält die Erinnerung an damals wach. Sohn Frank, der heute mit seiner Frau Annette die Geschäfte führt, hört gerne zu, wenn der Vater erzählt. Und meistens beginnt alles mit: „Das waren noch Zeiten …“. Ja, wirklich, das waren noch Zeiten, als die Lorcher mit riesigen Blechen ins Backhaus kamen und sich dort im großen Ofen ihre Kuchen backen ließen. Manche brachten auch einfach nur das Obst, und der Bäckermeister backte damit ganz nach Gusto süße Kuchenträume für zu Hause. Das ging den ganzen Sommer lang so, doch wenn die Zwetschen reif waren, dann war Hochsaison bei den Laquais. Die „Quetschekuchezeit“ dauerte oft bis in den Oktober hinein, denn echte „Quetsche“ sind spät dran. Vorher kommen die Pflaumen.

Heute ist alles anders. Keiner bringt noch eigene Kuchenteige, liebevoll belegt mit süßen Früchten, in die Backstube. Heutzutage sind die Abläufe bis auf die Minute getaktet. Da ist es schwer, etwas dazwischen zu schieben – mal ganz abgesehen von den Hygienevorschriften, die strengstens eingehalten werden müssen. Geblieben ist jedoch die Lust der Kunden an den Kuchen mit den blauen Früchten. Schon im Hochsommer geht es los mit Pflaumenkuchen mit und ohne Streusel. Zimt ist meistens mit im Spiel, denn der passt perfekt dazu. Auch Vanille macht sich gut im süßen Konzert.

Die Zwetsche oder „Quetsch“ genannt, liebt es puristischer. Sie ist im Gegensatz zur runden, saftigen Pflaume, von länglicher Form und besticht durch ein raffiniertes Süße-Säure-Spiel. Sie ist härter als die Pflaume, löst sich aber leichter vom Kern und lässt sich im Handumdrehen in perfekter Reihung auf dem Kuchenteig verteilen. So entsteht der echte „Quetschekuche“, ein Hochgenuss - mit einem dicken Klecks Sahne serviert, ein Vorgeschmack aufs Paradies.

Die Zwetschen, die bei den Laquais verwendet werden, haben keine lange Reise hinter sich. Sie schwimmen einfach nur über den Rhein, denn sie kommen aus Bingen, wo sie auf den rheinhessischen Obstwiesen in aller Ruhe heranreifen.

Auch gut zu wissen: Zwetschen sollten beim Einkauf mit einer weißlichen Schicht überzogen sein, die Unwissende oft fälschlicherweise für Schimmel halten. Der weiße Film schützt das Obst vor dem Austrocknen und sollte erst kurz vor der Verarbeitung bzw. vor dem Genuss abgerieben werden.
Die ersten heimischen Pflaumen sind schon reif und nicht nur in den Filialen des Backhauses Laquai gibt es ab sofort süßen Pflaumenkuchen. So schmeckt der Sommer!

Ein Bericht von Lydia Malethon, PR-Profitable vom 23.07.2020.

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