Mühlenwanderweg durch das Elsterbachtal

Die Mühlen am Elsterbach

Mühlen waren über Jahrhunderte hinweg die wichtigsten Maschinen der Menschen. Es gab Mühlen für Gewürze und Getreide und Öl sowie Säge-, Papier-, Schleif-, Loh- und Walkmühlen. Auch im Rheingau verrichteten sie ihre Arbeit, entlang der Bäche vom Wallufbach bis zur Wisper drehten sich zeitweise bis zu 100 Mühlräder.

Tief Eintauchen in die Historie der Mühlen kann man auf den 5,5 Kilometer langen Mühlenwanderweg durch das Elsterbachtal mit seinen einst 18 Mühlen. Von Winkel über Johannisberg bis zum Kloster Marienthal führt dieser auch für Anfänger, Kinder und Senioren gut zu laufende Weg vorbei an acht heute noch existierenden Mühlen.

Mühlen Wanderweg Karte: OpenStreetMap

Vom „Mühlstein Bartholomä“, einem großen ehemaligen Mühlstein in einem kleinen Park Ecke Jesuitentstraße/Hauptstraße gegenüber der Bischofsmühle geht es los. Die Mühle hier lag früher außerhalb des Ortskernes im Westen von Winkel im Ortsteil Bartholomä. Dort stand an der Straße nach Geisenheim die Bischofsmühle, auch als Aumühle bezeichnet. Ein Mühlgraben zweigte den Elsterbach oberhalb ab und floss als Bartholomaer Bach durch das Mühlengrundstück weiter bis zum Rhein. Die Mühle bestand aus einer stattlichen vierseitig geschlossenen Hofanlage mit zwei giebelständigen Bauten an der Haupt¬straße, einem Torbau mit rundbogiger Einfahrt und einem rückwärtigen Haupthaus. Heute sind nur noch das Wohnhaus und ein Nebengebäude erhalten, die sich direkt an der Hauptstraße 166 befinden.

Info zum Mühlenwanderweg

  • Länge große Runde: 12,1 km
  • Länge Weinbergsrunde (rieslinggelber Punkt): 4,8 km
  • Länge Waldrunde (grüner Punkt): 7,3 km
  • Anstiege insgesamt: 155 Höhenmeter
  • Empfohlene Richtung: im Uhrzeigersinn
  • Gehzeit gesamt: 3 Stunden (ohne Pausen)

Die nächste Station führt über die Domherrenstraße links zum Bach und hier entlang zur Krayers Mühle, die um 1590 erbaut wurde. Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurde sie als „Schmittische Mühle" bezeichnet und war die letzte der Rheingauer Mühlen, in denen aus Raps, Leinsamen, Bucheckern und Nüssen Öl gepresst wurde, bis der Bedarf an Holz für Gewehrkolben dazu führte, dass 1917 viele Walnussbäume der Axt zum Opfer fielen und damit der Mühle das Material ausging. Seit Michael Krayer das Anwesen 1866 für seinen Sohn Carl ersteigerte, ist das Ensemble in Winkel als Krayers Mühle bekannt. Heute ist es ein Weingut, das Harald Krayer und sein Sohn Hagen in vierter und fünfter Generation führen. Nur fünf Gehminuten weiter liegt die Weißmühle, die nicht öffentlich zugänglich ist. Die Ursprünge der früheren Getreidemühle lassen sich bis ins Jahr 1580 zurückverfolgen, damals wird sie in Urkunden Wisse-Mühle genannt. Die Wasserräder trieben bis 1867 mehrere Mahlwerke an. Fortan brauten die Besitzer in der Mühle 40 Jahre lang Bier. Danach wurde ein Obst- und Weinbaubetrieb ge¬führt. Seit 1913 gehört die Weißmühle der Familie Meyer-Grünow. Und wieder nur wenige Meter weiter kommt man schon zur Ankermühle, die zu Füßen des weltberühmten Rieslinghügels von Schloss Johannisberg den schönsten Blick entlang des Mühlenweges zu bieten hat. Die ehemalige Getreidemühle aus der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde wegen ihrer Lage im freien Wiesengelände früher als „Anger-Mühle" bezeichnet. 1891 erwarb Karl Eiser das Ensemble und gründete hier ein Weingut. Das Mühlrad lief noch bis 1923. Im Sommer 2008 übernah¬men Birgit Hüttner und Holger J. Bub die Ankermühle. Sie führen dort ein Weingut mit Gastronomie für Tagungen und Events.

Weiter geht es entlang des Bachs zu dem ehemaligen Kloster „Johannisberger Klaus“, dass auch eine Mühle betrieb: Dort, wo heute nur noch eine alte Scheune steht, drehte sich einst das Wasserrad der Mühle an der Klaus. Sie gehörte zur ehemaligen Benediktinerinnenklause St. Georg, ein um 1130 gegründetes Frauenkloster am Fuß des Johannisbergs. Damals bestanden hier bereits ein Hof oder eine Einsiedelei, auch Klause genannt. Das Anwesen beheimatet auch eine Kapelle, die dem Schutzheiligen St. Georg geweiht ist. 1603 geriet das Ensemble mit Wirtschaftsgebäuden und einer Mühle in den Besitz der Grafen von Schönborn, sie sind noch heute Eigentümer des Grundstücks. Die Getreidemühle war bis 1900 in Betrieb.

Die Mühlen am Elsterbach

An der Durchgangsstraße existierte einst die Vatter‘sche Mühle und entlang der Straße 300 Meter weiter zur Brückenmühle: Kaiser Ludwig der Fromme erwarb hier bereits 817 Weinberge „am orte elisa", also am Elsterbach. Seit dem 17. Jahrhundert wurde das Gebäude als Brückenmühle am Kühweg bezeichnet, die Brücke verband einst die Ortsteile Grund und Berg. Seit Anfang der 1930er Jahre heißen die Besitzer des Ensembles Eser. Johannes und Sabine Eser führen ihr Weingut Johannishof heute in zehnter Generation. Der Betrieb ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter VDP. Das Gutshaus und der Weintempel mit Vinothek sind Symbol für die gelungene Kombination von Tradition und Moderne. Wenige Meter oberhalb sieht man auf der linken Seite die Schamari-Mühle. Das Grundstück war einige Zeit Teil des Klosters Johannisberg gewesen, musste jedoch während des wirtschaftlichen Niedergangs 1593 verkauft werden. Die Mühle wechselte mehrmals den Besitzer. Heinrich Schamari erbaute 1816 das heutige Anwesen, nachdem er die Mühle von den Erben des Müllers Johann Klein erworben hatte. 1844 ging die Mühle auf Peter Schamari über. Bis 1929 wurde hier dem Müllerhandwerk nachgegangen, dann stellten die Besitzer auf Weinbau und Landwirtschaft um, und es erfolgte der Umbau der Mühle zum Gutsausschank. Hinter der Schamari-Mühle zweigt nach links die Straße zum Kloster Marienthal ab, der man etwa 100 Meter bis zu einigen Treppenstufen in die Talaue folgt. Der Weg führt über den Elsterbach hinweg und nach rechts zur Elstermühle, die im Jahre 1645 in einer Urkunde als „Wendl Odenwalts-Mühle" und als „nördlicher Nachbar der von Schönburgchen-Mühle" erstmals benannt wurde. Vermutlich bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie als Mühle betrieben, war dann bis 1945 eine Geflügelfarm und ist seit 1927 Eigentum der Johannisberger Familie Fischer, die dort ein Obstgut betreibt. Die Route schlägt nun einen Bogen und führt in die Weinberge hinauf. Am ersten Abzweig geht es nach rechts aufwärts. Im Anstieg passiert man eine Wegkapelle und trifft 100 Meter weiter auf ein Wegkreuz. Hier biegt man nach rechts ab und gelangt abwärts zum Gelände der Weihermühle, die erstmals 1399 als klösterlicher Besitz erwähnt wird. In der Zeit von 1679 - 1695 befand sich die Mühle im Besitz des Mainzer Erzbischofs Anselm Franz zu Ingelheim. Von der reichsgräflichen Familie von Ingelheim stammt daher auch der damalige Name "Ingelheimer Mühle". Immer wieder wurde die Getreidemühle Namenswechseln unterzogen. Von einigen Einheimischen wird sie zum Beispiel heute noch als „Atzelmühle" bezeichnet. Seit 1943 lebt Familie Daniel hier, die die Mühle als Landwirtschaftlicher Betrieb mit Viehhaltung und Weinbau im Vollerwerb nutzt.

Dann führt der Weg links in den Wald hinein und schon zum Gutsausschank Ostermühle, die im Jahr 1800 ihr Namensgeber, Christian Ostern dem reich begüterten Geisenheimer Graf von Ostein abgekauft hatte. Den Betrieb der Getreidemühle stellten die anschließenden Besitzer Daniel im Jahre 1896 ein und widmeten sich dem Weinbau. Seitdem wird der Mühlengrund von den Daniels bewirtschaftet, die auch eine Straußwirtschaft betrieben.

Die Mühlen am Elsterbach

200 Meter talaufwärts sieht man rechter Hand dann die Reuß‘sche Mühle, die auch „Scherersche Mühle" genannt wurde und bis Anfang des 19. Jahrhunderts von Adolf Reue, der Besitzer eines der im Wald gegenüber liegenden Zechenhäuser war, zum Waschen der dort gewonnenen Brauneisensteine genutzt wurde. Weiter durch den Wald und die Wiesenaue geht es zum Gutsausschank Schleifmühle auf der gegenüberliegenden Seite des Elsterbaches. Sie ist eine der jüngsten Mühlen und wurde 1629 erstmals als „Schleifmühle" und 1696 auch als "Pulvermühle" erwähnt. Man vermutet, dass die Mühle im Laufe der Jahrhunderte sowohl als Gewürzmühle als auch als Werkzeugmühle genutzt wurde. Am 9. September 1851 wurde sie durch einen Brand zerstört und 1867 von Müller Philipp Josef Hell wiederaufgebaut. Er betrieb sie bis 1881. Seit 1910 ist das Anwesen im Besitz der Familie Ober, die einen Gutsausschank betreibt. Wenige Gehminuten weiter kommt man zum Kloster Marienthal, wo die Tour endet. Natürlich kann man die Wanderung auch hier beginnen und von jeder Mühle aus loswandern.

Flyer zum Mühlenwanderweg

Die Mühlen am Elsterbach

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