Von der Traube in den Kelter, vom Kelter zu uns
10.09.2026
Wie Rheingauer Winzer ihre Weine für Verkostungen außerhalb der Region selektieren.
Wenn ein Rheingauer Riesling bei einer Verkostung außerhalb der Region ausgeschenkt wird, steht dahinter ein mehrstufiger Auswahlprozess. Winzer entscheiden nicht nach Gutdünken, welche Flasche sie einem fremden Publikum vorstellen. Sensorische Prüfungen, klassifikatorische Vorgaben des VDP und logistische Rahmenbedingungen kommen hier zusammen. Der folgende Text beschreibt, welche Kriterien in dieser Selektion überhaupt wirksam werden.
Selektionskriterien im Weingut
Die Vorauswahl beginnt meist im eigenen Verkostungsraum des Winzers. Referenzflaschen aus verschiedenen Fässern oder Tanks werden gegen die klassifikatorische Zielsetzung geprüft. Nach den Statuten des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) unterliegen Lagenweine, Erste Lage und Große Lage jeweils eigenen ertragsbezogenen und önologischen Vorgaben, unter anderem einem maximalen Hektarertrag von 50 hl/ha für Große Gewächse. Weine, die für überregionale Tastings vorgesehen sind, stammen häufig aus diesen höheren Klassifikationsstufen, weil sie eine definierte Herkunft transportieren und im Vergleichspanel besser einzuordnen sind.
Neben der Klassifikation spielt die Reifephase eine Rolle. Trockene Rieslinge des aktuellen Jahrgangs zeigen im Frühjahr nach der Füllung oft eine reduktive Note, die sich erst nach mehreren Monaten Flaschenreife legt. Verkoster wie zum Beispiel www.wine-tasting-muenchen.de arbeiten in ihren Formaten regelmäßig mit Winzern zusammen, die Chargen mit passendem Reifegrad bereitstellen, damit die Weine im Glas ihr sortentypisches Profil zeigen.
Logistik und Temperaturmanagement
Die zweite Hürde ist der Transport. Riesling reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen, besonders bei Restsüße im mittleren Bereich. Untersuchungen des Hochschule Geisenheim University Instituts für Oenologie www.hs-geisenheim.de zeigen, dass Lagertemperaturen über 25 °C bereits nach wenigen Wochen zu messbaren Verlusten an frischen Fruchtestern führen können. Winzer, die ihre Weine nach München, Hamburg oder Berlin verschicken, nutzen daher temperaturgeführte Spediteure oder liefern in Styroporverpackungen mit Kühlelementen.
Im Zielort folgt die Akklimatisierung. Weißweine sollten mindestens 24 Stunden vor der Verkostung senkrecht stehen und bei 8 bis 12 °C ruhen. Rotweine, etwa Rheingauer Spätburgunder, werden bei 14 bis 16 °C temperiert. Diese Werte orientieren sich an den Empfehlungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für sensorische Prüfungen.
Zusammenarbeit mit externen Verkostungsanbietern
Rheingauer Winzer www.rheingau.de/weingueter präsentieren ihre Weine nicht nur im eigenen Betrieb bei den Rheingauer Weinproben, sondern kooperieren zunehmend mit spezialisierten Anbietern in Ballungsräumen. Diese Partner übernehmen die Kundenansprache, die räumliche Infrastruktur und die didaktische Aufbereitung. Der Winzer liefert Flaschen, Datenblätter mit Analysewerten wie Restzucker, Gesamtsäure und Alkoholgehalt sowie Angaben zur Herkunftslage und zum Ausbaugefäß.
Für die inhaltliche Konzeption werden häufig thematische Klammern gewählt. Ein Format kann etwa Rieslinge einer einzelnen Lage über mehrere Jahrgänge vergleichen, um die Wirkung von Jahrgangswitterung und Reifezeit im Glas nachvollziehbar zu machen. Andere Formate stellen trockene Rieslinge aus dem Rheingau gegen solche aus der Mosel, dem Wachauer Anbaugebiet oder dem Elsass. In beiden Fällen entscheidet die Selektion des Winzers, ob die Weine im Vergleich bestehen.
Dokumentation und Rückmeldung
Nach der Verkostung fließen die Ergebnisse zurück in den Betrieb. Viele Anbieter dokumentieren Bewertungen der Teilnehmenden anhand des 100-Punkte-Systems oder des ISO-Verkostungsglases nach ISO 3591, das seit 1977 als Referenz für sensorische Prüfungen gilt. Winzer nutzen diese Rückmeldungen, um künftige Selektionen zu justieren, etwa in Bezug auf Restsüße, Holzeinsatz oder den Zeitpunkt der Marktreife.
Damit schließt sich der Kreis vom Weinberg über die Kellerentscheidung bis zum Glas im urbanen Verkostungsraum. Wer als Konsument an einem Tasting mit Rheingauer Weinen www.rheingau.de/weinproben teilnimmt, erlebt das Ergebnis einer Kette von Prüfungen, die lange vor dem Öffnen der Flasche beginnt.
Ein Bericht von A.B. vom 10.09.2026.
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