Die gesellige Gemeinschaft steht ganz im Mittelpunkt
23.01.2026
Seniorenclubs der Stadt Oestrich-Winkel feiern 50jähriges Bestehen mit großem Jubiläumsprogramm
Oestrich-Winkel. (sf) In Oestrich-Winkel gibt es seit 1976 zwei Seniorenclubs: Den Seniorenclub „Gemütlichkeit der Spätlese“ für Senioren aus Hallgarten und Oestrich und den Seniorenclub „Frohsinn“ für Senioren aus Mittelheim und Winkel. „Die Clubs bilden einen sehr wichtigen Bestandteil des sozialen Miteinanders in Oestrich-Winkel und sorgen dafür, dass Oestrich-Winkel eine lebens- und liebenswerte Stadt ist, in der sich Senioren wohl fühlen und in der sie einen abwechslungsreichen und geselligen „Unruhe-Stand“ genießen können. Die Clubs sind für viele ältere Menschen eine wichtige Anlaufstelle, wenn es darum geht, Freizeit-Aktivitäten nicht alleine, sondern zusammen mit anderen, Gleichgesinnten zu unternehmen. So wirken ihre Mitglieder aktiv möglicherweise drohender Einsamkeit im Alter entgegen. Zum Beispiel in den zu Recht gefürchteten Momenten im Leben, wenn die Kinder wegziehen, der Partner gestorben ist oder der alte Freundeskreis von früher „übersichtlicher“ wird“, hält Bürgermeister Carsten Sinß anlässlich des 50jährigen Bestehens der beiden Clubs fest.
Und das zu Recht, denn wenn die beiden Seniorenclubs der Stadt Oestrich-Winkel zu einer Veranstaltung, egal ob Vortrag, Ausflug, Kaffeenachmittag oder Erwachsenenbildung einladen, steht eines immer im Mittelpunkt: die gesellige Gemeinschaft. Über 300 ältere Bürger im Alter von 65 bis fast 100 Jahren hat jeder der beiden Seniorenclubs mit den bezeichnenden Namen „Gemütlichkeit der Spätlese“ und „Frohsinn“. 1976 hatte der damalige Oestrich-Winkeler Bürgermeister und spätere Landrat Klaus Frietsch die Gründung der Seniorenclubs initiiert. Dafür durfte Frietsch in den letzten 50 Jahren schon oft viel Lob für diese „Beste aller Ideen“ entgegennehmen. Mit der Gründung der Seniorenclubs 1976 habe die neue Interessengemeinschaft der „jungen Alten“ nach außen demonstrieren wollen, dass man mit den älteren Semestern auch in Zukunft rechnen müsse. Man entschied sich bewusst für einen freien Club, denn eine vereinsmäßige Bindung hätte die neu gewonnene Freiheit wieder behindern oder einschränken können. Den bisher verdrängten und aufgestauten, aufkeimenden positiven Lebens-Gefühlen wollte man endlich Raum geben. Die jahrzehntelang unterdrückten, jedoch im Stillen geträumten Lebens-Träume der Frauen und Männer der Nachkriegsgeneration sollten nun endlich aktiv gelebt werden. Und das haben die Gründer und die bis heute aktiven Mitglieder, Betreuer, Helfer und Organisatoren der beiden Seniorenclubs mit Bravour geschafft, denn in den Clubs wird die Seniorenarbeit in Aktivitäten umgemünzt. Die Mitglieder sind weit davon entfernt, sich nur zum Kaffeeklatsch zu treffen und über körperliche Gebrechen zu jammern, die einzelnen Veranstaltungen und Angebote, die die Seniorenclubs im Rahmen ihrer Seniorenarbeit bieten, sind so gestaltet, dass ehrenamtliche Mitarbeit und Engagement, das im Rahmen des persönlichen Einsatzes möglich ist, gewünscht, ja sogar gefordert wird.
Das zeigen die vielfältigen Veranstaltungen beider Clubs, die von jahreszeitlichen Festen direkt vor der Haustür über interessante Vorträge und Informationsveranstaltungen bis hin zu Ausflügen, zu Theaterveranstaltungen, Museumsbesuchen und mehrtägigen Fahrten in die schönsten Landschaften Deutschlands und Europas führen. Auch zahlreichte Firmen- und Betriebsbesichtigungen werden angeboten, sowie Schifffahrten auf Rhein und Main Jährliche Fahrten zu den Weihnachtsmärkten sind fester Bestandteil des alljährlichen Terminkalenders.
„Das ist genau das, was den Erfolg der Seniorenclubs ausmacht“, erklärt auch eine lustige Riege älterer Damen aus Winkel. Die Unternehmungen, die die Seniorenclubs anbieten, würden sie regelmäßig nutzen, denn zum einen seien die Veranstaltungen dank der Unterstützung der Stadt Oestrich-Winkel für die Senioren besonders kostengünstig und zum anderen immer perfekt organisiert, sodass wirklich jeder, auch wenn er gehbehindert sei oder Medikamente nehmen müsse, an Ausflügen, Urlauben und Veranstaltungen vor Ort teilnehmen könne. Das ist aber auch ein besonderes Verdienst der vielen ehrenamtlichen Helfer mit den engagierten Vorsitzenden der Seniorenclubs. Das ist zum einen die Vorsitzende des Winkeler Clubs „Frohsinn“, Evelyn Bleuel, die von ihrer Stellvertreterin Gerda Müller tatkräftig unterstützt wird, und zum anderen Heidrun Weber, die seit 2007 Vorsitzende des Seniorenclubs „Gemütlichkeit der Spätlese“ ist. Das Trio hat zusammen mit seinen engagierten, ehrenamtlichen Helfern bereits jetzt schon ein buntes Jubiläumsprogramm für dieses Jahr zusammengestellt, das in Oestrich und Hallgarten bei der „Gemütlichkeit der Spätlese“ am 5. Februar ab 16.30 Uhr mit einem Fastnachtsstammtisch im Weingut Mack in Mittelheim und am 26. Februar um 16 Uhr mit der großen Jubiläumsfeier anlässlich des 50jährigen Bestehens des Seniorenclubs "Gemütlichkeit der Spätlese" in der Brentanoscheune eröffnet wird. „Geplant ist ein bunter Nachmittag mit Festreden, Musikdarbietungen, humoristischen Einlagen und Tanzvorführungen sowie gemeinsamem Essen und Geselligkeit. Es wurde dafür auch extra eine Festschrift erstellt, die jeder Teilnehmer erhält. Wir haben uns bewusst entschieden, keine akademische Feier zu machen, sondern die gemeinsame Geselligkeit in den Vordergrund zu stellen und mehr Wert auf Unterhaltung statt auf zu viele Reden zu legen“, kündigte die Vorsitzende an.
Der Seniorenclub „Frohsinn“ feiert seinen Geburtstag unter dem Motto „50 Jahre Kommunikation, Vielfalt, Kultur, Unterhaltung, Museen, Theater, Sport, Wasserbewegung, Kino, Reisen, Tanzen, gemeinsames Frühstück, Stammtische mit interessanten Themen – von allem etwas – für jeden etwas!“ am 8. März ab 11 Uhr in der Winkeler Brentanoscheune mit einer akademischen Feier und lädt auch schon zuvor zu Fastnachtsveranstaltungen am 6. Februar mit dem MCV und am 1. Februar mit dem CVW. Und natürlich gibt es auch das ganze Jahr über weitere Treffen und Ausflüge.
Man sei stolz darauf, dass die freien und unabhängigen Seniorenclubs in der Stadt seit 1976 eine so positive Entwicklung nahmen und heute ein so breit gefächertes und facettenreiches Clubleben bieten, das für die differenziertesten Vorstellungen der „jungen Alten“ oder Senioren, wie man die Menschen ab dem 65. Lebensjahr in vornehmer Zurückhaltung heute postmodern nenne, etwas dabei ist oder ein neues Angebotsfeld eröffnet werde. Es sei sehr erfreulich, dass diese Idee, Seniorenclubs zu gründen, eine so nachhaltige Erfolgsgeschichte geworden sei, und es sei deutlich, dass es einen Bedarf für die Angebote der Seniorenclubs bis heute gäbe, so die „Macher“ des Seniorenclub-Teams. Die Seniorenclubs sind für alle Oestrich-Winkler offen und man freue sich über viele neue Ideen und Anregungen, die dann, wenn irgend möglich, auch in die Tat umgesetzt würden. Ehrenamtliche Mitstreiter seien immer herzlich willkommen: „Einfach anrufen oder vorbeikommen“. „Anfangs hatten wir zahlreiche Betreuer und Helfer, die aber altersbedingt ausgeschieden sind. In den letzten Jahren ist das Team, das sich um alles kümmert, immer kleiner geworden. Vom Aushangkasten über die Kartenverkäufe, das Kassenwesen und die gesamte Organisation liegt alles jetzt nur noch in wenigen Händen“, so Heidrun Weber, die von ihrem Mann Eberhard als Kassierer und Kartenverkäufer und Kurt Lippert mit Erika Klietsch beim Aushangkasten, Druck der Karten oder aktuell Vorbereitung der Jubiläumsfeier und einer Festschrift unterstützt wird. „Es wäre schön, wenn sich weitere ehrenamtliche Helfer zur Unterstützung finden würden“, hält sie fest.
Und auch der Gründer Klaus Frietsch freut sich, dass die Idee, Seniorenclubs zu gründen, eine so nachhaltige Erfolgsgeschichte geworden sei. Es sei deutlich, dass es einen Bedarf für die Angebote der Seniorenclubs bis heute gäbe. Gleichzeitig hält Frietsch aber auch fest, dass es ohne ehrenamtlich tätige Frauen und Männer die Clubs heute nicht mehr gäbe. „Mitte der 70ziger Jahre konnte man feststellen, dass viele der älteren Menschen relativ unbeachtet vor sich hinlebten. Ich konnte dies als junger Bürgermeister bei Geburtstags- und Jubiläumsbesuchen und in den städtischen Altenwohnheimen selbst feststellen. Es gab so gut wie keine Angebote zur Freizeitgestaltung und Kommunikation. Die älteren Menschen waren damals wenig mobil. Sie waren viel mehr als heute, wollten sie Oestrich-Winkel für Freizeitmaßnahmen verlassen, auf Bus und Bahn angewiesen. Für Kinder und Jugend gab es in unserer Stadt Kindergärten, Schulen, Spielplätze, Freizeiteinrichtungen und Sporteinrichtungen. Vereine stellten wie heute schon damals ein breites Angebot für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Es musste also auch ein entsprechendes Angebot geschaffen werden für die älteren Mitbürger. Deshalb wurden die Seniorenclubs gegründet. Ohne viele Formalien, ganz praktisch und ganz einfach. Die Angebote wurden am Bedarf orientiert, entwickelt und ausgebaut“, erläuterte Frietsch. Dass die Stadt Oestrich-Winkel ihren Beitrag geleistet habe und auch noch leiste, halte er für eine gebotene Selbstverständlichkeit. „Das wurde von meinen Nachfolgern im Bürgermeisteramt auch so gesehen, und das finde ich gut“, sagt Frietsch. Die Angebote der Clubs hätten auch zukünftig nicht nur eine Berechtigung, sondern seien mindestens genauso wichtig wie im Gründungsjahr 1976. „Ich denke, sogar noch wichtiger. Die Menschen werden heute im Durchschnitt deutlich älter als 1976, das ist gut so, und das ist auch in Oestrich Winkel so. Wichtig ist, dass es wie in den vergangen 50 Jahren auch künftig Frauen und Männer gibt, die sich in der praktischen Arbeit der Seniorenclubs ehrenamtlich engagieren. Und wichtig ist auch, dass sich die Angebote der Clubs den gewandelten Vorstellungen der älteren Mitbürger entsprechend weiterentwickeln. Diesbezüglich bin ich sehr optimistisch, weil die heute erkennbare Arbeit der Verantwortlichen diesen Gedanken bereits aufgegriffen hat und diese Arbeit zukunftsweisend ist“, so Klaus Frietsch, der sich auch daran erinnerte, wie man die Arbeit der neu gegründeten Seniorenclubs mit pfiffigen Ideen damals finanziell unterstützte. Grundsätzlich würden die Veranstaltungen zwar bis heute durch Beiträge der Teilnehmer finanziert, doch um den Start zu erleichtern, hatte der damalige Rathauschef öffentlich aufgerufen, Altpapier zu Hause zu sammeln, das durch die US-Soldaten der Partnerschafts-Kompanie vierteljährlich eingesammelt und per Eisenbahnwaggon zur Firma Hakle nach München verschickt wurde. „Der Ertrag lag pro Sammlung bei rund 2.500 DM pro Waggon. Eine Papiertonne gab es damals nicht“. Und auch Altglas-Sammlung im Container war 1976 noch unbekannt, weshalb Frietsch auch Glassammlungen initiierte. „Da zu dieser Zeit viele Winzer ihren Betrieb von der 0,7 l Fl. auf die 0,75 l Flasche umstellten, gab es reichlich Altglas. Im Stadtgebiet wurden Kübel zum Sammeln von Flaschen aufgestellt und nach Bedarf an eine Firma in Budenheim transportiert. Pro Kübel gab es etwa 150 DM. Auf diese Weise gab es für die Seniorenclubs eine willkommene Starthilfe, so lange, bis die heute obligatorischen Altpapier- und Glassammlungen eingeführt wurden“, erinnert sich der Altbürgermeister.
Ein Bericht von Sabine FLadung vom 23.01.2026.
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