Tanzwichtel, Zappelfüsse, Hallebeern und Magic Singers

04.02.2024

Hallgartener Liedertafel verwandelte den Winzerkeller in eine bunte Narrhalla mit vielen großen und kleinen Narren

Hallgarten. (sf) Bis auf den allerletzten Platz war der altehrwürdige Hallgartener Winzerkeller besetzt und ganz Hallgarten schien an diesem Abend in dem vierfarbbunt geschmückten Saal zu sein. Vier Generationen trafen sich hier bunt kostümiert zu dem Fastnachtshighlight des Jahres. Denn der Grund für die leeren Gassen draußen und die super Stimmung drinnen war wieder mal der traditionelle bunte Abend der Liedertafel. Zum dritten Mal hatte man das närrische Geschehen in den Winzerkeller verlegt und die ehemalige Kelterhalle mit Luftballons, vierfarbbunten Stoffen und närrischen Dekorationen in eine schöne Narrhalla verwandelt. Aus Platzgründen und auch aus organisatorischen Gründen war man vom Bürgerhaus in den Winzerkeller umgezogen. „Wir haben hier mehr Platz für das Publikum, mehr Platz für die Akteure und schließlich auch mehr Platz für das Catering“, erklärte Michaela Schmid. Sie hatte zusammen mit Yvonne Schneider und dem Liedertafel-Vorsitzenden Roland Koch als närrisches „Dreigestirn“ das bunte Treiben auf der Bühne pünktlich um 19.33 Uhr eröffnet und versprach einen tollen Abend voller Überraschungen. Und den bekamen die begeisterten Gäste und Ehrengäste: Kleine und große Narren, Tänzer und Tänzerinnen aus drei Generationen, gestandene Urfastnachter und neue Debütanten schossen ein wahres Narrenfeuerwerk ab.

Gleich zu Beginn den ersten Höhepunkt servierte die Garde des Mittelheimer Carnevalvereines einen Augenschmaus, der sich gewaschen hatte: Jil Nägler, Maja Grebert, Luzie Steinbrück, Amelie Berg, Hanna Rochholz, Laura Kropp, Fabienne Engelmann, Nele Korn, Daria Tenge, Katharina Keßler, Diana König und Lea Schünemann gestalteten nicht nur den Einzug mit, unter der Leitung von Madeleine Rau eröffneten sie auch das Bühnengeschehen mit einem schwungvollen Gardetanz zu einem Mallorca-Medley. Als erste in der Bütt gaben sich die beiden närrischen Putzfrauen Sabine Fladung und ihre Tochter Katharina Höfling erstmals ein Stelldichein bei der Hallgartener Liedertafel. Mit einem Putzfrauen-Rap und vielen lustigen Details aus dem Polizeirevier, auf dem sie putzen, sorgten sie für erste Lacher: „Mama, Du hast an Deinem Auto noch die Scheibewischer an!“ - „Ja, des mach ich immer so, dann kann mir keiner en Knolle dranhänge!“.

Weiter ging es ganz allerliebst mit den 15 kleinen Trollen der Tanzgruppe „Zappelfüsse“, die den ganzen Saal so richtig aufmischten und ohne Zugabe nicht gehen durften. Trainiert werden die Kinder sind zwischen fünf und acht Jahren von Marina Klingels und Catharina Ettingshausen und für sie und die kleinen Trolle Annkatrin Riedel, Antonia Di Domenico, Ella Klingels, Emilija Dukic, Emilia Blie, Fiona Meyer, Helena Much, Ida Bodemann, Ida Langer, Louise Ettingshausen, Marlie Schmidt, Mira Gerhard, Mira Schuth und Nikolas Schäfer gab es riesigen Beifall.

Wie feucht fröhlich so ein Vereinsleben sein kann und dass man im Ehrenamt die Chance hat, auf vieles einen Schnaps zu trinken, demonstrierten die drei Moderatoren dann live auf der Bühne, bevor die Bütt dann für die mittlerweile schon bekannte „Tilly“ Eulenspiegel frei gegeben wurde. Vera Schilling in ihrer Paraderolle als messerscharfe Beobachterin der Geschehnisse in Stadt, Land und in der Welt traf wieder mal den Nagel auf den Kopf und servierte närrische Wahrheiten: „Die Bauern und das Handwerk machen endlich klar, wer immer schon Basis unseres Wohlstands war. Och, das hätten Viele ja fast vergessen, ohne die gibt's ja gar nichts zu essen. Doch, pass auf, sag ich - Obacht! Wer da alles mitmacht, Nazis sich da gut aufgehoben wähnen mit lauten Parolen und Umsturzplänen. Soll das bitteschön unsere Zukunft sein? Ich erwarte von euch allen - ein deutliches Nein!“.

Sehr ausdrucksstark und eine tolle Choreographie mit Hebefigur war der Tanz, den die legendären „Tanzwichtel“ der TG Hallgarten unter der Leitung von Jessica Krüger, Jule Abel und Annica Schuld in diesem Jahr präsentierten. Als „Hexen“ verzauberten Marie Abel, Ella Breidbach, Kassandra Bug, Emma Zancanda, Juniper Marlene Giangrasso, Mara Koch, Romy Krüger, Charlotte Krüger, Zoe Maier, Johanna Molitor,Alica Schili, Lilith Schuld, Emilia Schuld, Lucy Krallmann, Kim Julia Ruppert und Maya Heinz das Publikum.

Ein Hammer war das Zwiegespräch von Senta und Leo Schneider, die als „Spinne Thekla und die Biene Willi“ sich einen grandiosen Schlagabtausch lieferten, wer wohl das bessere Geschlecht sei: „Wir Frauen müssen den Männern erst mal wieder die Basics beibringen. Zurück zum Anfang: Die Männer sollen zwar die Hosen anhaben, aber wir müssen ihnen zeigen, welche!“, meinte Thekla und sagte zu Willi lapidar: „Wenn ich deine Frau wär, würde ich Gift in deinen Tee mischen!“ Worauf Willi cool reagierte: „Und ich würd ihn auch trinken!“. Und einen Tipp hatte Willi auch: „Widersprecht nie einer Frau! Wartet 5 Minuten, dann tut sie es selbst!“. Die beiden Jungstars waren der Knaller des Abends und bekamen sogar Standing Ovations.

Weiter ging es mit einem wahren Ohrenschmaus, als die Freitagsingers auf die Bühne kamen: Der Liedertafel-Sänger der reiferen Jahrgänge mit Mitgliedern weit über 70 Jahre präsentierten ein Medley bekannter alter Schlager und hatten sichtlichen Spaß am Singen, was sofort auch den ganzen Saal in Stimmung brachte. Die Leitung hatte der bewährte Hallgartener Vollblutfastnachter Schorsch Bildesheim, der verkündete: „Voriges Jahr war die Luft so frisch, am Wanderdaach no Eesterich. Mer hatte Stimmung wie noch nie, Drum wollte mir aach widder hie!“.

Dann ging es in die Pause und danach trat die Gesangstruppe „Magic Singers“ der Liedertafel als „Bunte Mischung“ auf: alle in unterschiedlichen Farben gekleidet, präsentierten sie eine bunte Mischung gerngehörter Lieder. Für die 15jährigen „Magic Singers“ war es erst der zweite Auftritt als Sängerinnen und unterstützt von den alten Sängerhasen Yvonne Schneider, Roland Koch und Michaela Schmid hatten die jungen Damen Senta Schneider, Valentina Schuld, Lena Sickold und Maren Molitor das Publikum mit Stimmungsliedern wie „Sag mir Quando, sag mir wann“, „Those were the days, my friends“, „Mama Loo“ und „Rocking all over the world“ von den Stühlen gerissen. Höhepunkt war der Hit „YMCA“, den mit Dennis Schuld, Thorsten Abel, Marco Orth, Markus Pütz, Patrick Wagner-Geis und Andy Schneider die kleine Formation des Männerballetts „Haalebeern“ begleitete.

Den nächsten Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums unternahmen die beiden „Stammtischbabbeler aus Eestrich und Hallgaade: vom Mittelheimer Carnevalverein kamen der Oestricher Andi Reibert und der waschechter Hallgartener Lennart Steinmetz. Andi im Prinzessinnen-Outfit präsentierte sich als Anwärter auf die 1. Rheingauer Schörlsche-Prinzessin und bekam gleich von Lenny zu hören: „Sag mal, wie leefst du dann do rum? Du siehst jo aus, als wollst du zu der Rosa Fassenacht nach Köln!“. „Quatsch, ich dät halt nur gern Rheingauer Schörlscheprinzessin wern und des ist halt mei Kostüm!“. Doch Lenny plauderte aus dem Nähkästchen und enttarnte die Prinzessin: Ich lach mich kaputt, ebe hot der vorm Spiegel gestanne und hot gesagt: „2 cm mehr und ich wär ein König“. Do hab ich gesagt: „2 cm weniger und du wärst en echt Prinzessin. Du bist halt echt der Beweis, das Märchen frei erfunden sind, weil im Märchen sind die Prinzessinnen immer intelligent und gut aussehend!“. So hatte Andi auch ein neues Auto mit „alle Ferz“ drin, inklusive Navi. Aber „des Ding spinnt manchmal“. Da hatte er sich so geärgert, dass er drauf geschlagen hat und sagte „Fahr doch zu Hölle“ - raus kam er dann in „Hallgaade“! Superstimmung brachte dann der in der Fasnacht wohlbekannte Erbacher Bänkelsänger Hermann Fladung mit seinem lustigen Liedervortrag: mit einem Ernst Neger-Potpourri und den schönsten Fastnachtsliedern wie „Heile Gänsje“ oder „Rucki-Zucki“ sorgte er für köstlichen Kokolores und brachte den ganzen Saal zum Wackeln.

Der nächste Augenschmaus kam von der Jugendtanzgruppe der TG Hallgarten „Magic Dancers“: unter der Leitung von Yvonne Schneider präsentierten Valentina Schuld, Lena Sickold, Maren Molitor, Senta und Leonhard Schneider einen fantastischen Stepptanz, der das Publikum nach Irland versetzte. Perfekt und synchron aufeinander abgestimmt punkteten sie mit ihren grazilen Bewegungen im Wechsel mit schnellen Moves.

Als närrischer „Babba mit seim Sohn“ stellten sich dann Pavlos und Christoph Stavridis dem Publikum vor. Der Sohn brachte den Vater mit seinen Plänen, jetzt, wo er eine Freundin hat und bald ausziehen will, zu nostalgischen Rückblenden. Wertvolle Ratschläge gab es obendrauf, denn die Frauen aus dem Norden seien schon was ganz Besonderes, was nicht nur alle Hallgartener Männer sicher wüssten.

Nicht fehlen durften natürlich die „Hallgartener Haalebeern“, das Männerballett der Liedertafel: Unter dem Motto „Boyband versus Girlie-Group“ ließen sie zum krönenden Schluss die Bühne erbeben: Dennis Schuld, Thorsten Abel und Marco Orth als gestandene Mannsbilder und Bernd Schili, Michael Urban und Markus Pütz als sexy Girlies in neckischen Lack- und Glitzerkleidchen brachten das Publikum zum Toben. Und nicht nur die Trainerinnen Mone Hanke und Maria Jandl waren zu Recht stolz auf ihre „Haalebeern“. Begeistert feierten die Gäste im Saal das Männerballett und damit ging die bunte Schau auf der Bühne krachend zu Ende, der Abend allerdings noch lange nicht. Das „Dreigestirn“ mit Yvonne Schneider, Michaela Schmidt und Roland Koch dankte allen Mitwirkenden, den Helfern hinter den Kulissen, die für das Essen gesorgt hatten und für den Ausschank zuständig waren. Aber auch dem Planungsteam und allen Bühnenaufbauern, die auch den Saal bestuhlt, die Deko angebracht, die Küche aufgebaut und sich um die Umkleidekabinen gekümmert haben. Ein herzliches Dankeschön ging auch an den Hallgartener Weinkeller, der die tolle Location zur Verfügung gestellt hatte.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 04.02.2024.

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