Tannenbaum-Kauf, chillende Engel und Schoko-Nikoläuse

20.12.2022

„Gude Gerd“ plante gutgelaunt mit 180 Gästen in der Brentanoscheune das Fest der Feste

Winkel. (sf) „Von draus vom Walde da komm ich her, ich muss Euch sagen, es weihnachtet nicht mehr, denn als Nikolaus komm ich mir vor wie ein Idiot, seitdem da herrscht das Nachtflugverbot, auch die Kamine sind neuerdings zugemauert, weil auf dem Dach die Solarzelle lauert, die Rentiere zu hetze, sagt man, das wär Mord, man braucht einen Ausweis für Tiertransport. Auch die Engel ham ihren eigenen Willen, sie formieren sich auf Facebook und wollen nur noch chillen. Nikolaus hat kein Bock mehr und sagt: „Das wars, wer was will meld sich beim Osterhas!“. Echte Lachtränen ließ der Aushausener Comedy-Star Gerd Brömser mit seiner Nikolaus Show „Gude Gerd plant ein Fest“ vergangenen Samstagabend in der randvoll besetzten Brentanoscheune fließen. „Der ist klasse, da können sich einige der sogenannten „Größen“ im Fernsehen mal eine Scheibe abschneiden“, brachte es ein echter Fan aus Geisenheim auf den Punkt. Und auch Gäste von „auswärts“ waren begeistert: Er habe schon von Gerd Brömser als echtem Stern am Rheingauer Comedian-Himmel gehört und dass der gestandene Sitzungspräsident der Aulhausener Fastnacht mit seinem Bühnenprogramm „Gude Gerd“ spitze sei. „Aber so gut habe ich ihn nicht eingeschätzt, echt köstlich“, meinte ein Zuschauer aus Frankfurt. Und nicht nur er hatte an diesem Abend riesigen Spaß.

Gerade auch die Nikolaus-Specials von Gerd Brömser auf der Rheingauer Weinbühne in der Winkeler Brentanoscheune sind mittlerweile legendär und sorgen für Furore und so war es nicht nur für den künstlerischen Leiter der Weinbühne, Wolfgang Junglas, eine echte Freude, den Aulhausener endlich wieder nach zwei Jahren Corona-Pause in das Vorweihnachtsprogramm zu holen. Der Erfolg gab ihm Recht: bis fast auf den allerletzten Platz war die Brentanoscheune an diesem Abend ausverkauft. Und Gerd Brömser präsentierte sich selbst in allerbester Spiellaune und hatte sichtlichen Spaß daran, mit seinen „ganz normalen Alltagsgeschichten“ von der Bühne herab und mit seinen herrlichen Versen zum „Fest der Fest“ alle zum Lachen zu bringen: „Der Weihnachtsbaum ist wie die Verwandtschaft: er stichelt wie die Schwägerin und ist so breit wie der Schwager. Steht der Weihnachtsbaum im Reihenhaus, muss die Hälft der Möbel raus. Es treibt der Wind im Winterwalde, die Flockenherde wie ein Hirt und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und winterheilig wird und lauscht hinaus, den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin bereit und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit. Es ist kein Hund im Winterwalde, noch nicht einmal ein armer Hirt und manche Tanne ahnt wie balde dass sie massakriert wird und lauscht hinaus den weißen Wegen. Der Henker kommt und schleicht sich an und ist bereit sie abzusägen - nix Herrlichkeit kaputt die Tann! Schneeflöckchen weiß Röckchen, da kommst du geschneit, die Mutter muss schaffe un de Vadder is breit!“.

Seine Zusammenfassung eines besinnlichen Weihnachtsfestes sorgte für Lachtränen beim Publikum, die „Gude Gerd“ dann aber auch mal mit einem Schokoladennikolaus „tröstete“. Von diesen Gesellen hatte er sich gleich Dutzende als „Verstärkung“ mit auf die Bühne gebracht – günstig im Supermarkt erstanden – und verteilte sie großzügig im Publikum an „brave Zuschauer“.

Überhaupt scheint dem verheirateten Vater von drei Kindern die Gabe, andere Menschen zum Lachen zu bringen, anscheinend in die Wiege gelegt worden zu sein. Brömser legt selbst beruflich kabarettreife Verkaufsveranstaltungen mit Haushaltsartikeln, ähnlich wie Tupperpartys, bei Vereinen hin. Seit über 30 Jahren ist er mit seiner ganzen Familie im Aulhausener Carneval Club aktiv und leitet dort auch mit untrüglichem Humor die närrischen Sitzungen als Präsident, wofür er im ganzen Rheingau bekannt ist. Selbst ins Fernsehen hat es der Rheingauer Karnevalist schon geschafft und hat nicht nur Auftritte bei „Hessen lacht zur Fassenacht“ im Hessischen Rundfunk und in der ARD, er gehört mittlerweile auch zu den berüchtigten „Mombacher Bohnebeitel“. Parallel zur Fassenacht, der Gerd Brömser auch in Zukunft die Treue halten will, hat er sich längst seinen Traum erfüllt, auch als Comedian mit Stand-up-Comedy auf einer großen Bühne Erfolge zu sammeln. „Der Hauptreiz ist die Bühne und das Lachen der Leute. Ich könnte es jeden Tag machen“, so Brömser.

Über zweieinhalb Stunden begeisterte er mit seiner Nikolaus-Mütze in der Anzugjacke und seinen köstlichen Geschichten rund um das Fest der Feste und zeigte wieder zahlreiche Facetten. Wie die urkomischen „Weihnachtslieder“, die er selbst getextet hatte und mit einer beneidenswerten Professionalität darbrachte: „Nickelos, Nickelos, bitte sag es mir, hast du n Piersing in deim Schritt und trinkst du ach mol n Bier. Nickelos, Nickelos, privat - was machst du da, hast du eine schöne Frau, oder bist du allah? Vielleicht bist du ach schwul, erlaubt ist was gefällt! Zahlst du dem Ruprecht Mindestlohn un hast du schwarzes Geld? Mach was du willst egal, bleib locker alter Mann, was du in deiner Freizeit machst, geht niemand was an.“

Bei allen seinen Witzen schaute er vor allem auch dem Menschen ins Gesicht, denn es waren die kleinen, aber wahren Alltagsdinge, die er in den Mittelpunkt seiner Vorträge stellte, und gab auch einen Rat zum Tannenbaum-Kauf: „Gehen Sie nie mit Ihrer Familie einen Tannenbaum kaufen“, verriet er den Männern im Publikum und plauderte herrlich eigene Erfahrungen aus. Überhaupt kaufe der Mann seinen Tannenbaum ja meist am 24. Dezember „auf dem Rückweg von Douglas, wenn die Auswahl nit mehr so groß ist.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 20.12.2022.

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