Stallsuche online und Herbergsvater mit freien Zimmern

25.12.2021

Rheingauer Weihnacht der Weinbühne in der Brentanoscheune war Rentierstark und Engelschön

Winkel. (sf) Es war nur ein Satz, den sich der kleine Tim für das Krippenspiel merken sollte, als jüngster Spross im Ensemble hatte er den Part des Herbergsvater übernommen und sollte auf Josefs Frage antworten: „Nein, hier ist kein Zimmer frei!“. Doch Tim brachte es einfach nicht übers Herz, die arme Maria und den Josef abzuweisen. Und so brachte er schon bei der Premiere alles durcheinander, als er mitteilte: „Ja, doch ich habe ein Zimmer für Euch frei!“. Als er dann auch noch beim Krippenspiel im Altenheim dem heiligen Paar eine Herberge anbot, wurde er kurzerhand zur Engelschar versetzt und war endlich an der richtigen Stelle. Die humorvolle und durchaus sehr weihnachtliche Geschichte in schönster Rheingauer Mundart bekamen die begeisterten Gäste der „Rheingauer Weihnacht“ am Dienstagabend auf die Ohren und zauberte den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht. Und das wiederholte sich an diesem Abend noch ganz oft. Zum Beispiel als Dunja Koppenhöfer die Rolle des verhinderten Gerd Brömser einnahm und im köstlich komischen Tannenbaumkostüm eine andere Art der Herbergssuche von Maria und Josef zum Besten gab: online über Booking Com. Oder von dem Nikolaus erzählte, der mit Solarzellen auf dem Dach, Nachtflugverbot, Engeln, die chillen wollen und dem Tiertransportgesetzen so viel Ärger hatte, das er mitteilte: „Des war’s, wer was will, der soll sich beim Osterhas melde!“.

Bei so viel humorvoller Besinnlichkeit kam beim Publikum besondere Weihnachtsfreude auf und vielfach empfand man die „Rheingauer Weihnacht“ der Weinbühne in der Brentanoscheune als ein echtes Geschenk unter dem Kultur-Weihnachtsbaum, der in diesem Jahr wegen Corona wieder besonders schlank gewesen war. Und so war auch dieser Abend wegen der Pandemie eine Art „Rettung“ gewesen, denn ursprünglich sollte, wie jedes Jahr, Sabine Nebel mit ihrem Ensemble als „Familie Diesig“ in dieser Weihnachtswoche in der Brentanoscheune auftreten. Durch die Corona-Probleme kam es jedoch nicht dazu und Veranstalter Wolfgang Junglas arrangierte in „letzter Minute“ eine ganz neue Weihnachts-Revue mit sechs Rheingauer Künstlern. Die hatten sich in nur einer Woche zusammengefunden und ein Programm erarbeitet, das die Gäste überzeugte. „Natürlich hatten auch einige Besucher kurzfristig abgesagt, zum einen wegen der Programm-Änderung, zum zweiten wegen der Angst vor der neuen Corona-Variante. Doch die Hälfte der rund 300 angekündigten Gäste kam an den beiden Aufführungstagen.“, erläuterte der Gastgeber, der den Abend als 2G + Veranstaltung durchführte.

Bis zum Schluss hatte Wolfgang Junglas bangen müssen, ob er die Revue präsentieren kann, denn nur zwei Tage vor dem ersten Aufführungsabend war auch Gerd Brömser in seiner Paraderolle als „Gude Gerd“ ausgefallen und das, weil er ein guter Opa ist: „Mein Enkelche hot mich mit Küsse abgeschleckt und dann hat se en Tag später en positive Corona-Test“, hatte Gerd aus seiner Quarantäne mitteilen lassen. Doch Dunja Koppenhöfer sprang nicht nur für Gerd Brömser ein, sie gab auch noch seine Verse und Geschichten in Tannenbaum-Verkleidung zum Besten und ließ ihn so doch auch teilhaben an diesem Abend.

Damit aber noch lange nicht genug, gab es neben heiter-besinnlichen Mundartgeschichten von Monika Albert und den Brömser-Bonmots von Dunja Koppenhöfer auch ganz viel Musik. Die präsentierten Alexander von Wangenheim und Naomi Kraft, die das Publikum mit „Let it snow“ und „Santa Baby“ begrüßten. „Boogie-Baron“ Alexander von Wangenheim machte an diesem Abend gut gelaunt seinem Namen alle Ehre, ließ jazzige Schneeflöckchen tanzen und lud zum Rock around the christmas tree. Ganz wundervoll war auch Sängerin Naomi, die nicht nur mit immer wieder neuen Kostümen verblüffte, sondern auch mit einer großen Bandbreite ihres Repertoires und der Vielfältigkeit ihre tollen Stimme überzeugte: Ob „Rudolph the Rednose“, „Maria durch den Dornwald ging“ und „Amazing Grace“ oder Reinhard Mays „Über den Wolken“, sie präsentierte alles mit Überzeugung. Als „Schoppe-Pop“ touren Alexander von Wangenheim und Naomi Kraft seit diesen Sommer mit einem dritten Mann im Bunde, der im Rheingau bestens bekannt ist und der sich bei der „Rheingauer Weihnacht“ auch für die Technik verantwortlich zeigte: „Jobbo“ Joachim Jakob kam für einige Specials mit seiner Gitarre auch mit auf die Bühne und spielte mit sichtlicher Freude. Im Gespräch mit Moderatorin Katharina Höfling gestand er dann auch, wie sehr ihm die Musik am Herzen liegt.

Mit der ehemaligen Rheingauer Weinkönigin Katharina Fladung, der letzten Weinmajestät, die 2015/16 eine deutsche Weinkrone in den Rheingau geholt hatte, hatte Wolfgang Junglas eine wundervolle Gastgeberin für den Abend ins Boot geholt: Katharina, die seit ihrer Heirat vor wenigen Wochen nun den Nachnamen Höfling trägt, führte mit Witz und Charme und ansteckender Begeisterung durch das Programm, plauderte mit den Künstlern und dem Publikum und verzauberte mit dem guten Gefühl, gemeinsam Weihnachten zu Hause in der „gut Stibb“ zu feiern.

Kein Wunder also, das alle hier ihren Spaß hatten, nicht zuletzt auch mit Dunja Koppenhöfer, die im zweiten Teil des Programms mit ihrem wunderbaren musikalische Talent alle begeisterte und mit dem für sie so typischen, schelmischen Humor einnahm. So präsentierte sie das erste Rheingauer Weihnachtslied, das sie als 16jährige Schülerin frisch in den Rheingau gekommen, bei einem Schulkonzert aufführte: „So en Bratäppelschje ist gut für unser Schnäppelschje“ und hatte auch „Frosty, den Schneemann“ mitgebracht. Mit „Jazzy Jingle Bells“ und einem „Xmas-Medley“ präsentierte sie auch eine ganz neue Seite. Monika Albert sorgte für ein besonderes „Weihnachtswunner“, in dem einem „Stadtstreicher“ ein himmlisches Paket zu Teil wurde und erzählte von Geschenken wie „Zufriedenheit“ und einem kostbaren Goldtaler, der in Kaugummi investiert wurde.

Zum krönenden Abschluss sangen alle Akteure des Abends gemeinsam „O du fröhliche“ und „ Stille Nacht“ auf der Bühne, bevor Katharina Höfling die Gäste mit dem Wunsch für eine friedvolle Weihnachtszeit verabschiedete.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 25.12.2021.

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