Weinprobe auf der Dachterrasse der Rossel

30.07.2021

Staatliche Verwaltung Schlösser und Gärten Hessen bietet regelmäßig tolle Führungen durch den Niederwald an

Rheingau. (sf) „Jetzt leben wir schon so lange hier im Rheingau und waren auch schon oft zum Wandern und Spazieren im Niederwald, aber das habe ich noch nie erlebt“, das Ehepaar aus Kiedrich war begeistert von der Weinprobe, die am Sonntagnachmittag auf der sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Dachterrasse der Rossel stattfand. Dank der Staatlichen Verwaltung Schlösser und Gärten Hessen hatten die rund ein Dutzend Gäste aus dem Rheingau, aus Wiesbaden, Mainz und Frankfurt das Dach der Rossel erklimmen dürfen und hier oben bei strahlend schönem Wetter auch noch drei Rheingauer Rebensäfte zum einmalig schönen Ausblick auf den Rhein und die Nahe verkosten können. Das alles sogar kostenlos – denn die staatliche Verwaltung Schlösser und Gärten Hessen bietet den ganzen Sommer über themenbezogene Führungen und Wanderungen durch den Niederwald an, viele davon kostenlos.

Zu den romantischsten Wanderwegen des Rheingaus gehören ohne Zweifel die gut ausgeschilderten und mit historischen Erläuterungen versehenen Rundwanderwege im Niederwald. Graf Karl Maximilian von Ostein gestaltete nach Vorbildern damaliger Parkanlagen den Niederwald zu einem romantischen Landschaftspark mit englischem Charakter. Die eigentliche Rundwanderung beginnt nach der Fahrt mit der Seilbahn von Rüdesheim zum Niederwalddenkmal nahe der Bergstation am Goethe-Tempel, der im November 1944 bei einem Bombenangriff völlig zerstört wurde und vom Förderverein des Landschaftsparks Niederwald mit rührendem Engagement vor einigen Jahren wieder aufgebaut wurde. Die Romantiker nannten ihn „Monopteros", seine Rotunde ruhte auf acht römischen Säulen aus rotem Sandstein. In ihm stand am 3. September 1814 Johann Wolfgang von Goethe, der von der überaus prächtigen Schönheit des Rheingaus ergriffen war.

Wandert man weiter auf dem Panoramaweg mit seinen zahlreichen Ausblicken auf den Rhein und weit ins Land hinaus, gelangt man zum Naheblick, wo an dessen Aufgang dem Geschäftsführer der Zweckgemeinschaft Niederwald, Klaus Titel, eine 300 Jahre alte Eiche gewidmet wurde. Weiter geht es zur „Rossel", einer künstlichen Ruine, die Graf von Ostein ebenfalls errichten ließ und deren Ausblick bei seinen Gästen damals schon als einer der schönsten im Verlaufe des ganzen Rheintals galt. Unterhalb der Rossel liegt die Ruine Ehrenfels. Nur ein kleines Stück weiter wartet der Rittersaal mit einem weiteren spektakulären Blick auf die Wanderer. Ostein ließ hier 1791 einen kleinen Bau mit gotischen Fenstern und einem Kreuzgewölbe errichten, der jedoch 1876 abgerissen wurde. Unter dem Aussichtspunkt liegt das Binger Riff, eine einst gefährliche Schiffspassage. Zurück in den Wald führt der Weg zur Zauberhöhle, die zwischen 1790 und 1796 gebaut wurde und über 30 Meter lang ist. Hat man sie durchlaufen, gelangt man in einen Rundbau, von dem ein zauberhafter Blick auf das Rheintal lockt. Über das Jagdschloss Niederwald mit seinem großen Wildgehege geht es entweder nach links zur Sesselbahn tief hinab über den Schieferfels nach Assmannshausen und dort nach einem Rundgang durch den Ort zum Rhein und mit dem Schiff zurück nach Rüdesheim.

Und diesen wundervollen Park kann man auf besonderen Wanderungen auch als Rheingauer eben mal ganz neu entdecken wie bei der Tour am Sonntag: mit rund einem Dutzend Teilnehmer starten Elisabeth Weymann, die Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit der staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und die Rüdesheimer Kultur- und Weinbotschafterin Jacqueline Palzer am Jagdschloss Niederwald und gingen an den einzelnen Stationen auf die Historie der Attraktionen ein. Dazu gehörte schon gleich zu Beginn auch die Zauberhöhle. Die lange künstliche Höhle, die in einer Rotunde, die „Zauberhütte“, mit Fernblickauf das Rheintal mündet, war wegen Corona und der Gefahr der Ansteckung im engen Höhlengang monatelang gesperrt und wurde just an diesem Wochenende wieder für großen und kleinen Publikumsverkehr geöffnet. Bis auf Weiteres soll der Besucherverkehr erlaubt sein, teilte Revierleiter Steffen Domschke mit. Die sogenannte Höhle, eigentlich ein langer, dunkler Gang mit der Zauberhütte am Ende ist ein beliebtes Ziel von Ausflüglern am Rhein. Sie zählt zu den besonders gut erhaltenen Kleingebäuden im historischen Parkwald, den Graf Karl Maximilian von Ostein vor mehr als 250 Jahren gegründet hatte.
Von der Zauberhöhe ging es zum Rittersaal an der Klippe des Niederwaldes und schließlich und zur höchsten Stelle des Niederwaldes, wo Graf von Ostein 1787 die Ruine Rossel errichten ließ. An dieser Stelle hoch über dem Rheintal kann man eine wunderschöne Aussicht auf Bingen und die Nahe Mündung sowie den Mäuseturm, das Binger Loch und die Burgruine Ehrenfels genießen. Dazu schenkte Kultur- und Weinbotschafterin Palzer einen Rheingauer Leichtsinn, einen Rüdesheimer Berg Roseneck aus dem Weingut Trapp und Sohn und einen Sauvignon Blanc aus dem Weingut Hanka in Johannisberg aus und gab auch interessante Informationen zum Weinbau im Rheingau und zu den vorgestellten Weinen und ihren Macher aus. Damit wurde die Weinprobe auf der Dachterrasse zu einem „sinnlichen Erleben“, wie auch Elisabeth Weymann begeistert festhielt. „Das war heute einer der schönsten Termine überhaupt in der mehrjährigen Reihe der Experten-Führungen. Die Parkwald-Infos mit dem sinnlichen Erleben einer Weinprobe zu verknüpfen, war wirklich eine gute Idee“, resümierte sie nach den begeisterten Feedbacks aller Teilnehmer. Weymann kündigte an, dass sie auch im nächsten Jahresprogramm die Weinbotschafter für die Touren durch den Osteinschen Niederwald gewinnen will.

Doch auch in diesem Jahr gibt es noch einige Termine mit kostenlosen Expertenführung im Niederwald: am Sonntag, den 22. August zwischen 11 und 13 Uhr gibt es eine Führung im Rahmen der Aktionswoche „Der Wald des Grafen von Ostein einst und heute" mit Steffen Domschke und Elisabeth Weymann, am Sonntag, 29. August zwischen 13.30 und 16.30 Uhr eine Tour zu Thema Idealisiertes Mittelalter „Die Zauberhöhle im Niederwald und Preußens Burg Rheinstein“ mit Markus Hecher und Elisabeth Weymann, am Samstag, den 4. September zwischen 14 und 17 Uhr eine Wanderung unter dem Motto „Osteinscher Niederwald für Fortgeschrittene: ein Blick in die Quellen zum Ausbau eines "Zierwaldes" mit Franz Stephan Pelgen und Elisabeth Weymann in dessen Rahmen es auch ein Picknick geben wird und am Samstag, den 9. Oktober von 14 bis 16.30 Uhr eine Tour zum Thema „Reiselust im 18. Jahrhundert. Als Besucher in den Osteinschen Niederwald strömten“ mit Christiane Fabian und Elisabeth Weymann. Informationen und Anmeldungen sind unter Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, elisabeth.weymann@schloesser.hessen.de, Telefon 06172/ 9262-103 möglich.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 30.07.2021.

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  • Der wilde Duft des Todes
  • Rheingau: Wanderkarte mit Radwegen
  • Tod im Niederwald
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