Rheingauer Erdbeeren sind königliche Früchte

22.05.2021

Hessische Erdbeersaison 2021 wurde von Erdbeerkönigin Lena Falkner offiziell in Geisenheim eröffnet

Rheingau. (sf) Rheingauer Erdbeeren sind wahrlich königliche Früchte und das schon in langer Tradition: Jetzt wurde nicht nur die hessische Erdbeersaison königlich mit der frisch gekrönten Erdbeerkönigin Lena Falkner zum ersten Mal offiziell in Geisenheim eröffnet. Rheingauer Erdbeeren wurden auch einst an Königshäuser hochgeschätzt: In den 20er und 30 Jahren des letzten Jahrhunderts war der Erdbeeranbau damals, im Rheingau weitverbreitet. Zu dieser Zeit gab es auch einen großen Umschlagsort für die Früchte: der Rheingauer Obstmarkt war in der Erbacher Ringstraße beheimatet. Von hier aus wurden die süßen roten Edelfrüchte nach ganz Deutschland verschickt. Sogar einige Adelshäuser erhielten ihre Erdbeeren direkt aus Erbach. Für die Rheingauer natürlich auch Grund genug, daraus ein Fest zu machen, denn dass Wein und Erdbeeren auch als Getränk so gut zusammenpassen, wusste man gerade im Rheingau von jeher sehr zu schätzen. So entstand 1935 auch das Erdbeerfest, das eigentlich in einem Monat anstehen würde, wegen der Corona-Pandemie aber jetzt zum zweiten Mal in Folge abgesagt wurde. Trotzdem ist und bleibt das Erbacher Erdbeerfest ein Klassiker unter den Rheingauer Weinfesten und zieht seit über 80 Jahren Besucher aus ganz Deutschland jedes Jahr Mitte Juni in den Rheingau. Ein guter Grund also, hessische Erdbeersaison im Rheingau zu eröffnen. Ausgerichtet wurde die zehnte südhessische Erdbeersaisoneröffnung vom Hessischen Landesverband für Erwerbsobstbau e.V. und dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauers gemeinsam mit der MGH Gutes aus Hessen GmbH. Ein großer Teil der hessischen Erdbeeranbauer nutzt das Siegel „Geprüfte Qualität - Hessen“ und garantiert seinen Kunden damit die hessische Herkunft der angebotenen Früchte.

Etwa zwei Wochen später als im vergangenen Jahr startet 2021 die Erdbeersaison in Hessen. Die Kälte in den letzten Wochen habe für Verzögerungen gesorgt, trotzdem seien bereits Ende April die ersten Erdbeeren in den Hochtunneln geerntet worden, erklärten die Geisenheimer Gastgeber der offiziellen Eröffnungsfeier, Arno und Tino Geiger. „Die Direktvermarktung von Erdbeeren konnte 2020 einen Zuwachs verzeichnen: 19,4 Prozent der deutschen Erdbeeren wurde auf dem Weg der Direktvermarktung, also ohne Umweg vom Erzeuger an den Endverbraucher, verkauft. Das sind 2,5 Prozent mehr als 2019“, freute sich auch Andreas Klein vom Hessischen Landesverband für Erwerbsobstbau. „Wir schauen der Saison optimistisch entgegen: Die Erdbeerpflanzen sind gut durch den Winter und die Spätfröste gekommen, so dass wir auch in dieser Saison viele aromatische Früchte erwarten“, ergänzte .Andreas Lenhardt vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V..

Und auch die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz freute sich über den Beginn der Erdbeersaison und schickte Grüße nach Geisenheim. „Gerade während der aktuellen Corona-Pandemie, in der die landwirtschaftlichen Betriebe weniger an Restaurants und Hotels verkaufen, können wir die hessischen Bäuerinnen und Bauern durch unseren Erdbeer-Einkauf unterstützen. Dank Direktvermarktung und kurzen Wegen sind frische und leckere Erdbeeren überall im Land an den typischen Häuschen und auf dem Wochenmarkt zu finden.“, so die Ministerin.

Vor Ort zeigte sich Bürgermeister Christian Aßmann besonders erfreut, dass man die Hessische Erdbeersaison in Geisenheim eröffnete und das auch noch mit einer Hessischen Erdbeerkönigin aus Geisenheim. Im Rahmen der ersten Erbacher Erdbeerfeste Mitte der 30er Jahre gab es einst auch große Festumzüge und auch eine Erdbeerkönigin krönten die Erbacher damals anlässlich ihres Festes. Die 25jährige Geisenheimerin Lena Falker reiht sich also mit ihrer Krönung zur Erdbeerkönigin in eine Rheingauer Tradition ein. Das sie alle hessischen Erdbeeranbauer repräsentiert, mache sie sehr stolz, erklärte die neue Hessische Erdbeerkönigin. Lena I. hofft, dass sie trotz der Pandemie-Bedingungen beim Start in ihr Amt im Laufe des kommenden Jahres die hessischen Erdbeeren repräsentieren kann. Denn mit Erdbeeren kennt sich die gelernte Gärtnerin im Fachbereich Obstbau aus: gerade hat sie ihren und Masterabschluss der Gartenbauwissenschaften an der Hochschule Geisenheim absolviert. Doch ungewöhnlich war ihre Krönung in Pandemiezeiten schon gewesen: Erst einmal musste sie sich zur Wahrung der Abstandsregeln ihre Krone selbst aufsetzen. Doch kaum im Amt und Würden richtete sie schon das Wort an die Verbraucher und rief sie dazu auf, die frischen Erdbeeren aus der heimischen Region zu genießen und die Möglichkeit zum Einkauf an den Verkaufsständen an der frischen Luft zu nutzen oder die Erdbeeren auch selbst zu pflücken.

Über diesen Tipp freuten sich auch die Gastgeber der diesjährigen Erdbeersaisoneröffnung: Familie Geiger vom Obstgut auf der Heide. Arno und sein Sohn Tino Geiger bewirtschaften den Betrieb mit 15 Hektar Anbaufläche und den angeschlossenen Hofladen mit fünf Vollzeitkräften, sechs Aushilfen und zehn beziehungsweise sieben Erntehelfern zur Erdbeer- und zur Apfelernte. „Der Schwerpunkt des Betriebs liegt auf Äpfeln und Erdbeeren. Darüber hinaus werden beispielsweise Aprikosen, Birnen, Erdbeeren, Nüsse und auch Gemüsesorten angebaut“, erklärten die Hausherren. Die frostkalten Nächten hätten ihren Erdbeeren in den vier riesigen, geschützten Tunneln nicht geschadet. „Es gab zwar die eine oder andere schwarze Blüte, aber das hat den Pflanzen nicht geschadet“, erklärte Arno Geiger. Bei den Aprikosen sei der Ausfall wesentlich höher. Vater und Sohn erklärten den rund 20 Pressevertretern aus ganz Hessen, dass sie ihre Anlage in Zeiten des Klimawandels mit zwei je 1000 Kubikmeter großen Wasserbehältern und Tröpfchen-Bewässerungsanlagen versorgen. Gespeist werden die Wasserbehälter mit Regenwasser und Wasser aus dem nahen Blaubach, für den Familie Geiger ein Entnahmerecht besitzt. „Die Behälter wurden vor einigen Jahren von uns so konzipiert, dass man rund sechs Monate lang unser Obstgut bewässern kann. Doch mittlerweile reicht das in den besonders heißen Sommermonaten der letzten Jahre kaum aus.“. Die regenarmen Jahre und der Klimawandel würden dem Obstanbau ganz schön zu schaffen machen, erklärte Arno Geiger.

Ein großes Lob von seiner Seite ging an den Mitveranstalter der Eröffnungsfeier der Erdbeersaison, die MGH „GUTES AUS HESSEN". Sie führt das Marketing für die hessische Land- und Ernährungswirtschaft durch. „Damit fördert sie die heimischen Betriebe und stärkt die Wirtschaft in der Region. Das ist gut für uns als Erzeuger, für die Region und für die Verbraucher, weil sie sich auf die Qualität und die Herkunft ihrer Lebensmittel verlassen können“, lobte Geiger. Im Auftrag des Landes Hessen unterstutzt die MGH „Gutes aus Hessen“ regionale Erzeuger und Vermarkter mit zahlreichen Maßnahmen und Aktivitäten dabei, ihre regionalen Produkte noch bekannter zu machen. Dazu gehören auch die beiden Siegel „Bio aus Hessen" und „Geprüfte Qualität - Hessen", hier sind die qualitativ hochwertigen und herkunftssicheren Produkte aus Hessen auf den ersten Buck erkennbar. „Die Siegel garantieren nicht nur Qualität, sondern auch Sicherheit und Transparenz bei der Produktion von Lebensmitteln. Um dieses Siegel verwenden zu können, muss die gesamte Wertschöpfungskette geprägt sein. Das heißt, vom Erzeuger bis hin zur Ladentheke kann man immer nachvollziehen, woher das Produkt kommt und unter welchen Bedingungen es verarbeitet wurde. Das bedeutet für den Verbraucher die Gewissheit, dass die Wertschöpfung dieses Produktes in der Region erhalten bleibt und er so das regionale Lebensmittelhandwerk unterstützt, was mehr als notwendig“, erklärte die Fachleute vor Ort in Geisenheim.

Erdbeeren in Zahlen
2020 hätten in Hessen 156 Betriebe auf 1.147 Hektar Fläche Erdbeeren angebaut, davon rund 716 Hektar im Freiland und etwa 203 Hektar im geschützten Anbau. Dabei wurden 7798 Tonnen Erdbeeren geerntet, davon 5.096 Tonnen im Freiland und 2072 Tonnen aus geschütztem Anbau. Ging in den vergangenen Jahren nur die Zahl der Betriebe zurück, musste 2020 erstmals seit 2016 auch wieder ein Rückgang der Erntemengen verzeichnet werden. 2020 hat ein Haushalt durchschnittlich 4,2 kg Erdbeeren gekauft. Das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr.
Häufig würden Erdbeeren auch zum Selbstpflücken angeboten, hier sei morgens ist die beste Erntezeit, da die Erdbeeren mit zunehmender Sonneneinstrahlung im Laufe des Tages weich werden. „Auch nach viel Regen sollte man keine Erdbeeren pflücken, da diese bei großer Nässe an Aroma verlieren und natürlich solle man sich im Erdbeerfeld umsichtig verhalten, dass auch andere noch gute Früchte ernten könnten, erklärten die Fachleute.
Erläutert wurde auch, wie Erdbeeren frisch bleiben: „Erdbeeren sind sehr empfindlich, daher empfiehlt es sich diese erst am Tag des Verzehrs zu kaufen, denn schon wenige Stunden nach der Ernte büßen sie Aroma ein. Ansonsten sollten sie möglichst schonend behandelt werden. Abgedeckt und ungewaschen halten sie sich an einem kühlen Ort oder im Gemüsefach des Kühlschranks bis zu zwei Tage. Zur Aufbewahrung sollte man möglichst flache Behälter nutzen und beschädigte Früchte zuvor entfernen. Tiefgefroren sind Erdbeeren bis zu zehn Monate haltbar. Empfehlenswert ist hier, die Erdbeeren zunächst einzeln gefrieren zu lassen und die Erdbeeren nebeneinander mit ein wenig Abstand in einen Gefrierbehälter zu legen. So behalten sie ihre Form und sind portionierbar.
Die Erdbeere wird zur Familie der Rosengewächse gezählt. In ihrer ursprünglichen Form zählte sie bereits in der Steinzeit eine Rolle in der menschlichen Ernährung Doch erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich die heute bekannte Gartenerdbeere. Dabei handelt es sich bei Erdbeeren gar nicht um Beeren, sondern um Nüsse. Der rote Fruchtteil der Erdbeere ist nur eine Scheinfrucht. Die eigentliche Frucht die Nuss, die kleinen Körnchen auf der Oberflache. Botanisch gesehen ist die Erdbeere eine krautartig wachsende Pflanze, die ihre Frucht in der Nähe des Bodens tragt. Daher hat sie auch ihren deutschen Namen. In der Botanik wird sie als Fragana bezeichnet und umfasst in dieser Gattung mehrere Arten. Bei der Kulturerdbeere gibt es sogar eine Sorte, die „Korona“ heißt. Erdbeeren sind überaus gesunde Früchtchen und pflückreif und genießbar, wenn mindestens zwei Drittel der Fruchtoberfläche rot gefärbt ist. Der volle Geschmack entwickelt sich jedoch nur, wenn sie ausgereift gepflückt wird, denn Erdbeeren reifen nach dem Pflücken nicht nach. Die „Königin der Früchte“ enthält pro Gewichtseinheit mehr Vitamin C als Zitronen oder Orangen. Bereits mit 150 bis 200 g Erdbeeren ist der Tagesbedarf an Vitamin C gedeckt. Außerdem enthalt die Erdbeere einen hohen Wert an Folsäure, Biotin und Vitamin K sowie die Mineralstoffe Zink, Kupfer und Mangan. Dabei enthalt die Erdbeere wenig Fett und wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole. 100 g Erdbeeren enthalten etwa nur 35 Kilokalorien.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 22.05.2021.

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