Fördermittel für die Brömserburg

19.10.2020

Rüdesheimer Stadtverordneten einstimmig für Antragstellung von Fördermitteln des Bundes für die Brömserburg

In einer gestern im Presberger Bürgerhaus stattgefundenen Versammlung der Rüdesheimer Stadtverordneten hat diese einstimmig beschlossen, Fördergelder für den Umbau der Brömserburg zu beantragen. Dafür sollen aus dem vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) aufgelegten Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2021“ Fördermittel in Höhe von sieben Millionen Euro in die bauliche Sanierung der Burg fließen. Der Antrag auf Förderung kann nur durch die Kommune gestellt werden. Darüber hinaus investiert das Bürgerkonsortium, das die Brömserburg von der Stadt Rüdesheim für 50 Jahre in Erbpacht übernommen hat, einen siebenstelligen Eurobetrag in ein innovatives Ausstellungskonzept. Schwerpunkte der Ausstellung werden die Burggeschichte, die Rheinromantik und der Wein sein.

Mit der einstimmigen Entscheidung der Rüdesheimer Stadtverordneten, Fördermittel des Bundes für die Brömserburg zu beantragen, ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur baulichen Sanierung der Burg genommen.

Das Bürgerkonsortium, das die „Brömserburg – die Burg am Rhein GmbH & Co. KG“ zum Betrieb der Burg gegründet hat, legt Wert auf die Tatsache, dass die beantragten Fördergelder ausschließlich in die bauliche Sanierung der Burg fließen werden. Dazu gehören die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes inklusive der Erneuerung der gesamten Elektrik, die Dachsanierung sowie der Rückbau des nach dem 2. Weltkrieg entstandenen Bergfrieds auf dem Burgdach. Hier soll der historisch verbriefte Dachgarten aufwendig neu anlegt und gestaltet werden. Darüber hinaus ist eine begrünte Treppenanlage mit Aufzug an der Nordseite der Burg geplant, um die gesamte Burg als erste Wehrburg Deutschlands barrierefrei zu erschließen.

Auch die Politik begrüßt die Entwicklung der Brömserburg

Auch der für den Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch engagiert sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Brömserburg. „Ich stehe voll hinter dem Projekt. Die Sanierung der Brömserburg hat neben ihrer bauhistorischen Bedeutung auch viele positive Auswirkungen auf den Rheingau und die gesamte Region. Die Burg wird aus meiner Sicht ein weiteres Highlight sowohl für die Bürger des Rheingaus als auch für die vielen Touristen aus Nah und Fern werden. Deshalb setzte ich mich für dieses Projekt am Eingang der Welterbe- und Bundesgartenschau-Region aktiv beim Bundesinnenministerium ein,“ so Willsch.

Der Erlebnisraum Brömserburg entsteht

Parallel zum Umbau, der sich in zwei Phasen über fünf Jahre hinziehen wird, soll das Ausstellungskonzept implementiert werden. Es stützt sich auf die zur Burg gehörende kulturhistorisch bedeutende Sammlung von internationalem Rang mit über 2.200 Exponaten aus fünf Jahrtausenden. Historisch korrekt soll ein unverwechselbarer Erlebnisraum entstehen, von dem die gesamte Region profitiert. Geschichte soll lebendig erzählt werden und der Besucher selbst soll Teil der faszinierenden Burggeschichte werden. Die inhaltliche Vermittlung soll primär intuitiv und nonverbal in einer abwechslungsreichen und überraschenden Verwebung historischer Räume, reizvoller Exponate und medialer Installationen geschehen.

In enger Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, den zuständigen Baubehörden und einem vom Bürgerkonsortium engagierten Architekten wird zurzeit das Nutzungskonzept für die gesamte Burganlage weiterentwickelt. Als externer Partner konnte eine auf Ausstellungsentwicklung und -gestaltung spezialisierte Agentur gewonnen werden. Bisher hat das Bürgerkonsortium rund 400.000€ und tausende Arbeitsstunden in das Projekt investiert.

Die Brömserburg als Ankerpunkt für die weitere Entwicklung der westlichen Altstadt

Die westliche Altstadt Rüdesheims wurde in den letzten Jahrzehnten aufgrund struktureller Veränderungen zum Teil deutlich von der Entwicklung der anderen Stadtteile abgekoppelt. Die Revitalisierung der Brömserburg kann in vielfältiger Hinsicht einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Baukultur und Wiederbelebung der westlichen Altstadt beitragen. Vor dem Hintergrund der für 2029 geplanten Bundesgartenschau soll dann der Brömserburg als Tor zum Mittelrheintal eine „Leuchtturmfunktion“ zukommen.

Die Brömserburg, die zwischen 1044 und 1185 in mehreren Bauphasen errichtet wurde und damit eine der ältesten Burgen im Mittelrheintal ist, weist zahlreiche Besonderheiten auf. Als einziges profanes Bauwerk ihrer Zeit verfügt sie über gewölbte Räume in allen Stockwerken und nimmt damit eine Sonderstellung ein. Ihr Grundriss und ihre Erschließung geben beispielhaft den Stand damaliger Wehrtechnik wieder.

Die Brömserburg wurde im 19. Jahrhundert als erste Burg im Mittelrheintal für Besucher geöffnet und ist daher als einer der Ausgangspunkte der Rhein- und Burgenromantik und des Rheintourismus von besonderer Bedeutung. Das Schicksal vieler anderer Burgen im Mittelrheintal, die nach dem Verlust ihrer strategischen Bedeutung verfielen und erst vor rund 200 Jahren wiederaufgebaut wurden, blieb der Brömserburg erspart. Sie wurde zwar baulich immer wieder verändert, kann aber auf eine kontinuierliche, fast 1000-jährige Geschichte zurückblicken.

Die Brömserburg ist zudem ein konstituierender Bestandteil des Rüdesheimer Stadtbildes und steht exemplarisch für die Eigenschaften, die das Obere Mittelrheintal in den Rang des Weltkulturerbes erhoben haben: den Burgenreichtum und den Weinbau. Die Brömserburg bildet das rechtsrheinische Tor zum Mittelrheintal und wird daher von Besuchern, die aus östlicher Richtung kommen, als erste Burg am Rhein wahrgenommen.

Im Zuge der in Hessen im Aufbau befindlichen „Route der Romantik“ soll auch die Brömserburg zusammen mit anderen ausgewählten Standorten die geistesgeschichtliche Epoche der deutschen und europäischen Romantik beleuchten.

Hinsichtlich der Freianlagen soll die Brömserburg eine Rolle während der Bundesgartenschau 2029 spielen. So ist die Einbindung des historisch belegten und für eine Burg einzigartigen Dachgartens genauso vorgesehen wie die Nutzung des über 3.000 m² großen Burggartens.

Foto: Vera Jung

www.rheingau.de/sehenswertes/burgen/broemserburg

Ein Bericht von Joachim Piszczan vom 19.10.2020.

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