An Bord waren auch fünf Rheingauer

25.07.2020

Erstes Flusskreuzfahrtschiff machte am neuen Anleger in Oestrich-Winkel halt/Bis Ende Oktober alles ausgebucht

Winkel. (sf) Ganz leise glitt das große weiße Schiff in die Winkeler Bucht und dockte ganz sachte unter den achtsamen Augen von Kapitän Milan Sretr an dem neuen Anleger an. Die Gäste des Ausflugsrestaurants „Allendorf am Rhein“ verfolgten mit gespannter Aufmerksamkeit das Anlandemanöver des ersten Flusskreuzfahrtschiffes am vergangenen Sonntag und waren damit Zeugen einer Premiere. Nach dem Lockdown durch die Einschränkungen der weltweiten Corona-Pandemie konnte am Sonntag zum ersten Mal ein Schiff am neuen Anleger in Winkel landen. „Esprit“ lautet der Name des luxuriösen Schiffes, das jetzt alle sieben Tage in Oestrich-Winkel für ein paar Stunden halt machen wird. Das Schiff gehört zu der Schweizer Reederei Scylla, mit der die Winzerfamilie Allendorf in Winkel seit fast vier Jahrzehnten geschäftlich kooperiert. An Bord wird nicht nur Allendorf-Wein ausgeschenkt, es gibt auch jedes Jahr eine gemeinsame Weinkreuzfahrt. Nachdem Max Schönleber vom Weingut Allendorf die Idee hatte, die ehemalige Sandverladestelle am Winkeler Rheinufer in ein Restaurant mit Freizeitpark umzuwandeln, war auch der Plan real geworden, hier eine Schiffanlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe zu installieren. Schon im September 2019 war der Bau des neuen Steigers in Oestrich-Winkel abgeschlossen und die Reederei Scylla und das Weingut Allendorf hatten damit ihre Zusammenarbeit gefestigt. Zukünftig soll damit auch der mittlere Rheingau attraktiver gestaltet und die Hochburg Rüdesheim entlastet werden. Bereits seit 2018 wird Eltville durch „Viva Cruises“ angelaufen.
Und am Sonntag war es dann auch in Winkel soweit: zwar wurde das Flusskreuzfahrtschiff nicht mit Wasserfontänen empfangen, wie bei den großen Luxuslinern in New York, dennoch begrüßten zahlreiche Gäste und auch Rheingauer die „Esprit“ bei ihrem Ersteinnlauf im beschaulichen Winzerort. Und das 110 Meter lange Flusskreuzfahrtschiff ist ein auch ein toller Anblick. Wie umgekehrt auch das neue Restaurant „Allendorf am Rhein“ auch für die 52 Passagiere. „Der historische Ortskern und die zahlreichen, ansässigen Winzer laden zum gemütlichen Schlendern und Flanieren ein“, wurde den Gästen an Bord versprochen, die zwischen 13 und 21 Uhr Zeit haben, Winkel zu Fuß zu entdecken oder mit dem Taxi einen Ausflug zu den nahen Schlössern und den Nachbarstädten zu unternehmen.

Drei der Passagiere hatten dabei am Sonntag ein wortwörtliches Heimspiel: sie sind nämlich in Oestrich-Winkel zu Hause, zwei weitere Gästen kamen aus Rüdesheim. „Wir hatten in der FAZ von dieser Reise gelesen und uns ganz kurzfristig entschlossen, mal den Rheingau von Bord eines Kreuzfahrtschiffes aus zu betrachten“, erklärt das Ehepaar Bender aus Winkel. Von Frankfurt aus war man mit der „Esprit“ nach Mainz, Cochem und Bernkastel gereist, wo es eine Weinprobe gab. Danach ging es nach Trier und Koblenz, die letzte Station war schließlich Oestrich-Winkel, bevor es wieder nach Frankfurt zurück ging. Sieben Tage und sechs Nächte dauerte die Reise und vor allem die exquisite Küche und die großen Kabinen lobten Gabi und Helmut Bender. Überrascht habe man dann festgestellt, dass noch ein Winkeler mit an Bord war, mit dem das Paar dann auch zusammen an der Weinprobe im Georgshof teilnahm, die zum Ausflugsangebot der Reise gehört. Max Schönleber hatte die rund zwei Dutzend Gäste, die an der Weinprobe teilnahmen, an Bord der „Esprit“ am Sonntagnachmittag persönlich abgeholt und war mit ihnen durch Winkel bis zum elterlichen Weingut gelaufen, um hier besondere Rebensäfte , darunter einen 2018er Cuveé Blanc Gutswein, einen 2019er Winkeler Riesling trocken Ortswein und einen 2017er Assmannshäuser Spätburgunder Ortswein zu kredenzen.

Normalerweise sind ausschließlich amerikanische Gäste an Bord der Flusskreuzfahrtschiffe der Reederei Scylla. Doch da diese durch Corona jetzt völlig wegfallen und vor allem auch deutsche Urlauber nach Reisemöglichkeiten im eigenen Land suchen, haben wir die „Esprit“ für die restliche Saison bis Ende Oktober gechartert und bieten jetzt diese Weinreise von Frankfurt über Mainz, Cochem, Bernkastel, Trier, Koblenz und Oestrich-Winkel an“, erläuterte der Produktchef Klaus Daccache vom Reiseveranstalter Globalis. Die MS Esprit, das Luxusschiff der Schweizer Reederei Scylla, suche ihresgleichen auf deutschen Flüssen. Mit maximal 100 Gästen reise man auf dem 110-Meter-Schiff höchst komfortabel: „Die Esprit besticht mit ihrer weitläufigen Architektur und bietet nicht nur 52 Komfort-Kabinen und -Suiten, sondern auch viel Freiraum auf drei Decks und einem schön eingerichteten Sonnendeck“.

Bei der ersten Reise war er dann auch selbst mit an Bord und nahm auch an der Weinprobe im Georgshof teil. Bis zu 100 Passagiere dürften an Bord sein, bei der ersten Fahrt waren es 52 Gäste, die die Reise gebucht hatten. „Alle anderen jedoch bis Ende Oktober sind bereits ausgebucht“, erklärte er. An Bord des Schiffes seien auch ausgewählte Weine des Weingut Allendorf zu finden. „Durch den direkten Bezug an Bord zu den Weinen des Guts können die Gäste nun auch die Herkunft des Weines entdecken und auch weitere Weine während einer Weinprobe verkosten“, so der Globalis-Produktchef.
Die Weinprobe ist jedoch kein Muss, einige der Gäste nutzten auch die Zeit des Anlegens in Winkel, um den Ort selbst zu entdecken, das Brentanohaus zu besuchen und vieles mehr. Auch das Restaurant „Allendorf am Rhein“ fanden die Passagiere schön und ein Rheingauer Ehepaar hatte dort schon sehnsüchtig auf die „Esprit“ gewartet: „An Bord ist eine gute Freundin, die diese Reise gebucht hat und die wir jetzt zu einem kleinen Ausflug abholen“. „Und wir werden auf jeden Fall wiederkommen“, erklärten zwei Freundinnen, die nach dem Kurzbesuch in Winkel für einen ausgedehnten Urlaub im Rheingau gleich nach der Kreuzfahrt schon im Georgshof die ersten Pläne machten.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 25.07.2020.

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