100 Jahre Fußball in Hattenheim

08.08.2019

Spiel- und Sportverein feierte stolzes Jubiläum mit Festwochenende

Hattenheim. (sf) „Fußball ist unser Leben“ heißt es seit genau 100 Jahren in Hattenheim: der Spiel- und Sportverein, besser bekannt als „SSV“, feierte mit zahlreichen Festlichkeiten sein stolzes Jubiläum. Auftakt war eine akademische Feier mit vielen besonderen Ehrengästen und Auszeichnungen. Dann stand eine „Schwarz-rote Jubiläums-Nacht“ in der Hattenheimer Burg auf dem Programm und einen Tag später gab ein Menschen-Kicker-Turnier. Abends spielten wie auch schon vor zehn Jahren beim 90jährigen Jubiläum des Fußballvereines die „NixNutze“. Am Sonntag gibt es einen musikalischen Frühschoppen mit sage und schreibe 130 Ehrungen und Auszeichnungen und nachmittags ein Kinderfest mit Hüpfburg. Die ganze Fußballfamilie hatte an diesem Wochenende den stolzen Geburtstag gefeiert.

Denn Fußball wurde in Hattenheim erstmals nach dem Ersten Weltkrieg gespielt. Junge Männer hatten das Spiel als Soldaten kennengelernt, und als Martin Jäger einen Ball nach Hause schickte, begeisterten sich bald viele Hattenheimer an der neuen Sportart. Im Juni 1919 trafen sich im „Rheingauer Hof“ des Vereinswirtes Karl Gerster die Gründungsmitglieder um Martin Jäger, um den neuen Verein aus der Taufe zu heben. Als Spielfeld dienten anfangs die Hattenheimer Rheinwiesen, als Vereinsfarben wählte man schwarze Hosen und rot-schwarz gestreifte Trikots, die Farben, die der Verein auch heute noch trägt. 1921 trat der Verein dem Süddeutschen Fußballverband bei und griff in der C-Klasse in die Meisterschaft ein. Wechselnde Erfolge brachten den Verein nach oben, die unruhigen Zeiten führten aber auch dazu, dass zeitweise der Spielbetrieb zum Erliegen kam. Mit der Machtergreifung der Nazis wurde es nochmals schwieriger, im Zweiten Weltkrieg ließen 22 Vereinsmitglieder ihr Leben.

Nach Kriegsende begann wie überall der Wiederaufbau, und beim 40jährigen Jubiläum war der Verein dann endlich in der Lage, dank großzügiger Spenden mit dem lang ersehnten Bau eines eigenen Sportplatzes zu beginnen. Den 1962 offiziell eingeweihten Ascheplatz am Rhein nutzt der SSV Hattenheim auch heute noch - wenn er nicht gerade vom Hochwasser überschwemmt ist, was in der Vereinsgeschichte schon öfter mal vorkommen ist. Umkleideräume oder gar ein Vereinsheim fehlten aber damals noch: Zum Duschen gingen die Sportler in den 60er Jahren ganz unkompliziert und ohne Murren in den „Rheingauer Hof“. Schließlich war man froh, Fußball spielen zu können und das auch durchaus mit viel Enthusiasmus. Und so taten fehlende Bequemlichkeiten dem sportlichen Erfolg keinen Abbruch: 1971 empfing man zum Pokalspiel den Drittligisten SV Darmstadt 98 und bot diesem lange Paroli, wenn auch am Ende eine 2:4-Niederlage stand. 1972 konnte dann auch schließlich das eigene Vereinsheim eingeweiht werden, das nach mehreren Umbauten ebenfalls auch heute noch genutzt wird.

Zum 60. Geburtstag stand der Verein vor einem großen Umbruch. Man entschloss sich, ganz auf Eigengewächse und den Spaß am Spiel zu bauen und auf die damals schon durchaus üblichen „Spielergehälter“ vollständig zu verzichten. Und genau diese Maxime hält der Verein bis heute durch, denn neben dem sportlichen Erfolg ist es vor allem die Kameradschaft untereinander, die das Wesen des Jubiläumsvereines ausmacht. Der Verein bildet eine intakte Gemeinschaft, in der Spieler, engagierte Mitglieder, Unterstützer und viele Hattenheimer Bürger zusammenhalten und anpacken, wo es notwendig ist. So ist die jährliche Renovierung und Instandsetzung des 1994 generalsanierten Platzes und des Vereinsheims nach jedem Hochwasser in ehrenamtlicher Arbeit Programm.

Und der Verein bringt sich von jeher verstärkt in das soziale Leben Hattenheims ein, nicht nur die 1980 erstmals als „Turnier der Meister“ veranstaltete Sportwoche zieht Hattenheimer und Gäste auch heute noch zum Beginn der neuen Saison zum Fußball an den Rheinweg, sondern auch die wiederbelebte Tradition des Maibaumstellens und die schon legendären Fastnachtsveranstaltungen sind Teil des Vereins- und des Dorflebens geworden, genau wie das Martinsfeuer, das nach dem Umzug am Sportplatz entzündet wird.

Seit der Saison 2015/2016 verfügt der Verein über eine neue wichtige Säule, eine sehr erfolgreiche Damenmannschaft mit 24 Spielerinnen, die zur Zeit in der Gruppenliga Wiesbaden spielt und sich dort im gesicherten Mittelfeld wohlfühlt. Im Jubiläumsjahr zählt der Verein 324 Mitglieder, gut die Hälfte davon sind aktive Fußballer. Rund hundert Kinder und Jugendliche werden von den ehrenamtlichen Betreuern an den Fußballsport herangeführt, 6 Jugendmannschaften, teils in einer Spielgemeinschaft mit Nachbarvereinen, nehmen am Wettkampfbetrieb teil mit dem Ziel, Nachwuchs an die Seniorenmannschaft heranzuführen.

Große Hoffnungen setzt der Verein in die Bemühungen der Städte Oestrich-Winkel und Eltville, einen gemeinsamen Kunstrasenplatz für den SSV Hattenheim und den FC Oestrich zu schaffen. Vielleicht gelingt dann auch wieder der Aufstieg in die Kreisoberliga, die der SSV nach einer unglücklich verlaufenen Saison 2017/2018 in Richtung A-Klasse verlassen musste.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 08.08.2019.

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