Hochzeiten der Kaltphasen

01.08.2019

Geologische Wanderung rund um das Schloss Vollrads mit Bürgerstiftung „Unser Land“

Winkel. (sf) Zwischen Wiesbaden und Rüdesheim erstreckt sich über 30 Kilometer die Landschaft des Rheingaus, weltweit bekannt für den Weinbau. Und der ist nicht zuletzt durch die fruchtbaren Böden und das Klima am Rhein mit viel Sonne und Wärme möglich. Eine milde Jahrestemperatur, moderate Niederschläge und viele Sonnenstunden bieten den Reben optimale Bedingungen für ihr Wachstum. Seit über 2000 Jahren hat der Mensch diese Kulturlandschaft geprägt und bewirtschaftet. Die Böden aus Quarzit, Schiefer und Sandstein tragen entscheidend zum Bouquet des Weines bei. Tiefe Einblicke in diese Erdgeschichte direkt vor unserer Haustür gab es jetzt: Die Bürgerstiftung „Unser Land“ und der Nassauer Verein für Naturkunde hatten zu einer knapp vierstündigen Wanderung mit Informationen und Ausführungen zur Geologie des Rheingau eingeladen.
Knapp 70 interessierte Gäste und Wanderfreunde waren am Samstagnachmittag der Einladung zu einer Exkursion in die Rheingauer Erdgeschichte gefolgt und erlebten die Landschaft rund um Schloss Vollrads mal geologisch. Überaus interessant war es, mehr über die Zusammenhänge in der Kulturlandschaft Rheingau zu erfahren, die geologisch zum Taunus mit seinen Gesteinen aus dem Erdaltertum und auch zum jüngeren Oberrheingraben, zum Mainzer Becken, gehört. Diese Zusammenhänge vermittelt der Naturpfad rund um Schloss Vollrads leicht verständlich und liefert zugleich Informationen über das Rheingauer Schloss. „Geologische Einblicke“, „Land zwischen Wald und Reben“ oder „Weinbau im Rheingau“ heißen zum Beispiel drei von neun Stationen mit Informationstafeln. Rheingauer Besonderheiten werden vorgestellt und Fragen beantwortet. So erfährt man, warum es eine Brandungsküste im Rheingau gibt. Entlang des Pfades durch das seit Februar 1954 bestehende Naturschutzgebiet „Vollradser Wäldchen“ wird über die lange Geschichte dieser Kulturlandschaft informiert. Den Pfad hatte Kurt Emde vom Geografischen Institut der Universität Mainz vor einigen Jahren auf Initiative von Gutverwalter Dr. Roland Hepp organisiert und gestaltet. Dr. Hepp und Emde seien einst Klassenkameraden gewesen und der Gutsverwalter mit der Idee eines Natur- und Geologie-Lehrpfades einst an ihn herangetreten, erläuterte Emde.

Im Fokus der von ihm geführten Wanderung am Samstag standen besonders die Landschaftsentwicklung der jüngeren Erdgeschichte sowie das Naturschutzgebiet „Vollradser Wäldchen“. „Geologisch gesehen liegt die Landschaft um Schloss Vollrads auf der „Grenzlinie“ des Rheinischen Schiefergebirges zum Mainzer Becken. Dort finden sich Gesteine des Schiefergebirges wie Quarzit und Bunte Schiefer sowie ehemalige Meeresablagerungen der Tertiärzeit wie Kies und Sand“, erläuterte Kurt Emde, der am Geografischen Institut der Universität Mainz lehrt. Im Rahmen der Führung erklärte er, dass der „Landschaftsgestalter“ der jüngeren Erdgeschichte und des Eiszeitalters der Rhein gewesen sei: „Im Wechsel von Ausräumungen der geologisch weichen Schichten und Ablagerungen entwickelte sich die heutige Landschaft“. Emde forderte die Teilnehmer auf, das zerriebene Material aus dem Flussbett direkt rund um Schloss Vollrads zu entdecken, das hier als feiner Staub die Landschaft in den Hochzeiten der Kaltphasen verkleidete. Das nördlich von Schloss Vollrads gelegene Naturschutzgebiet „Vollradser Wäldchen“ sei eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands, erläuterte der Geologe. „Auf 15 Hektar blieb hier ein ursprünglicher Wald erhalten, wie er wohl vor der Kultivierung des Rheingaus weite Flächen eingenommen hat“, erklärte er.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 01.08.2019.

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