"Musik ist das Unsagbare"

29.06.2018

Kulturpreis 2018 des Rheingau-Taunus-Kreises an chorArt Rheingau verliehen/Großartige Feierstunde mit beeindruckenden Chorvorträgen

Rheingau. (sf) "Mit Ende der Jurysitzung am 23. April gegen 22.15 Uhr stand es fest:

der diesjährige Kulturpreis des Rheingau-Taunus-Kreises geht an chorArt Rheingau e. V.. Es war, das werden auch meine Kolleginnen und Kollegen der Jury bestätigen, ein intensives und hartes Ringen. Zum einen, weil es, entgegen der Vorjahre weitaus mehr, nämlich 30 Vorschläge gab und zum anderen, weil selbst in fortgeschrittener Auswahlphase immer noch mehrere vorgeschlagene Solisten oder Ensembles in die engere Wahl genommen wurden", erläuterte Laudator und Jurymitglied Arnulf Reinhardt bei der großen Feierstunde zur Vergabe des diesjährigen Kulturpreises des Rheingau-Taunus-Kreises an chorArt Rheingau. Umso mehr dürfen sich die Sänger und Sängerinnen um ihren Chorleiter Jochen Doufrain über diese Auszeichnung freuen. "Von all diesen guten, sehr guten und hervorragenden Vokalartisten, die noch dazu unterschiedliche Musikstile und Genres vertreten, vom Pop über Rock und Jazz bis hin zu einer Vielfalt klassischer Gesangssparten, von all diesen galt es, einen Preisträger zu küren", resümierte Arnulf Reinhardt und hielt fest, dass chorArt Rheingau "ein ganz eigener herausragender Klang auszeichnet, geprägt von präziser, an den musikalischen Inhalten orientierter Interpretation. Intonatorische Sicherheit und rhythmische Perfektion geben den von chorArt aufgeführten Werken einen packenden Schliff, der so nur selten zu hören ist". Damit erfülle das Ensemble das selbst gesteckte Ziel, auf hohem Niveau anspruchsvolle klassische, vornehmlich geistliche Musik, fast aller Jahrhunderte zu pflegen.

"Um das mit begeisterten, begabten und engagierten Laien zu erreichen, bedarf es eines Zugpferdes - oder sollte man in diesem Fall nicht besser sagen: eines Paradegauls", sagte der Laudator unter fröhlichem Beifall des Publikums in der vollbesetzten Brentanoscheune. Gemeint war Jochen Doufrain, der Gründer und musikalische Leiter von chorArt Rheingau e. V.: "Für ihn ist die Arbeit an klassischer Musik und die Vermittlung an ein breites und auch junges Publikum eine Herzensangelegenheit. So ist die Einbindung begabter junger Sängerinnen und Sänger, wie zum Beispiel Schüler der Internatsschule Schloss Hansenberg und Studenten aus der Region, ein wichtiger Baustein bei der Konzeption von chorArt.

Dass darüber hinaus eine enge Verbindung mit dem Rheingauer Kinder- und Jugendchor St. Martin Oestrich, den auch Jochen Doufrain leitet, besteht, fördert, kultiviert und sichert den sängerischen Nachwuchs". Aber bekanntlich stünde hinter jedem großen Mann eine starke Frau, meinte Reinhardt und hob auch das Engagement von Doufrains Frau Jelena Puljas hervor, die chorArt und den Jugendchor stimmbildnerisch betreut: "Sie bereitet durch ihre engagierte und professionelle Arbeit die Grundlage für ein künstlerisch anspruchsvolles Arbeiten mit entsprechend gut geschulten Stimmen.

Für die Jury sei bei der Preisträgerfindung die künstlerische, musikalische Qualität entscheidend gewesen. "Aber es fließen bei der Auswahl der zum Kulturpreis des RTKs Vorgeschlagenen noch weitere Aspekte ein, über die sich die Jurymitglieder abstimmen", verriet der Laudator. Bei chorArt Rheingau seien es zum einen die immer wieder neuen musikalischen Herausforderungen gewesen, denen alle Sängerinnen und Sänger sich mit enormer Hingabe widmen und bei denen die Fokussierung auf der Musik liege, die viel Zeit in Anspruch nehme. Zum anderen sei es das wichtige Anliegen von chorArt gewesen, Menschen, die hochpreisige Veranstaltungen zu besuchen nicht im Stande sind, einen Konzertbesuch zu ermöglichen und damit Musik und Hochkultur für alle erlebbar zu machen. Und letztendlich war auch die Vernetzung mit anderen Künstlern aus der Region ein weiterer Punkt, der diesen Preisträger hervorhebe: "Seine Orientierung an der Musik fernab von der leider oft anzutreffenden Mentalität, lieber nur das eigene Süppchen zu kochen". Ein besonderes Lob ging auch an den langjährigen 1. Vorsitzenden Stefan Kaiser und seine Frau Petra, die die Künstlergruppe zum Verein formierten und bis vor wenigen Monaten dessen Arbeit prägten. "Eine Arbeit, die jetzt Christian Barbatschi weiterführt", so Reinhard, der hervor hob, dass hier Rahmenbedingungen für eine hochqualifizierte künstlerische Arbeit gestellt würden.

Wie auch Landrat Kilian hielt Arnulf Reinhardt fest, dass die hohe Zahl der vorgeschlagenen Künstler in diesem Jahr mit 30 Bewerbern allein in der Sparte Musik/Gesang zeige, dass der Rheingau-Taunus-Kreis auch im Bereich kulturellen Schaffens außerordentlich gut aufgestellt sei. "Viele der Kulturpreiskandidaten pflegen Vokalmusik auf künstlerisch hohem Niveau, verbunden mit einer im Landkreis regen Aktivität und einer repräsentativen Ausstrahlung über den Kreis hinaus. Sie alle sind damit Gesangsbotschafter unserer Region", so Reinhardt. Und Landrat Kilian sagte: "Die Wertschätzung für Ihre Leistung zeigt sich auch daran, dass es insgesamt 30 Vorschläge gab. Das ist für den Rheingau-Taunus-Kreis ein Rekordergebnis. Noch nie hatten wir eine solche Anzahl an exzellenten Bewerbern für den Preis. Die Zahl der Bewerber macht für mich eines deutlich: hier im Rheingau-Taunus-Kreis gibt es eine breitgefächerte Kulturszene, auf die wir alle sehr stolz sein können". Frank Kilian dankte vor allem auch den Jurymitgliedern Arnulf Reinhardt, Monika Assmann, Eva-Maria Ebeling, Heidi Kopetzki und Klaus-Peter Lang für ihre in diesem Jahr besonders umfangreiche und wertvolle Arbeit. "Unsere Kulturbeauftragte Sabine Stemmler war hellauf begeistert, als sie mir noch am Abend vom Verlauf der Jurysitzung berichtete. "Die Stimmgewalt, die Präzision der einzelnen Chormitglieder begeisterten die Jury bei der Bewertung", berichtete sie mir und sie war in ihrem Urteil ganz klar. Ein überaus würdiger Kulturpreisträger, fasste sie zusammen", plauderte der Landrat aus dem Nähkästchen. Und bevor er den Preis mit Urkunde und Scheck an Chorleiter Jochen Doufrain übergab, gab es noch eine Anmerkung von Arnulf Reinhardt. Zunächst dankte er allen Verantwortlichen des Kulturfonds, der diesen Preis auslobt und mit einer Summe von 3000 Euro ausstattet: "Sie alle unterstützen mit dieser Anerkennung und dem Geldpreis kulturelles Wirken im Kreis. Das ist nicht selbstverständlich, das gibt es nicht in jedem Landkreis. Die hohe Anzahl von Vorschlägen und ein Preisträger wie der diesjährige zeigen: dieser Preis hat Signalwirkung, ist Anreiz und Ehre. Gestatten Sie mir deshalb zum Abschluss, den zarten Gedanken einer Aufstockung des Preisgeldes für die Zukunft zu äußern".

Die Preisträger selbst dankten der Jury und dem begeistert applaudierenden Publikum dann vor allem mit ihrer wundervollen Musik: eröffnet wurde die Feierstunde mit Johann Sebastian Bach, aus der Motette "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf" (BWV226) und einer Videopräsentation von ChorART. Der 1. Vorsitzende Christian Barbatschi hatte dann die Gäste alle begrüßt und richtete einen besonderen Dank an die Stadt Oestrich-Winkel, dass die Feststunde in der Brentanoscheune stattfinden konnte. "Wir haben ein Programm, das alle Facetten von chorART zeigt". Dazu gehörten auch die Männerschola von chorART mit Gregorianik in Form des "Pfingsthymnus "Factus est repente", einem "Dialog" unterstützt von Traute Mittlmeier am Saxophon, und der chorART-Frauenchor mit Robert Schumanns "Wenn ich ein Vöglein wär" als weitere musikalische Kostprobe. Mit von der Partie waren aber auch musikalische Gäste wie der ebenfalls von Jochen Doufrain geleitete Chornachwuchs "Kinder- und Jugendchor Oestrich-Winkel", der mit der einfühlsamen Interpretation: "Tree of life- Adoramus te christe" aus der Mass of Creation anrührte. Ganz wundervoll auch der Auftritt von Mezzosopranistin Helena Donie, die als ehemaliges Kinder- und späteres chorART-Mitglied ein "echtes Eigengewächs" sei. Unterstützt wurden die Sängerinnen und Sänger von Saxophonistin Traute Mittlmaier und Willibald Bibo am Klavier. Krönender Höhepunkt war schließlich der gemeinsam von allen kleinen und großen Künstlern vorgetragene irische Reisesegen "May the road rise to meet you", der das Motto des Preisträger klar bewies: "Musik ist das Unsagbare".

Ein Bericht von Sabine Fladungvom 29.06.2018.

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