Mit dem Geigenbogen Sandmuster erzeugt

16.04.2026

Vorlesung zum Thema Reibung an der Kinderuni der Hochschule Geisenheim war ein riesiger Spaß für 60 junge Forscher

Geisenheim. (sf) Mit viel Gefühl schwang die kleine Karla den Geigenbogen sanft an der Kante der Eisenplatte entlang. Auf der befand sich ein kleines bisschen Sand, der sich jedes Mal, wenn die Zehnjährige aus Winkel den Bogen über die Kante zog, in kleine Wellen legte und so ein wunderschönes Muster bildete. Der Ton, den sie dabei erzeugte, ließ allerdings eine gruselige Gänsehaut bei den Umstehenden aufkommen. „Wie, wenn man über eine Tafel kratzt“, meinte Karlas Freundin Nele. Doch das Experiment „Mit dem Geigenbogen Sandmuster erzeugen“ war einer der Höhepunkte der neuesten Vorlesung an der Kinderuni der Hochschule Geisenheim und machte den Mini-Studenten riesigen Spaß.

Die Vorlesung leiteten diesmal die Dozenten Günter Roos, Wolfgang Otto, Frank Goebel, Roland Senne und Gerd Munder vom Rheingau-Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Der VDI Rheingau hat gemeinsam mit der Hochschule Geisenheim im Rahmen ihres Jubiläumsjahres anlässlich des 150jährigen Bestehens im Jahr 2022 die Kinderuni ins Leben gerufen. Ziel ist es, Kinder für Natur- und Ingenieurwissenschaften zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass Wissenschaft kinderleicht sein kann und Teil des Alltags ist. Mit dabei war auch wieder Dr. Christiane Jost: die Leiterin Forschungsförderung und Wissenstransfer an der Hochschule Geisenheim freute sich über den erneut riesigen Erfolg der Kinderuni und über viele Kinder, die schon zum festen Stamm der Vorlesungen gehören. „Die Kinder kommen längst nicht nur aus dem Rheingau, sondern auch aus der näheren Umgebung. Es sind Grundschüler dabei, die aus Heidenrod und aus Bischofsheim hierherkommen, und das nicht zum ersten Mal. Die Obergrenze von 60 Kindern erreichen wir seit über einem Jahr bei allen Vorlesungen und das, obwohl wir mittlerweile an den Grundschulen gar keine Werbung mehr für die Kinderuni machen“, freute sie sich über den sichtlichen Erfolg. Für alle Zuschauer war es eine helle Freude, zu sehen, wie engagiert und motiviert die Kinder mitmachten. Dabei hatten die Dozenten selbst spürbare Freude daran, sich mit den Kindern auszutauschen. Das Format der Vorlesungen für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren in den Räumlichkeiten des Zentralen Institutsgebäudes kommt bestens an. Acht Veranstaltungen gibt es auch in diesem Jahr, die Vorlesung zum Thema „Reibung“ war die zweite und fast alle Kinder hatten auch ihren „Uni-Ausweis“ wieder mit dabei. Denn Jungforscher, die an mindestens sechs der acht Vorlesungen teilnehmen, erhalten Ende des Jahres aus der Hand des neuen Hochschul-Präsidenten Prof. Dr. Karl Mühling und Wolfgang Truss, dem Geschäftsführer des VDI Rheingau, ein Kinderuni-Diplom überreicht.

Und um das zu erreichen, beschäftigten sich die Kinder eingehend mit dem Thema „Reibung“. Gespannt hatten die Mini-Studenten dem Kollegen des VDI, dem Diplom-Ingenieur Gerd Munder, bei seinem Einführungsvortrag gelauscht. „Reibung ist eine Kraft, die zwischen Teilchen oder Körpern wirkt, die aneinander liegen. Es gibt unterschiedliche Arten von Reibung, wie Rollreibung, die schon im alten Ägypten genutzt wurde, um die schweren Steine für den Bau der Pyramiden zu transportieren. Reibung ist wichtig, ohne sie könnten wir uns nicht fortbewegen, nichts festhalten“, sagte Munder, und lud zum Gedankenexperiment: „Könnt ihr auf Eis Fußball spielen? Wahrscheinlich nicht, denn die Reibung ist zu gering und man könnte nicht schießen“.
Und das Team, das die interessanten Vorlesungen mit Experimenten für Kinder plant und vorbereitet, hatte wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen. Nach der Einführung zum Thema erfuhren sie in verschiedenen Experimenten, dass Reibung wie ein Kleber wirken kann, und wie man Reibung überwindet. An mehreren kleinen Stationen, zwischen denen die Kinder frei hin und her wechseln konnten, wurden gemeinsam „super-starke“ Knoten ausprobiert, mit denen man sogar Menschen retten kann. Und eine experimentelle Beschäftigung für weniger spannende Schulstunden zeigte eine andere Station: Hier wurden die Blätter zweier Collegeblöcke einzeln ineinander verschränkt und dann flach auf den Tisch gelegt, was wie ein Kleber wirkte. Das Auseinanderziehen der Blöcke erforderte mehr Kraft je mehr Blätter ineinandergelegt wurden. An einer Station wurden auf einer schiefen Ebene unterschiedliche Körper an einer Federwaage aufgehängt. Haftreibung, Gleitreibung und Rollreibung wurden mit einem Musterstück aus Holz und Federwaagen sichtbar gemacht.

Und dann gab es noch die Station mit dem Geigenbogen, die nichts für empfindliche Ohren war. „Durch den Wechsel von Haft- und Gleitreibung gerät das Blech in Schwingung. Hörbare Töne sind die Folge. Mit Sand auf der Oberfläche des Blechs können die Schwingungen in Form von Mustern sichtbar gemacht werden“, erläuterten die VDI-Ingenieure den Kindern.
Die hatten richtig viel Spaß: „Es hat mir wieder sehr gut gefallen“, erklärte Karla. „Es zeigt sich, dass die Mischung aus Technikthemen und naturnäheren Themen ideal ist: Manche Kinder sind lieber draußen, andere sind fasziniert von Federwaage und Co. Durch die hälftige Aufteilung zwischen Hochschule und VDI ist für alle was dabei“, erklärte Dr. Jost. Der nächste Termin für die Kinderuni ist der 28. April und dann gibt es eine Premiere: In Kooperation mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) beobachten die Kinder „Bestäuber auf Mission“.

Ein Bericht von Sabine FLadung vom 16.04.2026.

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