Es grünt so grün bei der Umweltzukunft Rheingau
06.04.2026
Samen- und Pflanzenbörse auf dem Erbacher Nepomukplatz war ein Publikumsrenner
Erbach. (sf) Schon eine Viertelstunde vor Beginn der Pflanzenbörse waren die ersten Gartenfreunde vor Ort: Die erste Samen- und Pflanzenbörse auf dem Erbacher Nepomukplatz war ein echter Publikumsrenner. Zum ersten Mal veranstaltete der rührige und umtriebige Verein „Umweltzukunft Rheingau“ hier eine Pflanzentausch- und Verkaufsbörse für kleines Geld mit Samen und Pflanzen. Bärbel Kremer-Kohl aus dem Vorstand des Vereines hatte schon im Spätsommer des vergangenen Jahres die Idee eingebracht, im zeitigen Frühjahr einen solchen Markt zu veranstalten, bei dem heimische Samen und Pflanzen getauscht, verkauft und verschenkt werden. „Und wie ich selbst begannen viele Bekannte und Gartenfreunde direkt damit, ihre Schätzchen zu vermehren“, erzählte die Ideengeberin am Sonntag vor Ort und war gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden Thorsten Reil überglücklich, dass so viele Teilnehmer und Besucher gekommen waren.
Bärbel Kremer-Kohl gehörte über Jahre hinweg auch zu den treuen Gästen der Pflanzenbörse der Rheingauer Gartenfreunde in Geisenheim. Dieser legendäre „Pflanzenmarkt“ zog bis zur Corona-Pandemie jedes Jahr im Frühjahr hunderte Besucher aus der Region an, die sich hier mit günstigen Gemüse- und Zierpflanzen für Balkon und Garten eindeckten. Mit Wäschekörben voller Pflanzen waren die Kunden der Gartenfreunde damals nach Hause gegangen. Aus Altersgründen haben die Vereinsmitglieder in Geisenheim die Pflanzenbörse eingestellt. Doch begonnen hatte damals alles so ähnlich wie jetzt in Erbach: „Ursprünglich hatte man einen Pflanzentausch unter den Gartenfreunden einmal jährlich im Frühjahr ins Leben gerufen. Daraus ist eine Börse geworden, bei der die Gartenfreunde Blumen und Gemüsepflanzen in bester Qualität und besondere Exoten anboten“, erinnert sich Bärbel Kremer-Kohl. Selbst eine begeisterte Hobby-Gärtnerin, bedauerte sie die Schließung der Börse und kam schließlich auf die Idee, mit dem Verein Umweltzukunft Rheingau selbst eine eigene Samen- und Pflanzenbörse zu organisieren. Das Augenmerk sollte dabei auf heimischen und gefährdeten Pflanzen liegen, die die Insektenwelt vor Ort fördern. Und tatsächlich gab es an vielen Ständen Wiesen-Schafgarbe, Frauenmantel, Knoblauchrauke, Färberkamille, Wiesenkerbel, Strand-Grasnelke, Beifuß, Heilziest, Bergminze, Glockenblumen, Schaumkraut, Flockenblumen, Wirbeldost, Karthäusernelken oder Zimbelkraut zu kaufen und tauschen.
Schließlich passt dieses Konzept haargenau in das Vereinsprogramm, das durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Fördermittel finanziert wird. „Der Verein Umweltzukunft Rheingau wurde im November 2021 von 15 Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Wir arbeiten an Projekten in Bereichen wie umweltfreundliche Mobilität, erneuerbare Energien, nachhaltiges Bauen und Wohnen, grüne Städte und Landschaften und Gesundheit und Umwelt. Wir wollen Menschen, Unternehmen und Organisationen zusammenbringen, um die Zukunft des Rheingaus nachhaltig zu gestalten. Und wir wollen dazu beitragen, die Natur in ihrer Vielfalt zu schützen und eine lebenswerte Region für künftige Generationen zu erhalten“, so der Vorsitzende Reil. Ziel sei es, gemeinsam nachhaltig zu handeln und die Lebensqualität im Rheingau langfristig zu sichern.
Dazu passte die Pflanzenbörse perfekt: Gleichgesinnte aus drei Generationen fachsimpelten über „Wilde Möhre“, die weißen Doldenblüten der Strahlenbreitsamen, die von Oktober bis Februar ausgepflanzt werden, über Schafswolle als natürlichen Dünger und erntereifen Bärlauch. Von überzähligen Tomatensamen über vermehrte Gräser und insektenfreundliche Blühpflanzen bis zum großgewordenen Schachtelhalm wurde auf dem Gartenmarkt der Hobby-Gärtner alles angeboten. Gerade auch Anfänger sollten hier beim Aufbau ihres Gartens mit preiswertem Material unterstützt werden. Dafür gab es auch fachliche, kostenlose Beratung zum geeigneten Standort und zur optimalen Pflege von den Pflanzenanbietern selbst, aber auch von Fachleuten. Denn sowohl der Nabu Rheingau als auch die Hessische Gartenakademie Geisenheim waren mit Info-Ständen vor Ort und unterstützen die Samen- und Pflanzenbörse des Vereins. Das Lob der Unterstützer für diese Börse war groß: „Hier werden heimische und gefährdete Pflanzen an den Mann gebracht und direkt hier in der Region in den Gärten angepflanzt. Das ist so wertvoll für die Insektenwelt“. Renate Schilling vom Nabu hatte selbst Dutzende kleine Samenpäckchen liebevoll verpackt und beschriftet und verteilt.
Besonderes Interesse erweckte auch die junge Naturgärtnerin Ronja aus Holzhausen an der Haide mit ihrem Unternehmen „Ronjas Wilde Welt - Ganzheitliche Nachhaltigkeitsberatung & heimische Pflanzen“. Sie hatte über 40 verschiedene, heimische wilde Stauden und Saatmischungen, darunter auch einige, die auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen, mitgebracht. „Mit heimischen wilden Pflanzen tragen wir einen Teil dazu bei, dass auch die nächsten Generationen eine lebenswerte Umwelt erleben dürfen. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass für unsere Flora und Fauna die heimischen wilden Formen von Gewächsen alternativlos sind. Sie bieten Futter für die in Bedrängnis geratenen Bienen und Insekten, somit auch für Vögel und Igel. Die Liste ist lang und wird zu einem Kreis, der sich in einer lebenswerteren Welt für uns Menschen schließt“, so die junge Mutter. Sie verkaufte mit großem Erfolg in Erbach heimische Stauden und wilde Rosen und hatte auch torffreie Erden dabei. Außerdem informierte sie über den Hintergrund und erklärte schmunzelnd und engagiert: „Auf Wunsch erarbeite ich auch wissenschaftlich fundierte Präsentationen, falls Sie Ihre Gemeinde, die Firma oder den Ehepartner überzeugen müssen“.
Nach dem Erfolg der Pflanzenbörse plant man eine Wiederholung im nächsten Jahr. Bis dahin soll es noch viele weitere umweltfreundliche Projekte geben. So wird in den Osterferien vom 10. bis 12. ein Fahrradworkshop für Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 5 bis 8 angeboten. Das Gymnasium Eltville stellt die Räume zur Verfügung, in denen an mitgebrachten und gespendeten Rädern gebastelt wird: „Wir begeben uns gemeinsam auf die Reise durch die Radkomponenten, schauen uns den Zustand der Räder an und wollen am Ende des Workshops viel über die Beseitigung von Defekten und den Austausch von Verschleißteilen gelernt haben. Neben der Wissensvermittlung soll der Workshop zeigen, dass auch ältere Räder wieder in Schuss gebracht werden können und oft von guter, langlebiger Qualität sind. Für uns zählen „Hilfe zur Selbsthilfe“ und „Wertschätzen statt Wegwerfen““, so Thorsten Reil vom Verein Umweltzukunft Rheingau.
Ein Bericht von Sabine FLadung vom 06.04.2026.
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