Ein Segen für Trauernde

18.02.2024

„Trauer in Bewegung" ist ein besonderes Angebot der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz

Rheingau. (sf) „Gesegnet seien alle, die mir jetzt nicht ausweichen. Dankbar bin ich für jeden, der mir einmal zulächelt und mir seine Hand reicht, wenn ich mich verlassen fühle. Gesegnet seien die, die mich immer noch besuchen, obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Gesegnet seien alle, die mir erlauben, von den Verstorbenen zu sprechen. Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen. Ich suche Menschen, denen ich mitteilen kann, was mich bewegt. Gesegnet seien alle, die mir zuhören, auch wenn das, was ich zu sagen habe, sehr schwer zu ertragen ist. Gesegnet seien alle, die mich nicht ändern wollen, sondern geduldig so annehmen, wie ich jetzt bin. Gesegnet seien alle, die mich trösten und mir zusichern, dass Gott mich nicht verlassen hat“, mit diesem „Segen der Trauernden“ von Marie-Luise Wölfing ist für die Trauernden alles gesagt, die an dem Angebot „Trauer in Bewegung“ der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz teilnehmen.
Nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen ist es für Trauernde nicht einfach, wieder in den Alltag zurückzufinden. Nichts ist mehr wie vorher, viele fühlen sich alleine in ihrem Schmerz. Das Angebot „Trauer in Bewegung“ bietet einen geschützten Ort, an dem die Menschen über ihre Trauer sprechen können. Ehrenamtliche Trauerbegleiter bieten hier Zeit, in der man seine Trauer ausdrücken und ihr nachspüren kann. Wie gut der Austausch mit anderen Betroffenen ist und mit Menschen, die Verständnis haben, Tränen aushalten, zuhören und die Trauer mittragen, zeigte sich auch im „Trauercafé“ im Familienzentrum Johannisberg. Ein älterer Mann aus Kiedrich war gekommen, um intensiv über den tragischen Tod seiner Frau zu sprechen, der mitten in der Pandemie sein Leben aus den Fugen gehoben hatte und ihm bis heute sehr zu schaffen macht. Eine jüngere Dame suchte das Gespräch nach dem Tod ihrer Eltern und dem Gefühl, jetzt ganz alleine zu sein. „Das war heute eine sehr intensive Zeit mit den zwei Menschen. Beide Trauerfälle waren bereits mitten in der Corona-Pandemie 2021, doch wenn man die Hinterbliebenen erzählen hört, denkt man, es war vor kurzem erst, so tief ist noch die Trauer“, berichtete die ehrenamtliche Trauerbegleiterin Iris Kilian. Gemeinsam mit der examinierten Altenpflegerin Mechthild Bäuml, die bereits vor fünf Jahren die große Ausbildung zur Trauerbegleiterin absolviert hat, nahm sie sich Zeit, den Trauernden zuzuhören, denn das sei zunächst mal das Wichtigste: „Wir sind eine Gruppe, die zuhört. Keine Psychologen. Wir öffnen einen Raum für die Trauer und für die Begegnung der Trauernden. Ihre Umwelt „winkt“ irgendwann ab, kann es nicht ertragen, dass nicht zur „Normalität“ zurückgekehrt wird. In unserer Gruppe können sich die Teilnehmenden eine gegenseitige Stütze sein. Sie wissen, wovon die anderen reden!“. Die erfahrenen Trauerbegleiter haben viele kleine Gestaltungen entdeckt, die helfen, wenn die Lücke wieder zu spüren ist, die der oder die Verstorbene hinterlassen hat. Deshalb umfasst das Angebot „Trauer in Bewegung“ auch ein vielfältiges Programm: „Wir wollen spazieren gehen, kochen, basteln – und natürlich miteinander reden. Trauer wird Frieden, wenn wir das Herz für Geborgenheit öffnen!“.
„Ich wollte schon immer etwas tun, kochen, wandern, reden, bewegen, um eine Hilfe im Prozess des Trauerns zu geben“, sagt Mechthild Bäuml. Sie hat die große Basisqualifikation, anerkannt durch den Bundesverband Trauerbegleitung e.V., absolviert und neue Ideen mit eingebracht. Und so wurde das alte Trost-Bistro umbenannt in „Trauer in Bewegung“.
In Iris Kilian, die in Assmanshausen auch als zertifizierte Kräuterexpertin und Kräuterpädagogin für ihre erlebnisreiche Wanderungen und Seminare bekannt ist und die Kräuter- und Heilpflanzenschule Hildegard Kita und die „Assmannshäuser KräuterWeiber“ mitgründete, bringt auch die Aspekte kleiner und großer Freuden in und aus der Natur mit in die Trauerbegleitung. Iris Kilian begleitet das Team der Trauerbegleiterinnen seit 2022 und hat auch immer Hündchen „Peggy“ dabei. Neu im Team der Trauerbegleiterinnen der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau ist die ausgebildete Demenzbegleiterin Katja Zeltner. Unterstützt wird das Team der Trauerbegleiterinnen durch die Pastoralreferentin Sonja Haas-Wessendorf, die als pastorale Mitarbeiterin der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau auch für Fragen und Anregungen rund um das Angebot zur Verfügung steht.
Die Nachmittage der „Trauer in Bewegung" finden auch immer wieder an anderen Orten statt, damit die Wege für die einzelnen Teilnehmer nicht zu weit sind. Bis zu acht Trauernde seien schon zu den verschiedenen Angeboten gekommen, die Altersspanne reichte von jungen Erwachsenen bis hin zu hochbetagten Senioren. Für Jugendliche und Eltern, die ihre Kinder verloren haben, gibt es gesonderte Angebote mit speziell ausgebildeten Trauerbegleiter und Psychologen.
Der nächste Termin findet am Dienstag, den 27. Februar von 16.30 bis 18 Uhr im Lorcher Pfarrhaus statt und steht unter dem Thema „Niemals geht man so ganz“, am Dienstag, den 9. April trifft man sich von 16.30 bis 18 Uhr im Geisenheimer Pfarrzentrum zum Thema „Lichtblicke“. Ganz früh am Morgen, von 5.30 bis 7 Uhr, findet am Donnerstag, den 16. Mai am Goetheblick in Johannisberg an der Basilika ein „Picknick mit Sonnenaufgang“ statt. Am Mittwoch, den 7. August, lädt „Trauer in Bewegung“ zwischen 16.30 und 18 Uhr im Eibinger Pfarrhaus zum Kräutersträuße binden. Am Freitag, den 18. Oktober, ist von 15 bis 18 Uhr eine sechs Kilometer lange „Ernte-Wanderung“ vom Eibinger Pfarrhaus zum Kloster Nothgottes und zurück geplant. Am Freitag, den 22. November, soll vom 15 bis 18 Uhr im Geisenheim Pfarrzentrum gemeinsam gekocht werden. Anmelden für diese Termine kann man sich bei Sonja Haas-Wessendorf unter der Mailadresse s.haas-wessendorf@heilig-kreuz-rheingau.de oder im Pfarrbüro, Telefon 06722/750740 oder per Mail: info@heilig-kreuz-rheingau.de.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 18.02.2024.

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