„Nur noch die Fliesen und dann sauber machen!“

28.09.2022

Letzte Runde der Sanierung im Rheingau-Bad angelaufen/Kostenplan eingehalten/Lob vom Bürgermeister

Geisenheim. (sf) Überall auf dem Boden und den Sitzbänken entlang der Fenster liegen über 100 kleine braune Pakete: „Das sind die Wand- und Bodenfliesen, die müssen jetzt noch verlegt und verfugt werden und dann geht es ans Saubermachen!“, erklärt Jochen Quasten. Die letzte „Runde“ der umfassenden Sanierungsmaßnahmen im Rheingau-Bad hat begonnen und schon jetzt kann man sehen, wie schön alles geworden ist. Nicht nur die neuen Fliesen in matten Grau-Beige mit kleinen Glitzereffekten werden toll aussehen und mit ihrer rauhen Oberfläche für Rutschsicherheit sorgen, vor allem auch die neue Kletterwand, die schon im Sprungbecken angebracht ist, ist eine Augenweide und mit ihrer Größe und Höhe sehr beeindruckend. Ebenso wie die riesigen Edelstahlbecken, in die bis Ende des Jahres ganz langsam das Wasser einlaufen wird. Langsam auch deshalb, weil sich die riesigen Becken erst noch mit dem Wasser richtig „setzen“ müssen. „Das macht dann auch einen Höllenlärm!“, weiß Quasten.
Und bis zum Jahreswechsel soll das beliebte Hallenbad im Rheingau dann auch wieder geöffnet werden, wie die Kaufmännische Betriebsleiterin der Geisenheimer Stadtwerke, Alexandra Büger, und der technische Leiter Jochen Quasten bei der Baustellenbegehung mit Bürgermeister Christian Aßmann erläuterten. Stolz berichten beide, dass man trotz der äußerst schwierigen Umstände mit den Problemen durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg, mit Materialbeschaffung und Handwerker-Notstand den Kostenplan bisher komplett einhalten konnte und auch den Zeitplan mit gerade mal achtwöchiger Verspätung, was in diesen Zeiten wahrlich eine Glanzleistung ist.
Und so ist der Rathauschef dann auch voller Lob für das Team, das sich mit spürbarem Herzblut für die Sanierung des Rheingau-Bades einsetzt. Nicht nur, dass dies alles trotz der mittlerweile allseits bekannten Lieferschwierigkeiten und gestiegenen Preise im Baugewerbe gelungen ist, Christian Aßmann hat auch Respekt vor der „Mammut-Aufgabe“, die das Team hier mit so viel Erfolg bewältigt. Große Angst hatte man nach knapp zwei Monaten Verspätung im Zeitplan vor allem durch die Corona-Erkrankung vieler Arbeiter, dass auch die Fliesen nicht pünktlich eintreffen könnten. Schließlich brauchen die Brennwerke dafür Gas, was derzeit ein heikles Thema ist. Das Lob haben sich Alexandra Büger und der technische Leiter Jochen Quasten mit ihrem Team und allen Handwerkern redlich verdient, wenn man sich die beeindruckenden Fortschritte bei den Arbeiten im Rheingau-Bad anschaut. Noch vor einem Jahr hatte sich das 1974 gebaute Rheingau Bad als eine riesige Baustelle präsentiert, mit Geröllhalden durch die abgeschlagenen Fliesen in den drei großen Becken. Jetzt hat hier glänzender Edelstahl Einzug gehalten, denn die Edelstahlbecken sichern die Zukunft des Rheingau Bades: die neue Edelstahlauskleidung, die in die undichten Betonbecken eingepasst wird, ist Kernstück der Sanierung. Auch die Abläufe wurden erneuert und die Rohrleitungen angepasst. Mit einer neuen Lüftung wird jetzt die Feuchtigkeit aus dem Beton gebracht, denn Schäden waren vor allen entstanden, weil durch die Bewegungsfugen Wasser eingedrungen war. Im Technikraum im Keller konnte man sogar kleine Stalaktiten sehen, die durch die austretende Feuchtigkeit entstanden waren. Nach dem Entfernen aller Fliesen im Bad präsentierte sich dunkelgrauer Zement und Estrich. Der freigelegte Bitumenestrich ist jetzt einem neuen Gefällestrich gewichen, der dafür sorgt, dass die Feuchtigkeit keine Chance mehr hat. Und hier werden zurzeit die neuen, moderne Fliesen im schicken Grauton verlegt. Für die neuen Fliesen an der Wand hat man sich neben dem vorherrschendem Weiß für die gesamte Palette der Wasserfarben in verschiedenen Blautönen entschieden. In diesen Farben präsentiert sich dann zum Jahresende auch die zweite neue Attraktion des Rheingau Bad: eine riesige neue Rutschschlange, die extra in der besonderen Farbgebung des Rheingau-Bades hergestellt wurde, wird am Nichtschwimmerbecken einziehen. Damit will man vor allem für die Kinder im Schulalter das Hallenbad noch attraktiver machen. Die riesige Kletterwand im Springerbecken dagegen ist mehr etwas für die größeren Kinder und Jugendlichen. Die durchsichtige Kletterwand am westlichen Ende des Springerbeckens ist ein echter Hingucker. Wer sportlich ist, kann sich hier später einmal bis in eine Höhe von 6,50 Meter emporhangeln und dann den Sprung ins kühle Nass wagen. Es sei gar nicht so einfach gewesen, die tonnenschwere Kletterwand an ihren neuen Standort zu verbringen, man hatte wirklich Angst gehabt, dass dabei etwas kaputt gehen konnte. Und tatsächlich hat sich jetzt auch ein Riss in der Säule des Kinderplanschbeckens ergeben, der vom Transport der schweren Kletterwand kommt. Hier im Kinderplanschbecken sollte es eigentlich keine größeren Sanierungen geben, doch da man so gut im Kostenplan steht, ist auch diese Reparatur kein großes Problem.

Tonnenschwer ist übrigens auch die neue Auskleidung der Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Sprungbecken mit Edelstahl. Obwohl die Metallschicht mit nur 2,5 Millimeter an den Wänden und 1,5 Millimeter am Boden recht dünn ist, summiert sich die Menge an Edelstahl auf beträchtliche 6,5 Tonnen, wie Alexandra Büger erklärt. Gerade auch die Edelstahllieferungen seien durch die Pandemie beeinträchtigt gewesen, wodurch in der Folge auch andere Arbeiten in Verzug geraten seien. Man habe dann schnell gemerkt, dass sich das nicht mehr aufholen ließ und der anberaumte Termin der Wiedereröffnung am 5. September nicht zu halten war.
Dass die Renovierungen aber jetzt auf die Zielgerade einlaufen, zeigt sich nicht nur in den neuen Startblöcken, die am Schwimmerbecken bereits installiert wurden. Statt fünf gibt es jetzt nur noch vier, was die Schwimmsportvereine wie der RSC, der auch 5000 Euro Zuschüsse aus der Vereinskasse für die neuen Startblöcke spendiert hat, für Wettkampfaustragungen bemängelt. Doch wegen der neuen Treppe, die jetzt ganz an die Seite gerückt ist, war ein fünfter Startblock nicht mehr möglich. „Aufgrund des Endgewichtes der Treppenanlage vom Schwimmerbecken musste von einer mobilen auf eine ortsfeste Treppenanlage gewechselt werden“, erläutert Quasten. Das habe zwar keinen Einfluss auf die Wasserfläche oder die Klassifizierung des Bades für Wettkämpfe, aber es reduziere die Anzahl der vollwertigen Bahnen von 5 auf 4. Die neuen Edelstahlstufen sind natürlich auch schon montiert und auch eine besondere Treppe für den barrierefreien Zutritt zum Nichtschwimmerbecken, ebenfalls eine Neuerung, die auch eine der Auflagen für die Förderung war. Für das Schwimmerbecken wird es einen mobilen Aufzug geben, der Menschen mit Handikap den Zugang zum Wasser ermöglicht.

Sehr gut sieht alles auch in Sachen Kostenplan aus: „Es zeichneten sich nur kleinere Erhöhungen ab“, berichtet Alexandra Büger. Insgesamt sind 3,3 Millionen Euro veranschlagt, eine Million zahlt der Bund aus dem Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtung in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“, 1,1 Millionen das Land über das SWIM-Programm, 1,2 Millionen trägt die Stadt. Von Vorteil sei es in der jetzigen Situation, dass man die Aufträge so früh ausgeschrieben hatte. Und da das Land Hessen schließlich sogar 100.000 Euro mehr dazu gab, als ursprünglich geplant, hatte die Stadt Geisenheim bei ihren Eigenmitteln dann auch noch „Luft“ für die schöne Kletterwand, wie nicht nur Bürgermeister Aßmann freudig bemerkt.
Aber es hatte ja auch lange genug gedauert, bis alles losgegangen war und viele der treuen Freunde des Rheingau Bades hatten immer wieder um den Erhalt des Schwimmbades gebangt: 2012 hatten die Stadtwerke der Hochschulstadt Geisenheim das Rheingau Bad aus der Verantwortung des Kreises übernommen. „Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 6. Februar letzten Jahres beschlossen, das Rheingau-Bad zu sanieren. Mit der Beauftragung der Bauleistungen konnte jedoch erst begonnen werden, als die Förderbescheide des Landes Hessen („SWIM“) und des Bundes („Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“) vorlagen. Bei beiden Programmen wurde das Rheingau-Bad berücksichtigt. Mit Schreiben des Bundes vom 23. April 2021 wurde dann das Ergebnis der Prüfung der eingereichten Förderunterlagen dokumentiert, die Fördersumme von zusammen 2,1 Millionen Euro bestätigt und der Maßnahmenbeginn freigegeben. Dann konnte mit der Maßnahme „Sanierung Rheingau-Bad“ begonnen werden Die Bauleistungen für die Sanierung wurden am 15. Februar 2021 öffentlich ausgeschrieben. Die Aufteilung der Gesamtleistung erfolgte in drei Fachgewerken: „Elektrotechnik“, „Lüftungstechnik“ und „Edelstahlvollauskleidung der Becken, Fliesenarbeiten und Randgewerke“. Die zugehörigen Aufträge wurden am 18. Mai 2021 für die Edelstahlarbeiten, am 15. Juli 2021 für die Elektrotechnik und am 30. November 2021 für die Lüftungstechnik erteilt. Am 21.Juni 2021 wurde mit der Baumaßnahme begonnen“, resümierte Alexandra Büger den Verlauf der bisherigen Sanierungsarbeiten.
Mit einem symbolischen Spatenstich und einer kleinen Feierstunde mit den kommunalen Politikern, Landes- und Bundesvertretern waren die lang ersehnten Sanierungsarbeiten, die das Hallenbad für die Region auf lange Sicht erhalten werden, im Juli letzten Jahres offiziell eröffnet worden. In diesem Rahmen ging auch Landrat Frank Kilian, der schon als Bürgermeister der Stadt Geisenheim die Sanierung für eine „Herzensangelegenheit“ erklärt hatte, darauf ein, wie wichtig es sei, das Hallenbad für den Rheingau zu erhalten, auch als Faktor für den Schulsport im Kreis. Er betonte die Wichtigkeit des Solidaritätspaketes, bei dem alle heimischen Kommunen, bestätigt durch ihre Stadtparlamente, das Rheingau-Bad mit einem Soli von 2 Euro pro Einwohner und Jahr mit unterstützen. Auch Bürgermeister Aßmann ist froh, dass der Kreis für Schulschwimmen im Rheingau-Bad künftig mehr zahlt, und dass die anderen Rheingauer Kommunen sich in Zukunft mit dem „Soli“ von zwei Euro pro Einwohner und Jahr an den Betriebskosten für das einzige öffentliche Hallenbad in der Region beteiligen. Die Stadt Geisenheim könne den Erhalt und die Sanierung nicht alleine stemmen.

Eine Machbarkeitsstudie für eine grundlegende Sanierung des Bades, die auch seinen zukünftigen Erhalt garantiert, wurde schon im Juni 2018 vorgelegt. Nur wenige Monate später reichte die Stadt Geisenheim im Herbst des gleichen Jahres schon die Förderanträge bei dem neu aufgelegten Landesprogramm „Swim“ ein, mit dem die Hessische Landesregierung den Erhalt solcher für die ländlichen Regionen wichtigen Schwimmbäder fördert und stellte auch einen Förderantrag beim Bund. Doch die Bewilligung zog sich lange hin bis zum Frühjahr. Direkt nach Erhalt der Förderbescheide hatte man die beteiligten Firmen beauftragt und dann im Juni letzten Jahres endlich mit den Abrissarbeiten begonnen: Zunächst wurde die Baustelle eingerichtet und eine provisorische Zuwegung für das Material und die Maschinen geschaffen und die verbleibenden Bauteile gesichert. Dann begann der Abbruch der gefliesten Sitzbänke und des kompletten Fliesenbelages im gesamten Beckenumgang. Im Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken wurden sämtliche Wandfliesen entfernt. Im Schwimmerbecken wurden alle Wandfliesen entfernt, um eine maximale Beckengröße und die nach dem DSV zulässige Maßtoleranz für ein „25 Meter-Becken“ für Wettkämpfe zu erhalten. In den Beckenböden verblieben sämtliche Fliesen. Büger und Quasten erinnern sich, wie mit einem Bagger unter großem Lärm und noch mehr Staub der Estrich in der Halle abgebrochen wurde und der Bauschutt dann von Hand abtransportiert wurde. Danach wurden die umlaufenden Überlaufrinnen abgebrochen und zugehörige Rohrleitungen im Keller zurückgebaut, ebenso wie die Förderpumpen im Schwallwasserbereich. „Im September vor einem Jahr wurde mit den Elektroarbeiten begonnen. Kernbohrungen in der abgehängten Decke wurden für die Aufnahme der neuen und zusätzlichen Leuchten hergestellt und die Halterungen der alten Deckenfluter wurden abgebaut“, berichtet Alexandra Büger. Nach dem Freilegen der Stützen und der Sprunganlage in der Halle und den Unterzügen im Keller wurde der Umfang der Betonsanierung konkret festgelegt. Auch in der Cafeteria wurde der Estrich abgebrochen und die Glastrennwand zwischen Halle und Cafeteria und Gymnastikraum zurückgebaut. „Nach dem Rückbau und dem Abbruch an den Beckenwänden wurden diese neu verspachtelt oder wenn nötig verputzt. Danach wurden die Kernbohrungen für die neuen Einlaufdüsen und Unterwasserscheinwerfer gemacht. Die Becken präsentierten sich jetzt im ganz neuen, modernen Look mit neuer Lichtfarbanlage in den Edelstahl-Schwimmbecken. Auch bei der Technik werden einige Modernisierungen vorgenommen und vor allen wird das Bad energieeffizientere Pumpen erhalten. Begonnen wurde jeweils im Schwimmerbecken, dann im Nichtschwimmerbecken und zuletzt im Springerbecken. Komplett erhalten bleibt das stets gut frequentierte Planschbecken mit seinem kleinen Wasserfall, nur die kaputte Säule wird jetzt noch repariert und wie alle anderen Säulen im Bad mit den neuen Fliesen versehen.

Im November erfolgte die erste Lieferung der vorgefertigten Edelstahlbauteile. Insgesamt wurden rund 6,5 Tonnen Stahl aus Finnland und Belgien verbaut. Verzögerung gab es dann bei den Bauplatten für die Verkleidung der Fensterbank „Nachdem alle „Restbestände“ im Raum Wiesbaden verbaut wurden, mussten wir bis Februar 2022 auf die nächste Lieferung warten“.
Im Schwimmerbecken wurden die Seitenwände oberhalb der Stehstufen montiert und mit dem Anschweißen der Überlaufrinne fortgefahren. „Im Zuge der Erstellung der Werkplanung der Fachgewerke Edelstahlbau und Elektrotechnik
als auch durch die erst nach Abbruch feststellbaren örtlichen Gegebenheiten mussten diverse Anpassungen der Planung vorgenommen werden. Da der Abbruch der Deko-Fliesen an der Hallenwand nur grobflächig erfolgen konnte, wurden sämtliche Wandfliesen in der Halle abgebrochen. Und weil beim Abbruch der Wandfliesen im Nichtschwimmerbecken erhebliche Unebenheiten entstanden sind, mussten diese Wände komplett neu verputzt werden. Die Bodenabläufe in den Becken mussten für den Anschluss an die Bestandsleitungen flacher ausgebildet werden. Die Lage von Kernbohrungen wurde an die Örtlichkeiten angepasst.
Jetzt wurde mit dem letzten „Meilenstein“ im Sanierungsplan begonnen: Insgesamt 1.680 Quadratmeter Fliesen werden in diesen Tagen sowohl am Boden, an den Wänden und den neuen Säulen, die die Stahlstützen jetzt verkleiden, verlegt. Im Oktober soll langsam Wasser in die Becken gelassen werden und sehr umfangreich wird dann auch noch einmal das rundum Saubermachen. Zum Jahreswechsel soll das Rheingau-Bad dann wiedereröffnet werden. Die Verantwortlichen sind da sehr optimistisch, auch wenn die winterliche Gasversorgung durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zurzeit ein sehr aktuelles Thema ist. Gerade diese Woche aber kam die Meldung, dass die Bundesregierung auch den Breitensport in diesen Krisenzeiten unterstützen will und Sportstätten wie öffentliche Schwimmbäder auf jeden Fall geöffnet bleiben sollen

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 28.09.2022.

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