Jahrhundertspiel und blau-weiße Nacht zum 100.

20.09.2019

Beim großen Fußballtag des SV Johannisberg traf die Weinelf auf die Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt

Geisenheim. (sf) Große Namen, großen Fußball und eine große Zahl von Zuschauern konnte man in der Geisenheimer Kellersgrube bestaunen. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen des SV Johannisberg war es unter der Schirmherrschaft von Michael Herrmann vom RMF und Bürgermeister Christian Aßmann gelungen, eine Begegnung zwischen der Weinelf der deutschen Winzer und den alten Recken von Eintracht Frankfurt zu arrangieren. Die Hoffnung, einige der aus der Vergangenheit bekannten Idole der Eintracht noch einmal auf dem Rasen zu sehen, lockte viele Fußballbegeisterte in die Kellersgrube, in der Halbzeit des Spiels konnte Rolf Töpperwien, ebenfalls ein Urgestein der Sportberichterstattung, stolz verkünden, dass 600 Zuschauer trotz wechselhaften Wetters den Weg nach Geisenheim gefunden hatten. Und wer gekommen war, wurde nicht enttäuscht. Nach dem Vorspiel der Jugendmannschaften begrüßte Moderator Töpperwien mit launigen Sprüchen die Gäste aus Frankfurt, deren Aufstellung tatsächlich mit großen Namen gespickt war. Angeführt vom legendären Charly Körbel, dem man seine 65 Jahre nicht anmerkte, über Norbert Nachtweih, Ronny Borchers, Slobodan Komljenovic, Alexander Schur, Lothar Sippel und Sascha Amstätter, der auch für den SV Wehen Wiesbaden einmal aktiv war, präsentierte sich eine spielstarke Mannschaft, die in bisher 288 Spielen nur viermal verloren hat. „Einmal Adler – immer Adler“ lautet das Motto der offiziellen Traditionsmannschaft der Eintracht Frankfurt. Das All-Star-Team wurde 2009 gegründet. Es tritt bei Vereinsjubiläen, Benefizveranstaltungen und Turnieren auf.

Aber auch die Weinelf hatte gestandene Fußballer in ihren Reihen, unter anderem die beiden Johannisberger Michael Trenz und Thomas Krischke, und hatte sich mit Ex-Profi Alf Mintzel zusätzlich verstärkt. Im Tor stand anfangs der frühere Keeper des SV Wehen Wiesbaden, Jürgen Fladung, der in der zweiten Hälfte Thomas Bibo vom SV Johannisberg Platz machte. Moralisch unterstützt wurde die Weinelf von ihrem Ehrenkapitän Franz-Josef Jung, Bürgermeister Christian Aßmann konnte sein fußballerisches Talent erst im abschließenden Elfmeterschießen unter Beweis stellen, versenkte hier aber nervenstark seinen Elfmeter gegen Hans Steinle im Eintracht-Tor. Die Deutsche Fußballnationalmannschaft der Winzer, die Weinelf genannt, wurde im Jahr 2005 gegründet. Sie entstand aus dem Weinwelt-München Team 2005, dass vier Tage vor dem letzten Bayern-Heimspiel im Olympiastadion in München auf die Nationalmannschaft der Deutschen Spitzenköche und Restaurateure traf. Die Weinelf hat das Motto „Die Wahrheit liegt im Wein und auf dem Platz!“ Hier spielen fußballbegeisterte Weinprofis aus allen Weinanbaugebieten zusammen. Der Cheftrainer der Weinelf ist Erich Rutemöller, der lange Jahre die DFB-Nationalmannschaft intensiv betreute. „Elf Flaschen müsst ihr sein“, lautet die Philosophie der Weinelf. Viele Rheingauer spielen hier zusammen mit Kollegen aus der ganzen Weinbranche“, erzählt Robert Lönarz, der Präsident der Weinelf, die kürzlich erst in Rom gegen die Nationalmannschaft des Vatikans unentschieden gespielt hat.

Bevor das Fußballspiel losging, gab es auch passend zum 100. Geburtstag Geschenke und der SV Johannisberg kam in den Genuss einer Spende: die Weinelf war mit einem Scheck über 500 Euro angereist, den sie zugunsten der Jugendarbeit an den Jubiläumsverein überreichte. Auch danach mussten sich die Zuschauer noch weiter gedulden, denn noch war der Spielball nicht vorhanden. Diesen überbrachte der ehemalige Olympiasieger und Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger höchst spektakulär aus der Luft. Mit seinem Fallschirm schwebte er auf den Rasen des Rheingaustadions, wo er von seinem Kollegen Klaus-Peter Willsch begrüßt wurde. Und dann konnte es tatsächlich losgehen. Und es dauerte nicht lange, da lag die Eintracht mit 1:0 vorne, weil der Ball auf dem nassen Rasen tückisch aufsetzte und Torhüter Jürgen Fladung durch die Hände glitt. Wer nun geglaubt hatte, die Eintracht würde die Mannschaft der Winzer überrollen, sah sich aber getäuscht. Mit zwei blitzsauberen Kontertoren ging die Weinelf in Führung, die bis zur Pause anhielt. In der Halbzeitpause gab es als Pausenfüller ein Elfmeterschießen gegen Frankfurts Torhüter, bei dem es lediglich dem jüngsten Schützen, Luca Hayn, gelang, Hans Steinle zu überwinden. Als Preis dafür erhielt der Junge einen von den Spielern signierten Ball. Nach der Pause ging es munter weiter, die Weinelf legte ein weiteres Tor vor, musste aber letztlich noch zwei Gegentreffer hinnehmen, sodass man sich am Ende 3:3 trennte. Auch das vom ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner kurzfristig angeordnete Elfmeterschießen, bei dem dann auch Bürgermeister Aßmann zum Einsatz kam, endete unentschieden. Das taktische Konzept des Trainerteams Erich Rutemöller und Friedel Müller war aufgegangen und die Ex-Profis aus Frankfurt waren froh, im 289. Spiel noch das achte Unentschieden gegen eine fußballerisch und kämpferisch überzeugende Mannschaft gesichert zu haben.

„Für uns als Weinelf ist dies eines der ganz großen Spiele! In unserem Heimstadion gegen die in der ganzen Region beliebte Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt zu spielen, mit all den großen Namen im Fußball, ist einfach nur toll! Wir danken dem SV Johannisberg für die großartige Einladung und wünschen dem Verein und seinen Mitgliedern alles Gute für die Zukunft!“, hielt auch Robert Lönarz fest.

Für die Zuschauer hatte sich der Weg nach Geisenheim in jedem Fall gelohnt, neben dem unterhaltsamen Fußballspiel war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt und auch das Wetter hatte sich besonnen und beschränkte sich auf einen kurzen Schauer während der ersten Hälfte. „Das Spiel der Traditionsmannschaft der Eintracht Frankfurt gegen die Weinelf war das Sahnehäubchen“, hielt Andy Werner vom SVJ fest. Er bedankte sich bei den beiden Schirmherren des SVJ, Michael Herrmann vom Rheingau Musik Festival und bei Bürgermeister Christian Aßmann, die es durch ihre Beziehungen geschafft hatten, die Eintracht Frankfurt und die Weinelf nach Geisenheim zu holen und das Benefizspiel durchzuführen. Ein Teil des Erlöses kommt der Fußballjugend und der Ausbildung ihrer Betreuer zu Gute.
Nach den gespielten zweimal 35 Minuten gab es anschließend noch eine Autogrammstunde. Danach begann die blau-weiße Nacht mit der Beatbox und einem DJ. Dem SV Johannisberg kann man bescheinigen, dass er den Tag perfekt organisiert hatte und in dieser Form der Zukunft – auf dem neuen Kunstrasen – getrost entgegensehen kann.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 20.09.2019.

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