Weltumseglung mit Endstation Bermudas

12.04.2019

Familie Mühlhause berichtete im Segelclub Walluf von ihrem einjährigen Segeltörn über den Atlantik

Walluf. (sf) Wenn einer eine Reise tut, kann er viel erzählen und wenn eine ganze Familie zu einem einjährigen Segeltörn um die halbe Welt aufbricht, dann noch viel mehr: überaus spannend gestaltete sich ein hochinteressanter Vortrag im Segelclub Walluf, wo die Familie Mühlhause über ihre Reise mit einem Segelboot von Holland bis zu den Bermudas berichtete. Knapp ein Jahr waren Frauke Rellermeier, Stephan Mühlhause und ihre beiden Söhne Maximilian und Vincent gemeinsam an Bord ihrer Segeljacht „Lykke“ unterwegs auf den Weltmeeren, hatten unzählige Begegnungen mit Delphinen, Walen, großen Containerschiffen im dichten Nebel und freundlichen Menschen in vielen Häfen ,in Buchten vor Anker liegend, auf kleinen Inseln und in großen Städten. Die beeindruckenden Fotos von dieser Reise und die Erzählungen der Familie begeisterten im Wallufer Segelclub über 100 Besucher, darunter viele Seglerkollegen.

Die Idee zu der Reise hatte Stephan Maria Mühlhause, der mit seiner Familie dieses einmalige Abenteuer erleben wollte und sich montaglang auf die Reise vorbereitet hatte. Nicht nur das passende Schiff wurde mit großer Sorgsamkeit ausgesucht, auch umfangreiche Aufrüstungen technischer Art wie zum Beispiel ein zusätzlicher Autopilot und viele weitere lebenotwendige Hilfsmittel für eine Atlantiküberquerung bis hin zum ausgeklügelten Proviantplan standen am Anfang der Reise. Und nicht nur das, auch das alltägliche Leben im eigenen Haus in Eltville wurde sprichwörtlich in Kisten und Kasten verpackt und das Haus während der Reise vermietet.

Am 9. Juli 2017 ging es dann los: der älteste Sohn Max (damals gerade 19 Jahre alt) hatte wenige Tage zuvor sein Abiturzeugnis in Empfang genommen, Bruder Vincent (15 Jahre) verließ die Schule mit dem Hauptschulabschluss, um sich während der Reise unter Leitung seiner Mutter, die von Beruf Lehrerin ist, auf den Realschulabschluss nach der Reise vor zu bereiten. Und auch Architekt Stephan Maria Mühlhause hatte sich eine berufliche Auszeit für das Abenteuer genommen. Gemeinsam fuhr die Familie nach Holland, wo ihre Segeljacht „Lykke“ in Bruinisse reisefertig wartete. Der erste Weg führte durch den englischen Kanal zum Solent und über die Channel Islands bis nach Brest in die Bretagne. Der Anfang begann gleich recht windig und stellte die Segelkünste der Familie sofort auf die Probe: „Vor allem die Nachtfahrten waren zu Beginn eine Herausforderung“. Die Familie teilte sich in zwei Teams mit Eltern und Söhnen auf, die jeweils stundenweise segelten und Wache hielten, um den anderen Schlaf und Ruhe zum Krafttanken zu gönnen. Und in den ersten Tagen war auch die See-Krankheit bei einigen Crewmitgliedern ein vorherrschendes Thema, vor allem bei Mutter Frauke, die zeitweise auch in ihrer wichtigen Rolle als Smutje ausfiel. Erst ein durch eine Bekannte verordnetes Medikament, das man direkt nach der Ankunft in Brest besorgte, führte dazu, dass es allen an Bord besser ging. Trotzdem war gerade das Thema Schlaf nicht so einfach, wie Fotos dokumentierten, die zeigten, wie sich die Familie mit Kissen bei hohem Wellengang in den Kojen im Schlaf sicherte. Von Brest führte die Reise nach A Coruna. Vorher hatte man sich mit verschiedenen Sicherheitsüberprüfungen an Bord auf die Überquerung der berüchtigten Biscaya vorbereitet. Schließlich ist diese Strecke nicht nur bei Weltumseglern weithin bekannt für tückische Stürme und viele Schiffsunglücke. Sicher in A Coruna angekommen, ging es weiter nach Lissabon mit mehreren Stopps in Vigo und verschiedenen Rivas, den wunderschönen Flussmündungen in Portugal, die auch auf den vielen Fotos einen bleibenden Eindruck für das Publikum hinterließen. Zu den schönsten Teilen der Reise gehörte dann auch die Überfahrt von Lissabon nach Madeira, eine Insel, die die Familie hellauf begeisterte und die Zuschauer auch.

Überhaupt schienen die vielen Wochen gemeinsam auf engem Raum die Familie zusammen zu schweißen. Und dieser Zusammenhalt war dann auch notwendig in den Extremsituationen. Frisch gerettet machten sich die Rheingauer an das gar nicht so einfache Werk, in der Karibik einen neuen Mast zu organisieren. Das Resultat waren zwei Monate Zwangspause auf Martinique. Mit der Ankunft und Montage des neuen Mastes war die „Lykke“ dann wieder flott und die vier Mühlhauses karibisch erholt: so hochmotiviert sollte es endlich weiter gehen. Der nächste Trip durch die nördliche Karibik klappte dann auch problemlos, die Stimmung an Bord war zuversichtlich für die geplante weitere Reise Richtung New York. Von den British-Virgin-Islands aus ging es los. Entgegen sämtlichen Wettervorhersagen frischte der Wind aber bereits am zweiten Tag auf und entwickelte sich zum ausgewachsenen Sturm mit 45 Konten Windstärke und das über vier Tage und Nächte. In den bis zu 10 Meter hohen Wellen dann das nächste Malheur : der Mastfuß war gebrochen und das bedeutete letztendlich das Aus der Reise. Man lief mit letzter Kraft den Nothafen auf den Bermudas an. Die Reparatur des Mastfußes war auf hier auf die Schnelle aber nicht möglich, und die Hurrikansaison stand bereits vor der Tür. So organisierte man schweren Herzens von hier aus den Rücktransport der lädierten „Lykke“ auf einem Frachter, bevor es an Bord eines Fliegers zurück nach Hause nach Eltville ging.

Doch das Pech hatte Familie Mühlhause schon längst eingeholt: nicht nur ein kaputter Kühlschrank gleich in den ersten Tagen der Reise machte den Seglern zu schaffen, immer wieder fielen verschiedene wichtige technische Geräte aus. Vom einfachen Zündschloss bis zum Radar, dessen Fehlerhaftigkeit gerade auch auf hoher See für manche kritische Situation sorgte, bis hin zu Wassereinbruch an undicht verbauten Teilen reichten die vielen Pannen, die Familie Mühlhause dazu zwangen, eine längere Pause auf den Kanaren einzulegen, das Boot auf Gran Canaria aus dem Wasser zu holen und auf einer Werft daran zu arbeiten. Zwar nutzte man die Zeit auch, um die Kanarischen Inseln auf einem ausgedehnten Törn zu erforschen und die teilweise vom Tourismus noch unberührten kleinen Inseln ausgiebig zu besuchen, doch insgesamt verbrachte man knapp zwei Monate auf den Kanaren, um auch das Schiff wieder komplett auf Vordermann zu bringen. Denn nicht nur die Atlantiküberquerung stand danach unmittelbar bevor, die Familie nahm auch an der weltberühmten Segel-Regatta „ARC“ im Rahmen der Überquerung des Atlantiks teil. Mit dem Start der ARC, in deren Rahmen es auch viele Partys und Treffen mit Seglern aus aller Welt gegeben hatte, führte die Fahrt nach einer Woche wegen Energieproblemen zu einem Notstop in Mindelo auf den Kapverdischen Inseln. Über Nacht wurde hier die defekte Lichtmaschine repariert und am nächsten Morgen ging es frohen Mutes weiter über den schier unendlichen Atlantik. Doch erneut sorgten Energieprobleme für erschwerte Bedingungen an Bord der Rheingauer Segler und damit immer noch nicht genug, kam 300 Seemeilen vor Saint Lucia der Supergau: mitten auf dem Atlantik und in der Nacht, brach der Mast der „Lykke“ und die Dramatik an Bord war wirklich groß. „Dank einer an Bord befindlichen Akku – Flex, mit der man den Mast schnell vom Schiff befreite, damit dieser kein Loch in den Rumpf schlagen konnte, haben wir diesen Mastbruch überlebt und konnten uns nach Saint Lucia retten“, erzählte Max Mühlhause und verriet auch, dass man das Überleben dann mit einer „fetten, fetten Party“ gefeiert habe.

Trotz all der Unwegsamkeiten und Pannen habe man die Reise sehr genossen und als Familie ein Abenteuer erlebt, das man nie mehr vergessen werde, resümierten die vier Weltsegler und wurden mit großem Respekt und Beifall der Zuschauer belohnt.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 12.04.2019.

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