Hausputz für die Graugänse

14.02.2019

DLRG brachte Royal Rangers zum Müllsammeln auf die Winkeler Aue/Ganze Gartenbänke gefunden

Oestrich-Winkel. (sf) Schon als er noch Revierförster in Oestrich-Winkel war, nahm sich Armin Nikodemus jedes Frühjahr gemäß dem Pflegeplan die Winkler Aue vor, um "so richtig Hausputz zu machen". Seit einigen Jahren erledigt er das als Leiter der Rheingauer Pfadfindergruppe Royal Rangers: zusammen mit über einem Dutzend Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren ging es vergangenen Samstagmorgen bei nasskaltem Wetter mit dem DLRG-Boot zur Winkeler Aue, um hier ordentlich aufzuräumen und Müll zu sammeln. Die 15 kleinen und doch großen Helden der christlichen Royal Rangers vom Stamm 517 Oestrich-Winkel hatten unter der Leitung von Armin Nikodemus, der ehemalige Winkeler Revierförster ist heute als Biologie- und Religionslehrer an der Hildegardisschule Rüdesheim tätig, das Projekt nach zweijähriger Pause wieder ins Jahresprogramm aufgenommen: „Höchste Zeit, um wieder neu das Umweltbewusstsein zu schärfen, weiterhin global mitzudenken und konsequent lokal zu handeln“.
Der Zeitpunkt ist absichtlich zum Ende des Winters geplant, denn es gilt, rechtzeitig vor der Rückkehr der Graugänse den angeschwemmten Müll aus ihren Brutgebieten zu entfernen. „Andernfalls bestände die Gefahr, dass die Vögel zum Nestbau verunreinigte oder gar giftige Überbleibsel des vom Hochwasser abgelagerten Mülls verwendeten und damit ihre Brut in Gefahr bringen", erklärte Armin Nikodemus. Es sei das einzige bekannte Brutvorkommen dieser Wildgänseart am gesamten Inselrhein. Und dies, obwohl nur wenige Meter Rheinwasser dieses ursprüngliche, wilde und von Menschen fast unbeeinflusste Eiland von der Zivilisation trennen. Dadurch bräuchten die Graugänse für ihre Bodennester keine Räuber wie Füchse oder Hunde und Katzen zu fürchten. Andererseits wäre diese Brutkolonie nicht entstanden, hätten sich nicht auch die Menschen zugunsten der seltenen Tiere und Pflanzen von dieser Insel ferngehalten. Zum einen durch die bestehende NSG-Verordnung, zum anderen durch den seit Jahren praktizierten freiwilligen Anlandeverzicht des Kanuclub Winkel während der Brutzeit. Der KCW sorgt zudem als naturverbundener Verein wachsam dafür, dass auch andere sich an diese Regelung zum Schutz vieler Vogelarten halten. Allerdings fanden die Kinder beim Müllsammeln auch, vermutlich durch menschliche Störungen verlassene Graugans-Gelege vom letzten Jahr. „Hoffentlich können die Graugans-Küken in diesem Jahr ungestört in einer, durch die Insellage des NSG geschützten und sauberen Kinderstube schlüpfen und aufwachsen. Über 160 Graugans- und Kanadagans-Brutpaare brüten hier unbehelligt von streunenden Hunden, Katzen oder Raubtieren wir Fuchs und Marder. Ebenso hat die Winkeler Aue die höchste Nachtigallen-Brutdichte in ganz Deutschland, wie vor einigen Jahren von der Uni Mainz nachgewiesen wurde“, so Nikodemus.

Schon früher hatte Nikodemus als Winkeler Revierförster bei seinen Säuberungsarbeiten auf Mithilfe rechnen können. So halfen ihm schon die Jugendlichen der Winkeler Feuerwehr oder auch eine Gruppe der Katholischen Jugend Winkel bei der Säuberungsaktion. Seit ein paar Jahren nun sind es die Royal Rangers, die diese Aufgabe übernommen haben. Zwar gab es eine zweijährige Pause, aber jetzt ging es mit viel Engagement wieder an die Arbeit. Zusammen mit einigen erwachsenen Betreuern hatten sich die Kinder und Jugendlichen am frühen Samstagmorgen vom Winkeler Kieswerk aus zu der naturgeschützten Rheininsel aufgemacht. Den Transport über die Winkler Bucht hatten die ehrenamtlichen Helfer der DRLG Kreisgruppe Rheingau übernommen. Vorsitzender Markus Hözel war mit drei Helfern vor Ort, um die engagierten Müllsammler sicher hin und zurück zu der Rheininsel zu bringen. Das nasskalte Wetter hielt die umweltbewussten Helfer nicht von ihrer Reinigungsaktion ab: Über drei Stunden lang sammelten sie fleißig den übriggebliebenen Hochwassermüll auf. Eingebettet war die Aktion der Royal Rangers in ein umweltpädagogisches Abenteuerspiel: durch schwarze Müllsäcke als Outfit gekennzeichnete „Müllmonster“, gespielt von ältere Pfadrangers, versuchten gesammelten Müllsäcken zu horten und den kleinen Müllsammlern ihren Erfolg streitig zu machen. Sie konnten dann aber durch Teamgeist und gute Argumente zum Mitsammeln bewegt werden, was dem jeweiligen Team zusätzliche Bonuspunkte brachte. Dem Siegerteam gelang es, sogar zwei der drei Müllmonster für sich und die gute Sache zu gewinnen. „Das war 'ne coole Aktion, das sollten wir unbedingt mal wieder machen!", hielt auch die kleine Amelie fest. 20 Müllsäcke und diverse große Müllteile werden geborgen.

Vor allem auch wieder leere Getränkedosen und Plastikflaschen habe man gefunden, erklärte Armin Nikodemus. „Die Pfand-Regelungen für PET-Flaschen und Getränkedosen haben zwar eine spürbare Müllentlastung gebracht, dennoch waren die Kinder tief betroffen von der Müll-Belastung, die Vater Rhein offenbar immer noch darüber hinaus jeden Tag an unseren Ufern vorbei ins Meer tragen muss und die dort sich immer weiter auf riesigen Wasser-Flächen ansammelt“, so Nikodemus. 20 große Säcke Müll, dazu Autoreifen, Benzinkanister und vieles mehr hatten die Umweltschützer gesammelt und mit Hilfe der DLRG ans Rheinufer angelandet. „Abgesehen vom landschaftsästhetischen Gesichtspunkt ist vor allem der Plastikmüll sehr problematisch, weil er sich mechanisch und durch die UV-Strahlung der Sonne zu Mikro-Plastikteilchen zersetzt, die sich über den Nahrungskreislauf anreichern und die Wasserlebewesen schädigen und letztlich wieder auf unsere Teller gelangen“. Selbst ganze Plastikbänke, Autobatterien und Öldosen wurden sichergestellt. Besonders skurril wurde von den Kindern ein angeschwemmtes Wiesbadener Wahl-Werbeplakat aus Plastik empfunden, mit dem Slogan: „Zukunft jetzt machen!“ - „Unsere Zukunft aber bitte nicht aus Plastik!“ war die einhellige Meinung dazu. Plastik und Müll zu vermeiden oder wieder zu verwerten sei für die Royal Rangers eine Lebenshaltung und eine Frage der Ehre, hielten die Müllsammler fest, die zum Abschluss der beispielhaften Aktion zu einem stärkenden Mittagsimbiss eingeladen waren. Die Graugänse können jetzt also getrost zurückkommen, der Frühjahrsputz jedenfalls ist gemacht.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 14.02.2019.

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