Dreister Weindiebstahl im Kronenschlösschen ist aufgeklärt

18.04.2024

Opferfamilie Ullrich kritisiert die rufschädigende Polizeiarbeit gegen Unschuldige scharf/Täter sind gefasst

Hattenheim. (sf) Was kaum jemand noch geglaubt hatte, ist nun doch wahr geworden: der Diebstahl wertvoller Weine aus den Kellern des Hattenheimer Kronenschlösschens konnte aufgeklärt werden, die Täter konnten im Zusammenhang mit weiteren Einbruchsdiebstählen in wertvolle Weinkeller dingfest gemacht und auch des Diebstahls in Hattenheim überführt werden. Der besonders dreiste Einbruch schockierte Anfang 2021 mitten in der Corona-Pandemie die Weinwelt und wurde in den Medien deutschlandweit heiß diskutiert, denn im legendären Weinkeller des Hattenheimer Kronenschlösschens wurden in einer Nacht einige der wertvollsten Flaschen Wein entwendet, der Schaden ging in die Hunderttausende. „Diese Diebe wussten genau, was sie tun, die hatten eine „Einkaufsliste“ dabei“, kommentierte damals die Juniorchefin des Hotels und Restaurants in Hattenheim, Johanna Ullrich, den schadensträchtigen Einbruch in den hauseigenen Weinkeller.

International agierende Diebesbande

Johanna Ullrich vermutete, eine international agierende Diebesbande sei hier am Werk gewesen und lag schon damals damit richtig. Doch die Kriminalpolizei war da ganz anderer Meinung und es kam für Familie Ullrich schlimmer als in einem Krimi: ganz real standen die Rheingauer Gastgeberfamilie und ihr Mitarbeiterteam einem Szenario hilflos gegenüber, bei dem mehr als 30 Polizisten im Einsatz waren, um vier Hausdurchsuchungen durchzuführen: Im Privathaus von H.B. Ullrich in Frankfurt, in den Wohnungen von Johanna Ullrich in Oestrich-Winkel und eines leitenden Mitarbeiters in Winkel sowie im „Kronenschlösschen“. Auf Empfehlung der Kripo Bad Schwalbach und auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Wiesbaden einen Durchsuchungsbeschluss erlassen. Das Traditionshaus „Kronenschlösschen“, das weltweit für freundliche und großzügige Gastfreundschaft geschätzt wird, wurde durchkämmt. Eine ganze Woche lang dauerte dieser Einsatz, um irgendwelche Indizien zu finden, die den Einbruchsdiebstahl im Weinkeller des Hauses der Familie Ullrich anlasten sollten. Denn der sollte angeblich fingiert gewesen sein, wie ein „Hinweis von außen“ vermuten lasse, hatte die Staatsanwaltschaft damals rufschädigend gegenüber verschiedenen Medien erklärt. Aber die Freude darüber, dass der Einbruch in den Weinkeller nun aufgeklärt wurde und endgültig jeglicher Verdacht von Hans Burkhardt Ullrich, seiner Tochter Johanna und dem langjährigen Sommelier des Hauses genommen ist, wird doch arg getrübt von der Art und Weise, wie die gesamte Angelegenheit von Polizei und Staatsanwaltschaft behandelt wurde.

Das Kronenschlösschen in Hattenheim, Dreh- und Angelpunkt eines der bekanntesten Feinschmecker-Festivals der Welt, des Rheingau Gourmet & Wein Festivals, ist auch berühmt für einen der besten Weinkeller in Deutschland. Seit mehr als zwei Jahrzehnten holt die Gastgeberfamilie Ullrich Weinfreunde und Gourmets aus aller Herren Länder in den Rheingau und ist berühmt für ihre Raritätenproben. Der besondere Schatz des Kronenschlösschens ist deshalb auch der kostbare Weinbestand. „Und der ist seit vielen Jahren versichert bei der Gothaer Versicherung in Köln. Die Inhaltsversicherung umfasst einen Wert von 1.750.000 Euro“, erläutert Inhaber Hans Burkhardt Ullrich. Gemeinsam mit Tochter Johanna leitet er das Hotel und Restaurant und hatte gerade auch in der Corona-Pandemie wie alle Gastronomen mit vielen Problemen zu kämpfen. Nicht nur, dass das Hotel ebenso wie das Restaurant direkt nach dem letzten Festival im Lockdown 2021 geschlossen werden musste, und man mit einem Privatkredit verantwortungsbewusst dafür sorgte, dass keiner aus dem Team entlassen werden musste, und zudem das Kurzarbeitergeld auf 100 % freiwillig erhöht wurde.

Durch die Corona-bedingte Schließung war auch erstmals in der Geschichte des Hauses nachts niemand vor Ort, was zu dem folgenschweren Einbruch in der Nacht vom 13. auf dem 14. Januar im Kronenschlösschen führte: der gut gesicherte Weinkeller mit drei Stahltüren und einer Fingerprinttür wurde mit massiver Gewalt aufgebrochen und 215 Flaschen kostbarer Wein im Wert von rd. 240.000 Euro gestohlen. „Es waren nur die Weine der höchsten Preis- und Qualitätskategorie, die mitgenommen wurden. Unter anderem Domaine Romanée-Conti, Petrus, Yquem, Lafite, Haut-Brion, Mouton Rothschild, Masseto, Champagner Krug, Roederer Cristal, Dom Perignon und Salon. „Der Einbruch wurde von uns sofort der Polizei und der Versicherung gemeldet, wir haben auch Weinhändler und Auktionshäuser über die einzelnen gestohlenen Weine informiert und die Weine im Internet benannt“, berichtete H.B. Ullrich. Die gestohlenen Weine wurden genau ermittelt durch eine Inventur nach dem Einbruch im Vergleich mit der Inventur, die wenige Tage zuvor, traditionell zum Jahresbeginn am 2. Januar stattfand. Schon hier habe die Gothaer Versicherung ein Sachverständigenbüro eingeschaltet, das zwei Tage lang vor Ort die Bestände und Inventuren überprüfte und nach vielen Hundert Stichproben befunden habe, dass diese Inventuren innerhalb weniger Tage vor und nach dem Einbruch schlüssig seien. „Dies bestätigten die von der Versicherung beauftragten Sachverständigen schriftlich. Gleichwohl weigerte sich die Gothaer Versicherung, eine Schadensregulierung vorzunehmen, und zwar ohne Begründung“, berichtet Ullrich. Deshalb hatte das Kronenschlösschen am 16. März 2021 gegen die Gothaer Versicherung eine Zivilklage beim Landgericht Wiesbaden über die Versicherungsleistung von rund 240.000 Euro Einbruchsschaden eingereicht.

Wegen des in der Pandemie ruhenden Hotel- und Restaurantbetriebs hatten die Diebe sich ungestört im Weinkeller aufhalten können. Aber die Polizei richtete den Fokus ihrer Ermittlungen nicht auf potentielle Diebe, sondern auf die Betreiberfamilie Ullrich und ihren Sommelier. Es habe angeblich Indizien gegeben, die auf „Insiderwissen“ deuteten: Polizei und Justiz hielten es für abwegig, dass unbekannte, ortsfremde Täter den Einbruch begangen hätten, hieß es damals. Die fundiert belegten Hinweise der Familie Ullrich, dass in ähnlicher Weise schon mehrfach Keller der Spitzengastronomie Opfer von Dieben wurden, sorgten in keinster Weise für einen weiteren und anderen Ermittlungsansatz. Stattdessen rückten die Ermittler in einer spektakulären Aktion, unterstützt von einem SEK-Trupp, im Kronenschlösschen an – ein Umstand, der zu wilden Spekulationen im Rheingau und darüber hinaus Anlass gab.

Johanna mit Vater Hans Burkhardt Ullrich
Johanna mit Vater Hans Burkhardt Ullrich

Hans Burkhardt Ullrich führt heute die einseitige Sichtweise der Ermittlungsbehörden auch auf haltlose Hinweise eines Rüdesheimer Rechtsanwalts an die Polizei zurück, der sehr zum Unwillen der Familien Ullrich und Hufnagel eine enge Beziehung zu Ullrichs Schwiegermutter Lilo hatte und von ihr größere Geldbeträge erhielt, was das Verhältnis unter den Beteiligten nachhaltig zerrüttete und den Rüdesheimer zu einem privaten Racheakt veranlasst habe. Die gegenüber den Ermittlungsbehörden durchgestochene Behauptung, das Kronenschlösschen befinde sich in einer angeblichen finanziellen Notlage, beruhte laut H. B. Ullrich zwar lediglich auf Spekulationen, war den Ermittlern aber offenbar Grund genug, einseitig nach Belegen in Richtung eines versuchten Versicherungsbetrugs zu suchen. „Dabei unterliefen der Polizei Fehler, die mangelnde Sorgfalt nahelegen, weil man sich bereits auf einen Tathergang festgelegt hatte, der meine Familie und unseren Sommelier belastete!“, so H. B. Ullrich. Geäußert wurde seinerzeit der Verdacht, Inhaber und Geschäftsführerin hätten im Zusammenwirken mit einem Mitarbeiter selbst den Einbruch fingiert und begangen, die Weine an eigene Kunden verkauft und danach geplant, den Versicherungswert zusätzlich zu vereinnahmen. So ging man davon aus, dass der Chef-Sommelier die fehlenden Flaschen bei seiner Anwesenheit im Kronenschlösschen beiseitegeschafft haben könnte: „Unabhängig davon, dass es einem Einzelnen schwerlich gelingen konnte, über 200 Flaschen innerhalb von 25 min abzutransportieren, übersahen die Polizisten bei der Auswertung der Mobilfunkdaten, dass der Sommelier zwar am 13. Januar nachmittags im Kronenschlösschen war, sich jedoch unstrittig bereits eine halbe Stunde später schon wieder in seiner Wohnung befand, abzüglich der Zeit, die er für den Nachhauseweg benötigte, also nicht einmal 25 Minuten für einen Diebstahl zur Verfügung gehabt hätte!“, gibt Ullrich zu bedenken. Zur Frage der Versicherungsleistungen meinte Johanna Ullrich schon direkt am Tag nach dem Einbruch, man sei zwar versichert, doch man wisse ja, wie ungern Versicherungen im Schadensfall leisten. „Das werden harte Verhandlungen“, vermutete die Juniorchefin schon damals.
Während der gesamten Ermittlungen durch die Kripo habe man die Hinweise seitens der Geschädigten auf eine „Wein-Mafia“, die Auftragsdiebstähle durchführe, und auf ähnlich gelagerte Fälle im In- und Ausland ignoriert und in dieser Richtung nur sehr nachlässig nachgeforscht. „Die Polizei hat nicht ein einziges Gespräch mit uns als Beschuldigten geführt, obwohl wir uns als Inhaber und Geschäftsführerin immer wieder nach dem Stand der Ermittlungen erkundigten und sowohl schriftlich wie mündlich eine Mitarbeit zur Aufklärung des Verbrechens angeboten haben“, so Familie Ullrich. So hatte Tochter Johanna direkt nach dem Einbruch selbst mit Recherchen begonnen und Informationen zu einer Vielzahl von Einbruchdiebstählen in berühmte Restaurants und Weinkeller zusammengetragen. „Diese Einbrüche hatten jeweils einen fast identischen Ablauf und es waren zum Teil genau die gleichen Weine, die auch im Kronenschlösschen gestohlen wurden“, so Johanna Ullrich. Sie habe den Ermittlern angeboten, die Informationen zukommen zu lassen und eine Liste verfasst, in der sie an die Einbrüche am 14.2.2016, am 27.4.2017 und 2018 in die Weinhandlung Domaine Müller in Wien und in der Weststeiermark mit einem Gesamtschaden von 1.700.000 Euro, an den Einbruch im Juni 2019 bei Mraz & Sohn in Wien mit einem Schaden von 145.000 Euro, im Juni 2019 in Graz mit einem Schaden über 100.000 Euro, im Juli 2019 im Burghotel Oberlech am Arlberg mit 150.000 Euro Schaden und im Juli 2019 im Restaurant Rostang in Paris mit bis zu 600.000 Schaden erinnerte. Und nur ein Jahr vor dem Einbruch in Hattenheim hatte es genau gleiche Einbrüche im Januar 2020 im „Schwarzen Adler“ von Fritz Keller in Oberbergen am Kaiserstuhl gegeben, wo Wein im Wert von 100.000 Euro, am 17. Februar 2020 im L´Ermitage in Vufflens Genfer See, wo Wein im Wert von 225.000 Euro gestohlen wurde und sieben Tage später im Restaurant „Formel B“ in Kopenhagen mit einem Schaden von 135.000 Euro. Schon direkt nach der Tat im Kronenschlösschen hatte ein Mitarbeiter sich daran erinnert, dass in seinem früheren Betrieb, dem Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn genauso während der Betriebsferien eingebrochen worden war und Weine im Wert von 150.000 Euro gestohlen wurden. Johanna Ullrich war sich deshalb schon im März 2021 sicher, dass es sich ganz offensichtlich um eine international agierende „Wein Mafia“ handeln müsse und bot ihre Recherchen von den inhaltlich gleichen Diebstählen der Polizei an. Gleichzeitig veröffentlichte sie in den sozialen Medien eine Liste der gestohlenen Weine und bat Auktionshäuser und Weinkenner darum, Kontakt mit ihr aufzunehmen, falls diese Weine auf dem Markt angeboten würden. Fortschritte in den Ermittlungen waren aber nicht zu verzeichnen. „Zumindest hat man im September 2022 den Verdacht, ich hätte einen Diebstahl fingiert, um die Versicherung zu betrügen, nicht mehr aufrechterhalten und das Ermittlungsverfahren gegen mich, meine Tochter Johanna und den Chef-Sommelier eingestellt. Damit blieb aber der Einbruch nach wie vor ungeklärt“, so Ullrich.

Das änderte sich erst im Sommer 2023, allerdings ohne Zutun der hiesigen Polizei: Es war eine Sondereinheit der Kripo Bochum, die den Täter ermittelte, der den Einbruch im Kronenschlösschen zusammen mit einem Komplizen durchgeführt hat. Bei der Auswertung von verschlüsselten Kommunikationsdaten stellte sich heraus, dass der Verhaftete (vielfach vorbestraft) nicht nur andere Einbrüche in Weinkeller begangen hat, sondern auch den Einbruch im Kronenschlösschen. Nach Angabe von H.B. Ullrich steht fest, dass die Täter am 13. Januar 2021 bereits um 22 Uhr in den dortigen Keller eingedrungen waren und sich 7 Stunden lang bis 5 Uhr morgens Zeit gelassen hatten, die wertvollsten Flaschen herauszusuchen und abzutransportieren. Der Täter habe nach dem Abtransport der Weine um 5.00 Uhr morgens geschrieben, man habe einen großen Beutezug gemacht, eine Verwertung werde sicherlich 200.000 einbringen. Die Beute konnte von der Polizei bis heute nicht aufgespürt werden. Es ist deshalb fraglich, ob die fehlenden Flaschen irgendwo versteckt liegen oder ob Teile bereits verkauft wurden. Für die betroffene Familie Ullrich ist es völlig unverständlich, dass sie weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft darüber informiert wurden, dass die Täter des Einbruchs ermittelt wurden. Obwohl die Täter bereits im September 2023 gefasst wurden, hat die Familie Ullrich erst im Februar 2024 zufällig davon erfahren. dass der Einbruch in ihren Weinkeller aufgeklärt wurde. „Dabei wäre es für den Zivilprozess gegenüber der weiter zahlungsunwilligen Versicherung von wesentlicher Bedeutung, dass nunmehr feststeht, dass wir mit dem Einbruchdiebstahl niemals irgendetwas zu tun hatten“, stellt H. B. Ullrich verärgert fest.

Im Zuge der Ermittlungen wurden zahlreiche weitere Untersuchungen durchgeführt, von der Versicherung beauftragte Sachverständige und auch die Steuerfahndung hielten die Angaben der Familie Ullrich für weitgehend plausibel, lediglich die Ermittlungsbehörden hielten lange an ihrer vorgefassten Hypothese eines angeblich initiierten Einbruchs fest: „unbekannte, ortsfremde Täter scheiden aus“. Nachdem die wahren, eben doch unbekannte, ortsfremde Täter jetzt gefasst wurden, sei erwiesen, dass die Theorie der Polizei Bad Schwalbach von vornherein falsch war: „Meine Familie ist Opfer, nicht Täter dieses Verbrechens. Angesichts der heutigen Erkenntnis muss festgestellt werden, dass ein 19monatiges Ermittlungsverfahren unter diesen Umständen dem Rechtsstaat Deutschland nicht angemessen war. Nicht nur, dass der massive Polizeieinsatz im Kronenschlösschen eine regelrechte Medienkampagne gegen das renommierte Rheingauer Hotel und Restaurant auslöste und die Gerüchteküche anheizte. Es wurden auch absolut integre Menschen eines schweren Verbrechens beschuldigt, und das ausschließlich mit vagen, völlig absurden Unterstellungen, - ohne einen einzigen konkreten Verdacht“, so Ullrich, der jetzt rechtliche Schritte gegen die Ermittlungsbeamten und die Versicherung eingeleitet hat.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 18.04.2024.

https://www.kronenschloesschen.de/

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