21 Yoga-Figuren in der Goldatzel

29.03.2022

Rheingauer Tischlermeister Johannes Reichert zeigt seine kunstvoll geschnitzten Zirbenfiguren im Gutsausschank von Familie Groß

Johannisberg. (sf) Der Baum, der Krieger, die Kobra, die Katze oder Schmetterling - ganz filigran sind die Figuren in den kleinen Holzrahmen, die sehr bekannte Yogafiguren vollführen. Man kann kaum glauben, dass sie alle menschliche Vorbilder haben. Doch der Rheingauer Tischler- und Schreinermeister Johannes Reichert hat sie alle nach Fotos von yogatreibenden Freunden und Kunden handgeschnitzt. Seit einigen Monaten beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit diesen Yoga-Figuren, die er aus Zirbenholz herstellt. Mehrfach waren sie auch schon in den sozialen Medien zu sehen und sorgten hier bereits für Furore. Jetzt zeigt Johannes Reichert sie erstmals in der breiten Öffentlichkeit: im Rahmen der Ausstellung „Yoga und Wein“ sind die Figuren im Johannisberger Gutsausschank Goldatzel zu sehen. Gleich im Eingangsbereich sind zwei Vitrinen, in denen die kleinen Yogis die Blicke auf sich lenken. Auch Familie Groß, die den Gutsausschank Goldatzel betreibt, war von Anfang an von den kleinen Kunstwerken begeistert. „Frau Groß ist durch meine Posts auf WhatsApp aufmerksam geworden. Sie selbst macht kein Yoga, ist aber immer für interessante Dinge zu haben und stellt oft Bilder oder Kunstgegenstände im Gutsausschank aus. Familie Groß sind Kunden von mir und wir gehen auch gerne dort in den Gutsausschank.“, erklärt Johannes Reichert, wie es zu der Kooperation kam. Vergangenen Donnerstag wurde die Ausstellung am ersten Tag der Wiedereröffnung des Gutsausschankes Goldatzel nach der Winterpause eröffnet und die Besucher waren von Anfang an begeistert.

„Viele denken, die Figuren wären viel größer, wenn sie sie auf meinen Bildern sehen“, so Johannes Reichert. Tatsächlich misst der Rahmen um die Figuren nur 10 x 8 Zentimeter. Und in ihnen steckt ganz viel Herzblut: Johannes Reichert, der selbst erst seit einem Jahr Yoga macht, hat anscheinend selbst den größten Spaß an seinen filigranen Yogis aus Zirbenholz und ist in seiner Freizeit dem Schnitzen dieser verblüffenden kleinen Kunstwerke geradezu „verfallen“. So bringt er zur Eröffnung der Ausstellung auch gleich noch zwei neue mit, diesmal auch einen Musiker mit Gitarre, der so richtig abrockt.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Yogis, das ist schnell klar. Die „Asanas“ haben es Johannes Reichert angetan. Asana ist eine Bezeichnung, die ursprünglich aus dem Sanskrit stammt und vor allem im Hatha Yoga vorwiegend ruhige, statische Körperhaltungen beschreibt. Die „Asanas“ haben oft Namen von Tieren, diese Bilder helfen dabei, die Yoga-Stellung besser zu verstehen und sie sich zu merken. Auch Figuren wie Krieger, Standwaage oder Dreieck beschreiben bestimmte Haltungen und Positionen im Yoga, die unterschiedliche Bedeutungen und Wirkungsweisen auf Körper und Gesundheit haben. Asanas können jedoch auch in einer dynamischen Abfolge von mehreren Yoga-Haltungen hintereinander und im Einklang mit dem Atemrhythmus geübt werden. Eine bekannte Übung ist der sogenannte Sonnengruß mit einer dynamischen Abfolge von zwölf Asanas. Der Sonnengruß gehört zu den wichtigsten Yoga-Übungen und wird gern am Anfang einer Yogastunde praktiziert. Die Yoga-Übung hat eine belebende Wirkung, mobilisiert Gelenke, dehnt Muskeln sowie Bänder und regt das Herz-Kreislaufsystem an.

Das weiß auch Johannes Reichert aus eigener Erfahrung: „Ich mache erst seit diesem Jahr Yoga, es entspannt und man kann abschalten und auch den geschundenen Körper wieder in Schuss bringen. Und auch mit der Leidenschaft und der Berufung kennt er sich aus, „denn eigentlich war das kreative Arbeiten mit Holz einst nicht meine erste Wahl“, gesteht der Rheingauer Tischlermeister und Möbeldesigner. „Ich wollte ursprünglich eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker machen, doch mangelte es mir damals als Jugendlicher wohl an Erfahrung und Vorbereitung, um den schweren Einstellungstest zu bestehen.“ Durch Beziehungen kam der gebürtige Johannisberger dann an einen Ausbildungsplatz als Tischler. „Das war der Weg des geringsten Widerstandes und am Anfang war es halt einfach eine Ausbildung - zur Leidenschaft hat es sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. So richtig als Berufung fühlt es sich seit zehn Jahren an und mittlerweile ist der Spaß an meinem Beruf für mich das Wichtigste, nur so kann ich kreativ sein“, sagt er. Dabei weiß Johannes Reichert genau, wovon er spricht, schließlich absolvierte er nicht nur seine Ausbildung von 1987 bis 1989 mit Bravour, er machte auch 1994 den Meister und ist seit 1997 in der Rüdesheimer Straße 10 in Geisenheim in einer modern eingerichteten Tischlerei selbstständig als Möbeldesigner und Schreinermeister tätig.

Dass es ihn gepackt hat, zeigt auch sein Hobby, die Yoga-Asanas aus Zirbenholz zu schnitzen. „Ich selbst bin aus einer Laune heraus an das Schnitzen der Figuren gekommen, es macht mir riesigen Spaß!“. Und ganz bewusst hat Reichert Zirbenholz aus Tirol als Material für die Figürchen gewählt: „Es wirkt nachweislich beruhigend und fördert einen ruhigen Schlaf durch den harzig-würzigen Duft. Es wirkt positiv bei Angst, Energielosigkeit, Depression und Mutlosigkeit. Zwischen 2,5 und 6 Stunden braucht der Tischlermeister für seine Yogis, je nachdem, wie kompliziert und detailliert die Figuren sind. „Ich nutze zur Herstellung eine Dekupiersäge, einen Dremel und Schnitzeisen, zum Schluss Handschleifpapier!“, erläutert er, und den Betrachter verführt es geradezu, die samtweichen Holzfiguren zu streicheln. Auch nach Wunsch fertigt Johannes Reichert die Yoga-Figuren an, ein Foto reicht ihm als Vorlage. Und wenn man nach den Hatha-Yoga-Schriften geht, die besagen, dass der indische Gott Shiva 8.400.000 Yoga-Positionen für jede Lebensform gelehrt haben soll, hat er noch ein bisschen zu tun.

Zu sehen sind die Yogis des Rheingauer Tischlermeisters noch bis Ende Mai im Gutsausschank Goldatzel von Mittwoch bis Freitag von 15 bis 23 Uhr und am Wochenende von 14 bis 23 Uhr.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 29.03.2022.

https://www.reichert-moebeldesign.de/

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