Der Tod lebt im Rheingau

17.10.2020

Lothar Schöne las „über den Dächern von Eltville“ aus seinem neuen Rheingau-Krimi

Eltville. (sf) Da las Wolfgang Hillberger eben noch ganz gemütlich im Café Schwab in der Eltviller Fußgängerzone im Rheingau Echo die neusten Meldungen aus seiner Heimatregion, als er auch schon im nächsten Moment auf der Suche nach seinem „Kaffeebruder“ Konrad eine erschreckende Entdeckung machen musste. „Der Tod lebt im Rheingau“ heißt der neueste Rhein-Main-Krimi des bekannten Autors Lothar Schöne. Vergangenen Donnerstag stellt er sein jüngstes Werk im Rahmen einer Autorenlesung bei Ulrich Bachmann „über den Dächern von Eltville“ vor. Das Buch ist der 5. Fall für die Kriminalkommissarin Julia Wunder und ihren Kollegen Vlassopolous Spyridakis. Julia Wunders Vater Wolfgang Hillberger vermisst seinen Bekannten Konrad im Caféhaus. Hillberger vermutet, dass er krank ist und stattet ihm einen Hausbesuch in seinem Anwesen in der Eltviller Nikolausstraße ab. Doch wie er seinen Kaffeebruder vorfindet, lässt ihn erschaudern: wie ein fliegender Engel hängt er tot am Kronleuchter. Hillberger informiert aufgeregt seine Tochter, Hauptkommissarin Wunder, die mit Assistent Vlassi nach kurzer Zeit an Ort und Stelle ist. Was Julia entdeckt, übersteigt ihre Befürchtungen. Der Kaffeegenosse ihres Vaters hängt im Wohnzimmer bäuchlings von der Decke herab, als ob er fliegen wolle. Auf jeden Fall ist er davon gesegelt, denn an seinem mausetoten Zustand ist nicht zu rütteln. Handelt es sich um einen perfiden Mord? Bald stellt sich heraus, dass der Fall nicht nur rätselhaft, sondern auch absonderlich ist. Doch das bewährte Kommissar-Duo Julia und Vlassi knackt gemeinsam mit dem Kollegen Lustig von der anderen Rheinseite auch diesen Fall – wiederum mit Witz, Humor und seltsamen Ideen.

„Lothar Schönes Fantasie scheut das Außergewöhnliche nicht – das Skurrile kann er bis zum Grotesken und Gespenstischen treiben. Er schreibt über ungewöhnliche Themen, nie spielt er E gegen U aus, immer will er ernsthaft und unterhaltsam zugleich sein – was ihm wunderbar gelingt.“, sagte auch schon Viola Bolduan in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Rheingau-Taunus-Kulturpreises an Lothar Schöne und die knapp 20 Gäste über den Dächern von Eltville bestätigten dies nur zu gerne. Einen vergnüglichen Abend mit knisternder Spannung und dem ersehnten Lokalkolorit erlebten die Zuhörer, als sie mit dem Autor und seinen Protagnisten durch die Altstadt von Eltville den Mörder von Konrad jagten.

Gastgeber Ulrich Bachmann, der zu Beginn des Abends erschreckend ehrlich gestand, wie schwierig solche Veranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie zu organisieren seien, hatte seinen gut gelaunten Zuhörern den Protagonisten des Abends vorgestellt: Lothar Schöne hat in Herrnhut in Sachsen das Licht der Welt erblickt, aufgewachsen ist er in Frankfurt und Offenbach. Er studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Frankfurt und Mainz und promovierte mit einer theaterwissenschaftlichen Arbeit an der Universität Tübingen. Schöne arbeitete als Kulturredakteur bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung, dann als Hochschuldozent, und ist Mitarbeiter verschiedener Zeitungen und Rundfunkanstalten. Neben Theaterstücken, Filmdrehbüchern und Hörspielen hat er Bücher geschrieben. Für seine Arbeiten erhielt er diverse Auszeichnungen und Preise wie etwa den Fachinger-Kulturpreis, Kunststipendien der Länder NRW und Niedersachsen, den Literaturpreis der Stadt Klagenfurt, den Stadtschreiberpreis von Offenbach am Main, ein Villa Massimo-Stipendium in Rom, den Literaturpreis der Stadt Erfurt und zuletzt, 2014, besagten Rheingau-Taunus-Kulturpreis.

„Wir haben schon viele Veranstaltungen miteinander gemacht“, verriet Bachmann und freute sich besonders, dass es jetzt, nach der Corona-bedingten Absage des ursprünglichen Termins für eine geplante Autorenlesung mit Lothar Schöne im April, sogar mit einer Premiere klappte. Denn zum ersten Mal las Schöne aus seinem gerade erst erschienenen Krimi mit Hauptkommissarin Wunder.

Viele Bücher hat Lothar Schöne bereits geschrieben und veröffentlich, darunter „Tannenblut“ - Krimi-Kurzgeschichten zum Fest von Lothar Schöne, Klaus-Peter Wolf und Autoren aus dem Niemeyer Verlag, den politischen Liebesroman „Jener unscheinbare Moment“, der im Frankfurt Mitte der 70-iger spielt, „Schwarze Geschichten - Schall und Rauch“, Geschichten mit Augenzwinkern wie „Diva und Domsgickel: Mainz und Wiesbaden – Rivalen am Rhein“, „Das Labyrinth des Schattens“, in dem die deutsch-jüdische Journalistin Sabina-Esther Morane in Krakau die Liebesgeschichte ihrer Großeltern erforscht oder „Das jüdische Begräbnis“.

Die Reihe der Rhein-Main-Krimis, in denen stets das Wiesbadener Kommissar-Duo Julia Wunder und Vlassopolous Spyridakis ermittelt, beginnt mit dem Buch „Tod im Rheingau“, bei dem im Weinberg ein Toter gefunden wird. In Band zwei „Ein Grab im Rheingau“ führt die Geschichte ins Bankenmilieu, und Julia und Vlassi müssen auch Spuren nach Mainz verfolgen, wo sie wieder mal auf den Kollegen Ernst Lustig stoßen. Die Kommissare aus den rivalisierenden Städten raufen sich zusammen und entdecken bald, in welchem Sumpf der Tote wandelte und klären mit Witz und Humor den Fall. Wie auch im dritten Band, dem „Kri(senf)all im Rheingau“ und in vierten Fall „Mona Lisa stirbt im Rheingau“, in dem Kunsthistorikerin Köckel-Simons einen grotesken Tod erleidet.

„Wir waren schon so gespannt, wie es weiter geht mit Kommissar Vlassi Spyridakis, seiner Chefin Julia Wunder und dem Mainzer Kollegen. Dass der neue Krimi jetzt gleich hier anfängt, um die Ecke in der Fußgängerzone, ist toll“, freuten sich zwei Damen, die sich als große Fans des Autors Lothar Schöne outeten. Hocherfreut waren die Zuhörer auch, als Ulrich Bachmann nach der Pause mit seinem Gast ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte und darüber sprach, warum Schönes Krimireihe im Rheingau spielt, obwohl er selbst doch im Taunus wohnt und gar nicht aus dem Rheingau stammt. Schöne verriet in diesem Gespräch, warum sein Kommissar einen griechischen Namen trägt und wie viele Bücher er im Jahr schreibt. Auch woran er jetzt gerade arbeitet, erfuhren die Gäste. Gerade weil es wegen der Corona-Einschränkungen so ein kleiner Kreis war, hatte das Publikums die Möglichkeit, bei dem Gespräch mit zu agieren, was allen viel Spaß macht. vor allem auch, was Schönes Gattin preis zu geben hatte, war mitunter dann besonders spaßig.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 17.10.2020.

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