In der Straußwirtschaft hat Nickel einen Stammplatz

17.01.2019

Ein kleiner Vierbeiner aus Griechenland ist in Aulhausen der Dorfhund, der auch gerne mal in die Wirtschaft und bei Beerdigungen mit auf den Friedhof geht

Aulhausen. (sf) Nickel heißt eigentlich „Struppi“ und ist in allen gastronomischen Lokalitäten in Aulhausen ein gern gesehener Stammgast, vor allem beim „Schöne Michel“ ist er fast jeden Abend mal anzutreffen und begrüßt alle Aulhausener und ihre Gäste stets mit großer Herzlichkeit. Dabei trinkt Nickel keinen Schoppen Wein, sondern freut sich eher über einen knochigen Leckerbissen aus der Küche, denn Nickel ist ein lustiger kleiner Vierbeiner, der in Aulhausen als kurioser Dorfhund bereits seit 15 Jahren überall bestens bekannt und beliebt ist. Er verträgt sich mit allen, auch fremden, Hunden. Seine Anwesenheit bewirkt auch bei aggressiven Hunden, dass sie plötzlich ruhig sind. Er ist völlig autark. „Gassi gehen“ besorgt er alleine irgendwo auf den Wiesen um Aulhausen – er braucht dazu keine menschliche Begleitung. Baden und Fell schneiden mag er überhaupt nicht. Dies quittiert er stets mit lautem Gezeter. Menschliche Nähe und Streicheleinheiten sind ihm das Liebste und er genießt letztere ausgiebig. Sogar bei Beerdigungen ist Nickel immer sehr gesittet, freundlich und tröstend mit dabei.

Nickel stammt ursprünglich aus Griechenland. Dank glücklicher Umstände kam der kleine Straßenhund ins Tierheim Wiesbaden und dort entdeckte ihn die Aulhausener Familie Prasser. Werner Prasser und seine Frau Karin holten das kleine Hündchen im Alter von wenigen Monaten zu Weihnachten zu sich nach Hause und schon bald wurde er nach dem Spitznamen seines Herrchens Werner Prasser, genannt Nickel, gerufen. Im Hause Prasser hat der lustige Vierbeiner seine eigene Couch, auf der nur er sitzen darf. Aber nur eine Familie ist dem geselligen kleinen Kerl einfach zu wenig: jeder in Aulhausen kennt ihn und jeder „grüßt“ ihn, wenn er ihm auf der Straße begegnet. Und wirklich jeder kennt ihn in Aulhausen. Es gibt aber auch Leute, die der „Dorfhund“ nicht mag und das macht er durch Ignoranz sehr deutlich.

Wenn er in Aulhausen jemanden trifft, den er kennt, geht er auch gerne mit ihm ein Stück des Weges oder ein längeres Stück spazieren. „Es kommen sogar auswärtige Gäste nach Aulhausen, nur um mit ihm einige Stunden spazieren zu gehen. Sie haben ihm einmal eine Leine angelegt. Daraufhin war er so beleidigt, dass er die Leute viele Wochen ignorierte. Mittlerweile kommen sie wieder wöchentlich, um mit ihm einfach nur spazieren zu gehen. Da musste nichts trainiert werden. „Nickel, komm, wir gehen spazieren“ genügt und der Kleine freut sich total und läuft nebenher“, erzählt Peter Schön. Und Nickel weiß auch genau, wann und wo die Schulbusse in Aulhausen abfahren und ankommen. Häufig ist er pünktlich vor Ort und begrüßt die Kinder, die ihn natürlich alle kennen und ebenfalls freudig begrüßen. Dass er auf seinen Wegen in Aulhausen mehrfach die vielbefahrene Hauptstraße überquert, scheint ihm offensichtlich problemlos zu gelingen, denn mittlerweile ist Nickel schon stolze 15 Jahre alt und hatte sogar schon Nachkommen: in jungen Jahren hatte sich die Promenadenmischung mit griechischen Wurzeln einmal mit einer Dackeldame angefreundet. Aus der Verbindung entstand ein Hundemädchen. Deren Herrchen hatte eine Jagd am Niederwalddenkmal und berichtet, dass Nickels Tochter ausgezeichnete Jagdhundinstinkte hatte. Er nahm sie häufig mit zur Jagd, doch vor zwei Jahren, als sie mutig ein paar Wildschweine in einem Gebüsch stellte, wurde sie von diesen getötet.

Doch auch mit dem Tod als Teil des Lebens kann Nickel gut umgehen, denn er ist bei allen Beerdigungen in Aulhausen immer mit auf dem Friedhof. Dort legt er sich an dann an ein bestimmtes Grab, begrüßt die Bekannten, die vorbeikommen und verhält sich ansonsten bei der Trauerzeremonie völlig ruhig. Bei der Gräbersegnung segnet ihn der Pfarrer dann auch immer mit.

Doch Nickel versteht es auch, das Leben zu genießen: so wartet er oft schon am späten Nachmittag vor der Tür des Gutsausschanks Schön, bis dieser geöffnet wird. Im Ausschank hat der Dorfhund seinen festen Stammplatz und fast alle Gäste kennen ihn und begrüßen ihn sehr herzlich, wenn er so von Tisch zu Tisch schlendert. Wenn der Gutsausschank nachts geschlossen wird, geht Nickel wieder durch den Ort hinunter in Richtung seines Zuhauses. Dabei schaut er dann auch immer gerne noch mal in allen gastronomischen Lokalitäten vorbei, die auf seinem Weg liegen: bei Kirsch, Strieth oder beim Farmer kommt er nochmal rein, sagt kurz schwanzwedelnd „Guten Abend“ und bekommt auch noch das eine oder andere Leckerli als „Betthupferl“. Bei Familie Prasser angekommen, macht er sich auch mit dem abendlichen „Wuff“ vor der Haustür bemerkbar und ihm wird geöffnet. Karin Prasser wartet jeden Abend solange, bis Nickel wieder zu Hause ist: „Und das kann manchmal sehr spät und nach Mitternacht sein“. Nur Regen mag Nickel nicht: wenn es stark regnet, bleibt er meist zu Hause.

Ein Bericht von Sabine Fladung vom 17.01.2019.

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