12 Köche, 22 Winzer und 500 Gäste feierten

08.03.2018

Stimmungsvolle Welcome-Party in Kloster Eberbach zum Auftakt des Gourmet-Festivals 2018

Rheingau. (sf) Dass H. B. Ullrich mit der Wahl von Kloster Eberbach als Location für die Welcome-Party alles richtig gemacht hat, bewies der wieder einmal große Andrang zum Auftakt von zweieinhalb Wochen Gourmet-Festival im und um das Kronenschlösschen. Nur zur Eröffnung und zur großen Präsentation des VDP zusammen mit befreundeten Winzern aus Portugal am 4. März nutzt das Festival das Ambiente und die Kapazitäten des Laiendormitoriums, um den vielen interessierten Feinschmeckern und Weinfreunden Gelegenheit zum Probieren und Genießen zu bieten. Die Welcome-Party genießt einen legendären Ruf weit über den Rheingau und das Rhein-Main-Gebiet hinaus. So war in diesem Jahr Rainer Jupe aus Mühltal bei Darmstadt zum ersten Mal mit von der Partie: "Ich bin großer Rheingau-Fan und habe immer wieder mal von diesem Event hier gehört. Jetzt wollte ich das auch mal selbst erleben und ich bin wirklich begeistert". Besonders gefiel es ihm und den 500 anderen Gästen, dass man in lockerer Atmosphäre hier von Stand zu Stand schlenderte und ganz nach Lust und Laune probierte, was Küche und Keller zu bieten haben.

Egal, für was man sich an diesem Abend entschied, alles erreichte Spitzenniveau. Sowohl unter den Winzern als auch unter den Köchen waren neben lokalen Größen auch weitgereiste Akteure vertreten. Anuraag Ramkalawon hatte wohl den weitesten Weg: er kommt aus Sansibar und bot an seinem Stand das Curry "Mishikaki" vom Rind mit einem Limonen-Relish an, beim weitgereisten Reuben Riffel aus Kapstadt gab es "Cape-Style" Hähnchen-Schenkel mit Currysauce, geräucherte Cheddar-Kroketten und eine Tomaten-Tamarind-Salsa. Als Kontrast zu den Exoten konnte man bei Oliver Röder Hausmannskost auf hohem Niveau bekommen. Sein Flamersheimer Landei mit Selleriepüree, Nussbutter und Trüffel stammt genau wie die Blutwurst mit Stachelbeere, Pilzen und Linsen von Benedikt Faust aus der bodenständigen deutschen Küche, aber eben in ganz exquisiter Form. Schon die Zubereitung ist mit deutlich mehr Aufwand verbunden als im normalen Haushalt: Benedikt Faust braucht neun Durchgänge, bis die beiden Sorten Blutwurst so angerichtet sind, dass sie dem Gast kredenzt werden. Thomas Martin vom Louis C. Jakob in Hamburg, Carmelo Greco aus Frankfurt und Michael Kammermeier von der Wiesbadener "Ente" boten Fjordforelle, Jakobsmuscheln "Caprese" und gebeizten Lachs mit Blumenkohlcrème an. Mit Räucherforelle versorgte Joachim Buggle seine Gäste, während Vineet Bhatia aus London Hähnchen und "Pakoda" mitgebracht hatte. Simon Stirnal schließlich, Küchenchef des gastgebenden Kronenschlösschens, richtete nicht nur ein Flap Meat Steak mit Mais und selbst gezogenen Chipotle-Jalapenos an, sondern sorgte mit einem Mandarinen-Gateau auch für den süßen Anteil am Abend. Auch die gesalzenen Nougat-Cornetti von Benedikt Faust fanden reißenden Absatz. Wer zu später Stunde immer noch Hunger verspürte, konnte sich auf das Angebot der Metzgerei Brauer verlassen, die Weißwürste mit Brezeln und süßem Senf servierte. Den passenden Wein dazu - denn Weißbier gab es nicht - konnte man bei den Winzern finden, die ein breites Angebot von Weiß- und Rotweinen vorstellten. Geographisch am nächsten am Weißwurst-Äquator liegt das Weingut Bickel-Stumpf, das zwei Silvaner aus dem heimischen Franken mitgebracht hatte, von denen die trockene Variante auch mit der Weißwurst harmonierte. Aber auch bei den heimischen Winzern von Allendorf bis Weil waren passende Rieslinge zu finden, viele Spitzenqualitäten bis hin zur Ersten Lage und vereinzelt sogar Großen Gewächsen. Natürlich wurden auch verschiedene Rotweine ausgeschenkt, hier dominierten die heimischen Spätburgunder. Wer es prickelnd wollte, war bei der Sektkellerei Ohlig und bei Geldermann richtig und Peter van Nahmen bot alkoholfreie Frucht-Seccos an.

Rund 500 Gäste waren zur Eröffnungsparty gekommen und feierten einen entspannten Auftakt des Rheingau Gourmet- und Wein-Festivals. An beiden Seiten des Laiendormitoriums waren im Wechsel die Stände von Winzern und Köchen aufgereiht, im Mittelgang konnte man an langen Tischreihen Platz nehmen, um Weine und Speisen in Ruhe zu genießen. Gelegenheit zum Gespräch bot sich hier wie auch beim Schlendern durch den früheren Schlafsaal der Laienbrüder, wenn man sich mit frischen Weinen und dem nächsten Gang versorgte. Für die musikalische Unterhaltung waren Rick Cheyenne mit seiner Gruppe auf der Bühne zuständig. Und erstmals mit ganz großem Erfolg auch die Band "Krüger Rockt", die unplugged spielten und mit ihren fahrbaren Musikinstrumenten durch den ganzen Saal zogen, um mit Rock-Klassikern das Publikum partymässig auf Trab zu bringen.

Erstmals war neben dem Initiator Hans Burkhard Ullrich auch seine Tochter Johanna Bächstädt, die es zurück in den Rheingau gezogen hat, Gastgeberin. Mit der Welcome-Party beginnt ein Reigen von fast 60 Veranstaltungen. Angefangen bei Workshops mit Starköchen über Tastings und Lunches bis hin zum Gala-Dinner ist alles dabei, was den Feinschmecker reizt. Die Preise beginnen bei moderaten 38 Euro für die Tastings und 48 Euro für Cooking Demonstrations und erreichen bei den Raritäten-Dinners mit 650 Euro ihren Höhepunkt. Bei diesen Glanzlichtern des Festivals werden oftmals die letzten Flaschen legendärer Weine ausgeschenkt, die es auf dem Markt dann nicht mehr gibt. Dass das begleitende Menü ebenfalls exquisit sein muss, um gegen die Wein-Giganten zu bestehen, versteht sich von selbst und entspricht dem Anspruch, den die Festival-Macher an sich selbst stellen.

In seinem 22. Jahr ist das Festival längst ein fester Termin im Kalender vieler genussorientierter Menschen geworden. Während in den ersten Jahren H. B. Ullrich sich noch um die Köche bemühen musste, hat sich dieses Verhältnis längst umgekehrt. Inzwischen fragen Köche aus aller Welt nach, ob sie beim Festival mitwirken können. Das zeigt, dass der Ruf des Festivals weit über die Grenzen Deutschlands hinaus vorgedrungen ist und die Besten ihres Fachs nach Hattenheim zieht. Viele sind zum wiederholten Mal dabei, weil sie die Zusammenarbeit mit den Kollegen und die besonderen Herausforderungen einer solchen Veranstaltung zu schätzen wissen. Nicht nur das Kronenschlösschen als Mittelpunkt des Festivals, sondern die ganze Region profitieren von den Gästen aus Nah und Fern, die an den 18 Tagen bis zum 11. März zu den Veranstaltungen in den Rheingau kommen. Vermutlich hat auch H. B. Ullrich seinerzeit nicht geahnt, dass sich seine Idee eines Gourmet Festivals auf höchstem Niveau zu solchen Höhen aufschwingt. Mit dem 22. Festival ist es nicht mehr lange hin bis zum Silbernen Jubiläum. Man darf gespannt sein, was sich die Organisatoren bis dahin ausdenken, um 25 Jahre Wein- und Gourmet Festival angemessen zu begehen.

Ein Bericht von Sabine Fladungvom 08.03.2018.

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