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Mühlen

Die Landschaft des Rheingaus ist überaus vielfältig und lädt dazu ein, immer wieder Neues kennen zu lernen: da gibt es nicht nur den breiten Fluss, der die Region so stark prägt und die Weinberge an sanften Hängen vom Rheinufer bis hin zu den Ausläufern des Taunusgebirges mit dichten Laub- und Nadelwäldern. Entlang der sechs Bäche, die in diesen Wäldern entspringen liegen auch zahlreiche Mühlen, die einst wichtige Funktionen erfüllten. Von der Walk- und Lohmühle, über die Nussmühle bis hin zu Gewürz- und Getreidemühlen reicht die oft wechselvolle Geschichte dieser Mühlen. Romantisch muten sie heute an, oft am ruhigen Ortsrand der Rheingauer Weindörfer gelegen, mitten im Grünen und immer an einem Bach. 22 dieser insgesamt 31 Mühlen, die an der Wisper in Lorch, dem Elsterbach in Winkel und Johannisberg, dem Pfingstbach in Oestrich, dem Leimerbach in Hattenheim, dem Kiedrichbach, der Walluf und der dem Wickerbach gelegen sind, laden heute ein zur gastfreundlichen Einkehr. Rund um die Mühlen gibt es meist wunderbare Wandermöglichkeiten. Natur, Landschaft und die gastlichen Mühlen lassen den Besucher wieder eine ganz neue Seite des Rheingau kennen lernen.

Getreidemühlen, Ölmühlen, Walk- und Lohmühlen

Die Mühlen im Rheingau haben eine wechselvolle Geschichte und wurden für vielfältige Zwecke genutzt. Da gab es zum einen die Getreidemühlen, die zu Beginn des Mühlenbaus an den Rheingauer Bachläufen am häufigsten verbreitet waren, doch Ende des 17. Jahrhunderts wurde immer mehr die Kartoffel angebaut, die Müller halfen sich zunächst noch, in dem sie auf minderwertigem Land selbst Getreide anbauten, doch immer wieder wurden die Getreidemühlen auch in andere Mühlen umfunktioniert.

Ölmühlen

So gab es auch Ölmühlen, wie die Pforzheimer Mühle in Winkel, die noch heute von mehreren Walnuss-Bäumen umgeben ist. Man gewann in solchen Mühlen Öl aus Walnüssen, Raps, Leinsamen, Sonnenblumenkernen und Bucheckern, gerade auch nach dem 2. Weltkrieg halfen gute Bucheckernjahre so den Menschen. An der Pforzheimer Mühle wurden übrigens die Nussbäume im 1. Weltkrieg vielfach gefällt, um daraus Gewehrkolben zu machen, dem Müller wurde damit die Existenz entzogen und er gründete ein Weingut.

Loh- und Walkmühlen

Lohmühlen waren im Rheingau ebenfalls sehr verbreitet, am unteren Kiedrich-Bach fand man Mühlen, die Lohe gewannen und Gerberei betrieben. Die Rinde von Eichenbäumen, die im Rheingauer Wald extra für diesen Zweck gepflanzt wurden, wurde in den Mühlen zur Lohe gemahlen, die zur Gerberei notwendig war. Die Eichenlohwälder waren ein aus den Wurzelausschlägen selbst immer wieder erneuernder Wald. Reste dieser Bäume kann man heute noch am Waldrand über den Weinbergen erkennen. Die gemahlene Lohe wurde bis nach Holland verschifft.

Auch die Walkmühlen dienten der Gerberei, indem die Felle in Fässer durch die Wasserkraft der Mühlen ständig bewegt wurden, beschleunigte sich der Gerbprozess. Durch das Walken von Stoffen und Tierhaaren wurden auch Loden und Filze hergestellt.

Andere Mühlen

In manchen Mühlen wurden auch Gewürze gemahlen, man nannte sie Pulvermühlen, weil dort oft auch Erdfarben, Schwefel oder Harze gemahlen wurden. In Papiermühlen stellte man aus alten Lumpen und Stoffresten Papier her. Außerdem wurden einige Mühlen als Sägemühlen genutzt und für den Haus- und Möbelbau schnitt man hier auch Bretter und Balken zurecht. Schließlich gab es auch Schleif- und Hammermühlen, in denen Werkzeuge und Arbeitsgräte aus Metall bearbeitet und manchmal auch erzeugt wurden, bekannt sind hier die Dittmühle in Walluf, in der Becher und Schalen aus Eisen- und Aluminiumblech gefertigt wurden oder die heutige Waldmühle am Kiedrichbach, in der das Beil geschliffen worden sein soll, mit dem man später den Schinderhannes hinrichtete.

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