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Eltville

Hofkleidung, 20 Malter Korn und zwei Fuder Wein

Am 17. Januar "Anno Domini 1465" wurde Johannes Gutenberg in "Eltvil" zum Hofmann ernannt

"Wir Adolff etc. bekennen und thun kunt uffintliche mit diesem brieff, das wir haben angesehenn annemige und willige dinst, die uns und unßerm stifft unser lieber getruwer Johann Gudenberg gethain hait unnd inn kunfftigen zijten wol thun sall unnd mag, darumb und von besundern gnaden ine zu unnserm dhiener unnd hoiffgesinde uffgnommen unnd emphangen, emphangen unnd nemen in uff geynwertiglich in crafft dießs brieffs. Wir sullen unnd wollen ihm auch solichen dinst, dwile er lebet, nit uffsagen, und uff das er solichs dinstes destabas gewesen moge, so wollen wir in alle iar unnd eynns iglichen jars, wan wir unnser gemeynn hoiffgesinde kleyden werden, zu iglichen zijten glich unnßern edeln kleyden unnd unser hoiffkleydung geben laißen unnd alle iar eyns iglichen jars zwenczig malder korns und zweij fuder wins zu gebruchung sines hußs, doch das er die nit verkeuffe ader verschengke, frij an ungelt, nydderlage unnd wegegelt inn unser staidt Mentze inngeen laißen, ine auch, dwile er lebet unnd unnser dhiner sin unnd bliben wirdet, wachens, vollgedynste, schatzunge unnd anderer, die wir andern unnßem burgern unnd innwonern der bemelten unnser staidt Mentze bißher uffgesatzt haben oder hernachmals uffsetzen werden, gnediglich erlaißen. Unnd halt uns daruber der egenant Johann Gudenberg in truwen globt und lipliche eynen eydt zu den heyligen gesworn, uns getruwe unnd holt zu sind, unnßern schaden zuwarnen unnd bestes zu werben und alles das zu thun, das eyn getruwer dyener sinem rechten hern schuldig vorbunden und pflichtig ist zu thun. Alle obgeschribben stugke, puncte und artigkel gereden und versprechen wir in guten waren truwen in crafft dießs brieffs ware, stede, veste unnd unverbrochlich zu halten, dar widder nit zuthun ader schaffen gethan werden in dheyne wiße, ußgescheyden alle argeliste und geverde, unnd des zu urkundetso habn wir unßer ingesiegel thun hengken an diesen brieff, der gebenn ist zu Eltvil am donrstag sant Anthonij tag Anno domini millesimo quadrigentesimo sexagesimo quinto"

Altstadt Eltville

so heißt es in der Originalurkunde, mit der Johannes Gutenberg am 17. Januar 1465 in der kurfürstlichen Burg die einzige Ehrung während seines Lebens erfuhr und zum Hofmann ernannt wurde. Gutenberg brauchte von diesem Tag an keinen Zinnendienst mehr zu leisten, keine Steuern mehr zu bezahlen und bekam jedes Jahr einen "neuen Rock" und durfte beim Kurfürst am Tisch mitessen. Dass er davon nichts verkaufen durfte, ärgerte ihn sehr, weil er doch jeden Pfennig brauchte. Denn eigentlich war es traurig, dass Johannes Gutenberg im Alter auf Wohltaten angewiesen war: Sein Lebenswerk hatte sein ganzes Vermögen verschlungen, er musste Kredite aufnehmen und sein Kompagnon Fust hatte ihm noch einen Prozess angehängt, nur weil der nicht warten konnte, bis das Druckgeschäft richtig angelaufen war. Als dann auch noch Kurfürst Adolf von Nassau nach Mainz kam und erst mit einer Truppe Soldaten seinen Einlass erkämpfen musste, weswegen 800 Mainzer, darunter auch Gutenberg, vertrieben wurden, ging die Werkstatt des Druckermeister wieder verloren. Nichts durfte er mitnehmen. Sein ganzes Vermögen, nämlich die frisch gedruckten Catolicons, ein Lexikon, das er statt seiner 42 Gulden teuren Bibeln verkaufen wollte, blieben in seiner Werkstatt und alle seine Gesellen musste er entlassen. Diese zerstreuten sich nach Köln, Rom und Bamberg und eröffneten hier eigene Druckereien. Nur deshalb hatte sich seine Erfindung so schnell verbreitet und Gutenberg wurde um den Lohn für seine Erfindung gebracht. Johannes Gutenberg ging dann mittellos zu seinem Bruder und dessen Familie nach Eltville, die in unmittelbarer Nachbarschaft der kurfürstlichen Burg lebten und damit auch in direkter Nähe von Kurfürst Adolf, der hier lieber logierte als im feindlich gesinnten Mainz. Adolf betrieb einen regen Ablasshandel, um seine leeren Kassen zu füllen und kam schließlich auf die Idee, dass man mit Gutenbergs Druckerfindung noch mehr Ablassbriefe erzeugen und verkaufen könne. Er durfte seine Buchstaben aus Mainz holen, in Eltville die Brüder Bechtermünz in seine Erfindung einweihen und ihnen das Setzen und Drucken beibringen. Und dann wurden die Ablassbriefe gedruckt wie am Schnürchen und Adolfs Kasse klingelte. Deshalb gab es schließlich auch die Hofmann-Ernennung für Johannes Gutenberg.

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