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Allendorf - eine sichere Bank!

11.01.2018

Der 2016er Winkel Jeusitengarten Riesling GG aus dem Weingut Allendorf in Winkel - ein Wein von großer Zukunft.

An diesem Beitrag bin ich fast verzweifelt. Ich will über einen wunderbaren Wein schreiben, und wer fällt mir auf den Schreibtisch: Johann Wolfgang von Goethe. Immer wieder Goethe. Mann, Geheimrat! Er war ein großer Rheingau-Liebhaber, was ihn zusätzlich ehrt; den schmunzelnden Leser nicht zwingend. Und, er hat gelegentlich so pointiert formuliert, dass diese Aussagen bis heute an ihrer Aktualität nichts verloren haben.

Einen Ort im Rheingau nennt er schlicht 'Langenwinkel' und schreibt, "ein Ort bis zur Ungeduld des Durchfahrenden in die Länge gezogen." Bettina von Arnim hat so manchen Brief an ihn mit dem Absender 'Weinzell-Winkel' versehen. Ich bin mitten in Winkel, dem wohl - Eltviller und Rüdesheimer mögen es mir verzeihen - traditionsreichsten und authentischen Rheingauer Ort. Hier spiegelt sich das Kulturland Rheingau in ganz besonderer Weise. Es wäre keine geringe Herausforderung, einen Spannungsbogen von dem großen Hrabanus Maurus - dem Verfechter der karolingischen Renaissance - bis zur melancholischen 'Muße der Romantik', Karoline von Günderrode, zu ziehen. "Das Bewusstsein des Genusses liegt immer in der Erinnerung." Keine Sorge, ich werde diesen Satz Günderrodes nicht einem philosophischen Exkurs unterwerfen. Nur, nachdenkenswert ist er gleichwohl.

Sie erdolchte sich selbst am 26. Juli 1806 am Rheinufer in Winkel. Vielleicht wusste sie um den mittelalterlichen Galgengipfel in Ufernähe. Möglicherweise kannte sie aber auch die Geschichte der Lützelau. Jener Ort am Winkeler Rheinufer (Die Lützelau war keine Insel. Seit der wunderbaren Abhandlung von Rudolf Rosensprung 1962 in den Mitteilungen der Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung e. V. ist dies unstreitig.) war der Rheingauer Versammlungsort und Gerichtsort bis weit ins 17. Jahrhundert hinein. Hier hielten die Abgesandten der Rheingauer Gemeinden am 27. Mai 1324 die ihnen von jeher bekannten Rechtsverhältnisse schriftlich fest - das Rheingauer Weistum. Rechtsschutz, Marktrecht mit Mainz, keine Leibeigenschaft - nur drei Punkte einer umfangreichen Rechtssetzung. Hochaktuell dürfte ein damals wohl sehr liberales Einwanderungsrecht gewesen sein. Jeder 'Armmann' und verfolgte Unfreie aus anderen Regionen durfte Schutz im Rheingau suchen. Sehr bildhaft wird im Weistum die aktive Unterstützung durch die Beamten des Erzbischofs dargestellt. Wurde die Hilfe unterlassen, entstand ein Schadensersatzanspruch. Ja, jeder 'Armmann' - gleich welcher Herkunft - konnte Rheingauer Bürger werden.

Kurfürst Albrecht von Brandenburg höhlte nach den Bauernkriegen diese Rheingauer Freiheiten immer mehr aus. Er hatte auch ein Faible für die 1534 gegründeten Jesuiten. Wenn wundert es. Allerdings wird der Orden erst unter Johann Schweikkard von Kronberg in Mainz ansässig. 1606 überträgt er ihnen auch eine Weinlage, Gehöfte und die Kapelle St. Bartholomae in Winkel. In unmittelbarer Nähe zur Lützelau. 1616 bauen die Jesuiten auch die Alte Universität in Mainz (Domus Universitatis). Ihre Hauskirche ist die Taufkirche Johannes Gutenbergs - St. Christoph. 1773 wird der Orden aufgelöst. Einer ihrer Gegner ist der Mainzer Erzbischof Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim. Zeugnisse seiner großen Baulust in der Mainzer Altstadt sind z. B. St. Ignaz und die Augustinerkirche - er wollte keine 'Bauernkirchen' in seiner Stadt. Im Volksmund hieß jener Bischof aufgrund seiner Trinkfreude nur "Emmerich Josef von Breifass-Schütt-es-rein". Er zog alle Besitzungen der Jesuiten ein. Auch die Weinlagen in Winkel - heute der 26 ha große Jesuitengarten. Eine ganz außergewöhnliche Rheingauer Weinlage. Schwemmböden - Sand, Lehm und Kies, nach Süden und Südwesten ausgerichtete Weinberge - ideale Lage für ausdrucksstarke Rieslinge.

Hier kommt der 2016er Winkel Jesuitengarten Riesling GG des VDP-Weinguts Allendorf her. Die Familie Allendorf ist eine alte Rheingauer Familie - wahrscheinlich waren Vorfahren auch bei der Rechtssetzung 1324 dabei. Zuzutrauen wäre es ihnen. Immerhin sind sie bis ins Jahre 1292 nachweisbar. An vielen Orten haben Allendorfs gewirkt (das heutige Schloss Reinhartshausen gehörte im 14. Jahrhundert den Rittern von Allendorf). In Winkel sind sie daheim. Hier bauen sie seit 1773 Wein an. Heute mit 75 ha das größte familiengeführte Weingut im Rheingau. Ein Verdienst des außerordentlich engagierten Uli Allendorf und seiner Schwester Christine Schönleber. Eine große Familie. Alle packen an, machen mit, gehören dazu. Gelebte und herzliche Tradition. Nach und nach tragen die Weine des Guts die Handschrift von Kellermeister Max Schönleber - Sohn von Christine und Betriebsleiter Josef Schönleber. So auch der 2016er.

Ich weiß, ich hätte den Wein noch nicht trinken sollen. Ein Hochgenuss. Trotzdem. Jung, voller Potenzial. Feinfruchtige Eleganz. 'Ein Maul voll Wein' - wie der Rheingauer sagt. Und mit einer ungeheuren Kraft am Gaumen. Hätte ich den passenden Weinkeller und - ganz wichtig - Geduld, ich würde mir sofort einige Kisten in eben diesen legen und 20 Jahre warten. Dann aber, jeden Monat wenigstens eine Flasche. Vielleicht warte ich aber nur bis Ostern oder auch nur bis nächste Woche oder bis morgen oder trinke ihn einfach jetzt. Dabei denke ich an eine andere große Rheingauer Dichterin - Adelheid von Stolterfoth. Bei jedem Schluck dieses Weines zitiere ich die letzte Strophe ihres Rheingau-Gedichts:

"Wer auch am Göttertisch ein edler Zecher,
Der fülle dann mit rhein'schem Gold den Becher,
Er heb' ihn hoch, er schlürf ihn fröhlich ein
Und rufe laut: Gepriesen sey der Rhein!"

2016 Winkel Jesuitengaren Riesling GG
VDP.GROSSES GEWÄCHS
Riesling trocken
25,00 Euro/ 0,75 l
Mehr Infos unter www.allendorf.de

Ein Bericht von Markus Hebgen vom 11.01.2018.

http://www.weinundleben.eu

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